Der unbeholfenste Horrorfilm aller Zeiten?
Ein einziges Wochenende noch, und dann schliesst das Yankee Pedlar Inn endgültig seine Tore. Die beiden Angestellten Claire (Sara Paxton) und Luke (Pat Healy) betreuen das Hotel in seinen letzten Tagen. Sie haben sich in den Kopf gesetzt, die paranormalen Vorkommnisse im Gebäude zu dokumentieren, bevor es einem Parkplatz weichen muss. Denn Luke behauptet, er hätte den Geist von Madeline O'Malley gesehen, die sich um 1800 in den Räumlichkeiten des Hotels erhängt haben soll. In den Nächten bleiben die beiden Angestellten also wach, um Audio- und Videoaufnahmen zu machen. Dabei verwandelt sich das anfangs ironische Gruseln bald in waschechten Schock.
Gäbe es einen Preis für den unbeholfensten Horrorfilm aller Zeiten, wäre Ti Wests The Innkeepers (2011) ein heisser Anwärter für die Trophäe. Vordergründig bemüht sich der Streifen um Subtilität und Authentizität: ein gemächlicher Einstieg, etwas gespenstische Musik, lockeres Geplauder zwischen Claire und Luke. Aber schon der erste Schreckmoment macht klar, in welch plumpem Territorium wir uns hier bewegen. Luke zeigt Claire eines dieser schnöden Onlinevideos, in dem zunächst ein ruhendes Bild gezeigt wird, das urplötzlich von einer Fratze verdeckt wird. Ja, Leute, das war gruselig, als ich mit zehn das erste Mal durchs Internet streunte … Das wirklich Schockierende: Viel mehr als das hat Ti West nicht in seiner Trickkiste. Wer also auf billige Jump-Scares steht, kommt in The Innkeepers auf seine Kosten. Alle anderen werden nach einer halben Stunde gegen die Müdigkeit ankämpfen. Denn spätestens dann stellt sich die Frage: »Weshalb nochmal sollte uns das Geschehen auf der Leinwand interessieren?«
Die beiden Hauptfiguren sind einfältig, ungehobelt und schlichtweg langweilig. Von Luke wissen wir, dass er gerne Pornos im Internet anschaut. Von Claire wissen wir, dass sie Asthma hat. Das ist so ziemlich alles, was der Film an Charakterzeichnung drauf hat. Ach ja, da gibt es noch eine abgehalfterte Schauspielerin Leanne Rease-Jones (Kelly McGillis), die das Hotel besucht und sich als Medium versucht. Ihre Weisheiten sind dermassen dümmlich, dass es fast schon ein Ehrentitel wäre, sie »Klischees« zu nennen. Schliesslich ist da noch ein alter Mann, ebenfalls Hotelbesucher. Seine Aufgabe ist es, möglichst gruselig aus der Wäsche zu schauen – mit mässigem Erfolg.
Schmerzlich auch die Dialoge, die auf charmant und witzig getrimmt sind, daran aber kläglich scheitern. Hin und wieder ein müdes Lächeln liegt drin, das ist dann aber auch das höchste der Gefühle. Manche Gespräche sind so blamabel, dass es fast weh tut. Fairerweise muss man sagen, dass West wohl bewusst mit peinlich berührten Pausen und sozial unangenehmen Situationen arbeitet. Die Szenen verfügen aber über keinerlei Mehrwert.
Und die Backstory des gruseligen Hotels? Ähm. Wenn es denn nur eine gäbe! Irgendwann zu Beginn leiert Claire die Lebensgeschichte der Madeline O'Malley herunter – und das nur, um einem kleinen Jungen Angst einzujagen. (Was für eine freundliche Protagonistin wir doch haben!) Und? Was hat die Geschichte mit den Geschehnisse im Hotel zu tun? Rein gar nichts. Gibt es irgendein Mysterium zu lösen? Nö. Kommt irgendwann auch nur der Hauch von Spannung auf? Ja. Einmal, ganz kurz. Aber darüber kann man sich gar nicht so recht freuen, denn eine Minute später muss man sich gleich wieder über das strunzdumme Verhalten unserer »Helden« aufregen.
Die Story ist völlig beliebig. Besonders eine Wendung ergibt – über den Daumen gepeilt – Nullkommanull Sinn. Das Ende ist geradezu eine Beleidigung, vergleichbar mit einem nutzlosen Schulterzucken. Als hätte Ti West selbst nicht gewusst, was er mit The Innkeepers eigentlich erreichen wollte. Ich weiss es auch nicht. Ich kann euch nur ausdrücklich vor dieser Gurke warnen.
2/10