"Visus - Expedition Arche Noah" ist ein Abenteuerfilm, in dem es sich jedoch anders als der Titel zunächst sagt nur scheinbar um die Arche Noah dreht. Diese wird nur als Aufhänger benutzt, um eine Verschwörungsgeschichte zu erzählen, die sich schließlich um die sogenannten Augen Gottes dreht. Zwei Relikte die zusammengeführt das Ende der Welt herbeiführen können. Im Film werden zunächst die Charaktere eingeführt, der Held Robert Kästner (Stephan Luca), sein Onkel Prof. Sörensen (Michael Gwisdek), der im Rollstuhl sitzt, immer wieder amüsante Dialoge mit Kästner führt und sich sein Leben mit der Arche Noah befasst hat. Natürlich auch noch eine hübsche Forscherin die sich selbstredend später in den Helden verliebt und der Bösewicht der die Welt zerstören will. Dazu gibt es noch eine Nebenhandlung um die Pest, die anfangs für die nötige Dramatik sorgt, später aber einfach fallen gelassen wird. Auch der anfängliche Rahmen um die Arche Noah wird nur hin und wieder noch erwähnt, stattdessen dreht sich der Film letztlich eigentlich nur noch um die Augen Gottes und die Tempelritter Organisation, die diese ebenfalls finden will.
Dennoch ist die Story durchaus spannend und unterhaltsam, wenn man sich nicht daran stört und auch die offensichtlichen Parallelen zu Indiana Jones einen nicht stören (allein schon die Konstellation Kästner und sein Onkel sind doch sehr offensichtlich so aufgebaut wie Indy und sein Vater im dritten Indiana Jones Film). Es gibt einige sehr ordentliche Action-Szenen, eine tolle Optik und auch grade anfangs eine gute Dramaturgie. Gerade durch die wirklich gute Optik wird mitunter eine ziemlich spannende Atmosphäre geschaffen, die nur in der Mitte des Films etwas schwächelt und leider nie ganz durchgehalten wird (dazu später ein paar Worte). Auch die Soundkulisse ist gut gewählt, unterstützt die Atmosphäre ohne je zu penetrant zu wirken.
Dennoch merkt man dem Film an einigen Stellen an, das er halt "nur" eine Fernsehproduktion ist. Zwei Dinge ziehen den Film, der eigentlich gut sein könnte, doch merklich nach unten: Zum einen ist da die schauspielerische Leistung. Bis auf den routinierten Michael Gwisdek, der dem Prof. Sörensen den nötigen Charme verleiht und mit leichten Abstrichen Hilmi Sözer, der die Rolle als treuer Begleiter und Fahrer überzeugend rüberbringt ist die schauspielerische Leistung schwach bis miserabel. Vor allem Stephan Luca spielt hölzern und wirkt nie so, als würde ihn das Geschehen um ihn herum ernsthaft interessieren. Selbst die Liebesszenen wirken einfach unglaubwürdig. Gerade weil er die Hauptrolle hat fällt das natürlich besonders ins Gewicht.
Der zweite große Kritikpunkt ist die Regie. Der Film schafft zwar phasenweise eine echt gute Atmosphäre, aber oft wird zu schnell von einem spannenden Moment auf fast schon klamaukartige Szenen umgesprungen. Der Regisseur zeigt hier oft nicht das nötige Feingefühl wann eine lustige Szene angebracht ist und wann sie einfach nur kontraproduktiv wirkt. Tobi Baumann der hier Regie führte, hatte bisher aber auch hauptsächlich Komödien gedreht ("Der Wixxer", "Vollidiot"), was das ein stückweit erklären könnte.
Fazit:
Visus ist eine visuell ansprechende, teilweise atmosphärische Fernsehproduktion mit allerdings schwachen Schauspielern, und einem nur mässig gelungenen Spannungsaufbau. Wer Filme ala Indiana Jones mag, der wird auch an Visus seinen Spass haben. Für alle anderen ist Visus "nur" ein mittelmässiger Abenteuerfilm, der seine Reize aber auch seine Schwächen hat und sich letztlich im Mittelmaß einpendelt.
5/10 Punkte