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„Im Augenblick der Angst“ ist eine US-amerikanisch-spanische Koproduktion aus dem Jahre 1987, bei der der Spanier Bigas Luna („Die tätowierte Leiche“) die Regie führte und auch zusammen mit Michael Berlin das Drehbuch verfasste. Man könnte sie grob in Richtung Slasher einordnen, doch damit würde man dem Film nicht gerecht.

Denn „Im Augenblick der Angst“ ist vor allem ein originelles, gewitztes Verwirrspiel für den Zuschauer, das mit seinem Spielort – einem Kino – deutlich von Lamberto Bavas „Dämonen“ inspiriert wurde, selbst aber offensichtlich wiederum das Slasher-Revival der 1990er-Jahre inspiriert haben dürfte – einige Szenen erinnern doch stark an wesentlich populärere US-Produktionen jenes Jahrzehnts.

Zu Beginn wird man Zeuge, wie eine skurrile Mutter (Zelda Rubinstein, „Poltergeist“) ihren nicht minder skurrilen Sohn und Augenarzt (Michael Lerner, „Das Omen IV“) hypnotisiert und dadurch auf eine Killertour schickt, bei der er seinen Opfern die Augäpfel zu amputieren und seiner Sammlung hinzuzufügen pflegt. Diese Szenen sind schon einmal herrlich gruselig und bösartig-grotesk, Rubinstein und Lerner werden perfekt in Szene gesetzt und ihre Charakterfressen voll ausgekostet. Erst nach einer ganzen Weile bemerkt man bzw. wird einem mitgeteilt, dass man sich in einem „Film im Film“ namens „The Mommy“ befindet, den u.a. zwei süße Teenagerinnen gerade in einem Kino verfolgen und somit ebenfalls den ausgiebig gezeigten Hypnoseszenen mit Spiral- und sonstigen Effekten ausgesetzt sind. Ein genialer Aha-Moment, zumindest beim ersten Anschauen. Es kommt, wie es kommen muss, und auf einen der Kinogäste wirkt die Hypnose tatsächlich, so dass er sich nun in eben jenem Film wähnt und selbigen schiebt – was mit starken Verlusten unter den übrigen Kinogängern einhergeht. Spätestens, wenn der Mörder in „The Mommy“ ebenfalls ein Kino für seine Untaten aufsucht, verschwimmen filmische Fiktion und filmische Realität. Einige Szene wurden von Luna so geschickt montiert, dass beide Ebenen nicht mehr auseinander zuhalten sind. Der Härtegrad ist dabei durchaus als gehoben zu bezeichnen und wurde entsprechend grafisch umgesetzt, ohne aber in einem Splatter-Blutbad zu enden. Stattdessen setzt Luna auf ausdrucksstarke Bilder inkl. einiger Farbfilter-Spielereien etc., während die talentierten Darsteller mit ihrem leicht überzeichneten Schauspiel die Stimmung des Films auf Level halten und mit ein wenig schwarzhumorigem Witz versehen. Denn „Im Augenblick der Angst“ nimmt die hysterische Angst vor angeblich aus Horrorfilmen resultierenden Gefahren aufs Korn und zum Anlass für seine übertriebene Geschichte, die den Freund pathologischer Killergeschichten mit subtiler Selbstironie durchweg gut unterhält.

Damit hat sich „Im Augenblick der Angst“ meines Erachtens seine 7,5 Punkte redlich verdient, auch wenn ich da vielleicht ein klein wenig hochgegriffen habe, weil der Genrefan gerade mit mir durchgeht. Möglich aber auch, dass alle – inkl. meiner –, die den Film gesehen haben, ebenfalls hypnotisiert wurden und nicht mehr viel mit der irdischen Realität zu tun haben. Wie auch immer, diesen Film (eigentlich sind’s zwei zum Preis von einem) werde ich hüten wie meinen Augapfel (ok, ganz schlechtes Wortspiel...).

Eine rhetorische Frage sei aber noch gestattet: Wie geil müsste es kommen, diesen Film in einem Kino zu sehen…?

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