Innerhalb der ersten zwanzig Minuten wähnt man sich in einem Slasher, bei dem ein Augenarzt mit Ödipuskomplex per Hypnose mordet und Augäpfel entfernt.
Bis jener Killer ins Kino geht und die zweite Ebene entsteht: Der mordende Augenarzt ist Teil eines Films, den das Publikum in einem anderen Kino verfolgt. Doch auch in jenem Kino geht ein Killer um.
Was vom Einfall her echt grandios klingt, entpuppt sich als kleiner Schnarcher, der zwischenzeitlich eher nervt und zu keiner Zeit auf den Punkt kommt.
Namen wie Zelda Rubinstein als hypnotisierende Mutter und Michael Lerner als ihr mordender Augensammler-Sohn ändern nichts an der Tatsache, wie wenig das Potential des Schreckens genutzt wird.
Als Identifikationsfigur wird uns ein Mädchen präsentiert, das die meiste Zeit mehr heult, als Initiative zu ergreifen oder halbwegs logisch zu handeln und auf Seiten der/des Killers entstehen Szenen, die in ihrer Art eher an eine Theateraufführung erinnern, - so bemüht sind sie um einen ernsten Gesichtsausdruck und so bemüht ist die Kamera, ihre stoischen Gesichter in Großaufnahme einzufangen.
Dabei ist es schade um die guten Ansätze, etwa, als sich Killer 1 einer Zuschauerin von hinten nähert und das Kinopublikum 2 unbehaglich reagiert und sich Vereinzelte umblicken.
Von solchen Szenen hätte man sich mehr gewünscht. Momente, die die beiden Kinowelten intelligent miteinander verschmelzen lassen, finden sich leider nur selten, das Erzähltempo ist äußerst behäbig und erzeugt Spannung nur dann, wenn auf beiden Ebenen gleichzeitig zugeschlagen wird und man im ersten Moment nicht weiß, auf welcher Ebene sich das potentielle Opfer befindet.
Allerdings finden sich auch eklatante Logiklücken. So wird „The Lost World“ als Film eingebunden, dem der mörderische Augenarzt am Rande beiwohnt, das Publikum, welches eigentlich jenen mörderischen Arzt erblicken sollte, sieht zeitweise aber auch „The Lost World“.
Auch wird nicht klar, wie ein angebliches von innen verriegeltes Kino (auf beiden Ebenen) mühelos verlassen, beziehungsweise ohne Probleme von außen betreten werden kann.
So richtig durchdacht erscheint das Skript nicht und das äußert sich eben nicht nur auf Basis der beiden Parallelwelten.
Ganz nett sind noch einige minimale Splattereinlagen wie Kehlenschnitte, Heraustrennen von Augäpfeln und eine Gänsehaut-Szene mit Skalpell bis kurz vor der Netzhaut im Auge, doch jene Momente wiegen ein paar nervige Hypnose-Einlagen mit sich stets wiederholenden Beschwörungsformeln nicht auf. Auch wenn dort bemüht mit visuellen Spielereien wie Überblendungen, dem Verteilen von Licht und Schatten und leichten Farbfiltern gearbeitet wird, - das wirkt wie Arthouse auf niederem Giallo-Niveau.
Während des Showdowns zeigt sich zwar noch mal, wozu die gute Grundidee imstande gewesen wäre, als beide Killer in die Bredouille geraten und auf beiden Ebenen das Publikum in Panik gerät, während der Polizeieinsatz nicht lange auf sich warten lässt, doch insgesamt vermag das kaum den Eindruck eines blassen und distanzierten Slashers auszubügeln.
Wahrlich schade, doch die Sache wirkt einfach nicht rund. Einige Horrorfans mögen sich indes an der ohne Zweifel guten Prämisse erfreuen, doch ans Eingemachte geht dieser Streifen nicht.
Vielmehr lässt er zwei Killer innerhalb einer Kinokulisse morden, was zu fast keiner Zeit wirklich spannend erscheint, noch irgendwann einen Aha-Effekt entstehen lässt.
Das Ganze wirkt furchtbar distanziert, zeitweise unlogisch ausgearbeitet und nur phasenweise den „Augenblick der Angst“ in den Fokus rückend.
Von der Idee „Film-im-Film“ gibt es wahrlich ausgeklügeltere Varianten.
4 von 10