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Es ist mal wieder Alien-Zeit und doch ist etwas anders bei diesem Leinwanddebüt, denn dieses Mal wird nicht gleich die komplette Erde angegriffen und weder das Militär, noch die Besatzung eines Raumschiffes ist involviert.
Die Faszination erwächst vielmehr aus der Skurrilität des Genremixes, die Alien-Invasion mit Mustern eines Sozialdramas zu vermengen, was zwangsläufig einen latenten Schmunzeleffekt zur Folge hat.

Der Wyndham-Tower im Süden Londons ist ein Block mit vielen sozialen Problemfällen wie die Gang um Moses, welche am Abend der Guy Fawkes Night die Krankenschwester Sam überfällt. Kurz darauf bekommen es die Kleinkriminellen mit einem fremden Wesen zu tun, welches kollektiv erlegt wird. Doch diese Tat zieht weitere Außerirdische mit wenig freundlichen Absichten nach sich…

Debütant Joe Cornish verplempert keine Zeit mit irgendwelchen Expositionen, sondern steigt sofort ins Geschehen ein und legt von Beginn an ein unglaublich hohes Tempo mit viel Bewegung vor.
Für das halbwegs authentische Feeling sorgen derweil die zahlreichen unverbrauchten und größtenteils glaubwürdig agierenden Jungdarsteller, die mit ihrem Slang und der Unterstützung der stets treffenden Musikauswahl in Form von Elektro oder Hip Hop nicht allzu sehr in die Klischeekiste fallen, sondern zuweilen mit untypischen Verhaltensweisen überraschen, wie den beruhigenden Anruf bei Mami oder einer kurzen zwischenmenschlichen Phase infolge Drogenkonsums.

Dass die Extraterrestrischen eher eindimensional gestaltet wurden, ist sicher primär auf das geringe Budget zurückzuführen, doch gleichermaßen ist es eine Stärke, mit wenig Aufwand, innovativ anmutende Kreaturen zu gestalten. Denn diese gorillaähnlichen Hunde mit pechschwarzem Fell, ohne Gesicht und leuchtendem Gebiss huschen zuweilen recht agil durch die Nacht und können sogar eine Hochhausfassade erklimmen.
Ab und an sorgen sie für leicht blutige Effekte, auch wenn der Splattergehalt eher niedrig gehalten wird, denn es steht der Spaß im Vordergrund, welcher sich durch bizarre Situationen und haarsträubende Verhaltensweisen ergibt.

So sucht man zum Schutz das Domizil des lokalen Drogenzüchters auf, macht die Begegnung zwischen Gang und Krankenschwester zum Running Gag, man wehrt sich mit Feuerwerkskörpern, Knallern, Schwert und Spritzpistole und manchmal langt auch ein Schlittschuh. Ob ein Vorantasten im vernebelten Flur, ein Spähen aus dem Versteck einer Mülltonne oder ein Crash mit einem Polizeiwagen, - die Kamera ist immer auf Höhe des Geschehens und liefert schnörkellose Szenen ab, die der Action entsprechenden Drive liefern, ohne durch zu viele Schnitte hektisch zu wirken.

Nach tief greifender Sozialkritik sollte man bei alledem ebenso wenig Ausschau halten wie nach sonderlich bombastischen Effekten, doch die Simplizität und die Konzentration auf das Wesentliche bewirken bei diesem Streifen ein hohes Maß an Kurzweil und gute Laune, während die Atmosphäre aufgrund der düsteren Kulissen zum Tragen kommt.
Eine durchaus innovative Mischung, die von der ersten Minute an auf hohes Tempo setzt und inszenatorisch als auch erzählerisch kaum Schwächen aufzuweisen hat.
Ein viel versprechender Erstling, der sogleich Lust auf mehr macht und für eine gesellige Runde unter Gleichgesinnten bestens geeignet ist.
7,5 von 10

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