Alte Hotels haben fast immer eine Geschichte zu erzählen, vor allem wenn sie lange nicht restauriert wurden und man beim Durchkämmen der Räume das Gefühl hat, mindestens drei Jahrzehnte zurück in die Zeit geschleudert zu werden. Dies ist genau der Punkt, den Regisseur Ti West hervorragend herausgearbeitet hat, indem nicht etwa eine künstliche Kulisse errichtet, sondern in einem echten Hotel in Kanada gedreht wurde. Der Rest seiner Spukhotelgeschichte zündet jedoch überhaupt nicht.
Das Yankee Pedlar Inn ist ein altehrwürdiges Hotel, welches bald geschlossen werden soll. Nur noch wenige Gäste befinden sich in dem Gebäude, in dem sich die Rezeptionisten Claire (Sara Paxton) und Luke (Pat Healy) entsprechend langweilen und eher zum Spaß paranormalen Erscheinungen nachstellen wollen. Doch dann treffen sie auf den Geist der dort im 18. Jahrhundert verstorbenen Madeleine O'Malley…
Auf Zuschauer mit modernen Sehgewohnheiten, welche an jeder Ecke Schockeffekte vermuten ist diese Erzählung gewiss nicht zugeschnitten. West nimmt sich viel Zeit, um das ungleiche Duo zu etablieren, lässt ein wenig die Räumlichkeiten wirken, um erst nach geraumer Zeit ein paar halbgare Gruselmomente einzubringen, indem Claire mit Mikrophon und Rekorder durch die Räume schleicht und dabei ein Pianospiel wahrnimmt, während das Klavier natürlich unbesetzt ist. Das wäre ein guter Einstieg für altmodisches Gruseln.
„Bis das Blut gefriert“ hat vorgemacht, wie solch eine Haunted House Geschichte mit wohldosierten Effekten funktionieren kann, doch West ist weniger an schauerlichen Szenen interessiert als an endlos langen Einstellungen, die mit der Erwartungshaltung des Betrachters spielen sollen, jedoch kaum überraschende Momente als Pointe zufolge haben.
Das Resultat ist gähnende Langeweile mit nur wenigen atmosphärischen Szenen, denn auch wenn die Kamera grundsolide die engen Flure oder den maroden Kellerraum einfängt, - es tut sich einfach nichts im Hotel.
Erschwerend kommt hinzu, dass Claire nicht gerade eine Sympathieträgerin ist, indem sie bei jeder Kleinigkeit mit den Armen wedelt oder gar in totale Hysterie verfällt, während Luke als wortkarger Typ mit merkwürdiger Frisur aufgrund diverser Eigenschaften ein wenig ekelig anmutet. Einzig eine alte Schauspielerin (gespielt von Kelly McGillis) kommt sympathisch rüber, erhält als Zwischenfunktion eines Mediums jedoch zu wenig Screentime.
Wirklich creepy ist demgegenüber George Riddle als allerletzter Gast mit dunklem Geheimnis, doch auch der verkommt zum Fragment innerhalb einer Sammlung von Fragmenten.
Denn das Drehbuch offenbart sich im Verlauf mehr und mehr als lückenbehaftet und hält es gar nicht für nötig, etwaige Hintergründe zu präsentieren oder gar Zusammenhänge aufschlussreich zu erklären. Besonders das abrupte Ende lässt einige Fragen offen und auch die Hintergrundgeschichte der ominösen Madeleine O'Malley wird nur vage angerissen.
Zwar vermögen Score und Sounduntermalung durchweg zu punkten und auch das stimmige Interieur wird souverän eingefangen, doch im Endeffekt reicht eine ab und an stimmige Atmosphäre nicht aus, wenn rein inhaltlich kaum Ereignisse stattfinden und die Geschichte ewig auf der Stelle tritt.
Ti West offenbart mit seinem Streifen, dass er handwerklich souverän zuwerke geht und durchaus ein Gespür für stimmige Momente aufbringen kann, doch eine fesselnde Geschichte darf man in vorliegendem Fall beileibe nicht erwarten, was letztlich auch das deutlichste Manko darstellt. Zuviel Lethargie, zuviel Redundanz, kaum Grusel und wenn, dann wirkt er so altbacken, als würde Kubrick eine Kinderversion von „Shining“ vorlegen.
4 von 10