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„Sie werden uns nicht kriegen – wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs.“

„Blues Brothers“ aus dem Jahre 1980 ist einer dieser unverrückbaren, tatsächlichen Kultfilme und eine der besten Regiearbeiten John Landis‘ („Animal House“). Wer das noch nicht oder noch nicht so empfindet, sollte ihn sich ein zweites oder drittes Mal ansehen, denn der Film scheint mit jeder Sichtung zu wachsen (was zu seiner Kultwerdung beitrug).

„Du hast 'ne Art, dass man laufend kotzen könnte!“

Die Action-Musical-Komödie basiert auf zwei Figuren, die John Belushi („1941 – Wo, bitte, geht's nach Hollywood?“) und Dan Aykroyd („The Rutles – All You Need Is Cash“) ursprünglich für die US-Comedy-Show „Saturday Night Live“ entwickelt hatten. Es folgte eine tatsächliche Band um die beiden, mit der sie auf Tour gingen und Platten aufnahmen. Der nächste Schritt war ein von Aykroyd verfasstes Filmdrehbuch, das von Landis kräftig getrimmt und überarbeitet wurde.

„Wir bringen die Band wieder zusammen!“

Jake Blues (John Belushi) wird nach drei langen Jahren aus dem Knast entlassen und von seinem Bruder Elwood (Dan Aykroyd) abgeholt. Als erstes steuern sie das Waisenhaus an, in dem sie unter der Leitung Schwester Mary Stigmatas (Kathleen Freeman, „Latigo“) aufgezogen wurden. Zu ihrem Entsetzen erfahren sie dort, dass es wegen einer Grundsteuerschuld akut von der Schließung bedroht ist. Jake wird im Zuge einer zur Gospelparty avancierenden Predigt unter Leitung des Predigers Right Reverend Cleophus James (James Brown) erleuchtet und möchte die alte Band wieder zusammenbringen, um – im Auftrag des Herrn – Geld für die Rettung des Hauses einzuspielen. Dies ist der Auftakt zu einer rasanten Odyssee durch Chicago, die mit Jakes von ihm sitzengelassener Verlobter (Carrie Fisher, „Krieg der Sterne“), mit den Brüdern auf Kriegsfuß stehenden Polizisten, Country-&-Western-Rednecks sowie Nazis (u.a. Henry Gibson, „Nashville“) gepflastert ist und zu jeder Menge Sachschaden führt…

Das „Blues“ ist etwas missverständlich, denn die von zahlreichen selbst mitspielenden musikalischen Größen vorgetragene (meist großartige!) Musik ist eher im Rhythm and Blues und im Soul zu verorten. Und um es vorwegzunehmen: Die Band, ein mittlerweile ziemlich abgehalfterter Haufen, kommt wieder zusammen. Die erste Actionsequenz, eine Verfolgungsjagd voller Stunts, lässt nicht lange auf sich warten und hängt mit der Flucht der selbst in einem ausrangierten Polizeiwagen fahrenden Brüder vor der Polizei zusammen. Besonders hart trifft es dabei ein Einkaufszentrum. Jakes Ex schießt gar mit scharfer Munition um sich.

Elwood lebt in einer Abrisspension, in der Jake mit einzieht – womit endgültig klar ist, welcher gesellschaftlichen Schicht die beiden zuzuordnen sind. Und dass „Blues Brothers“ nicht zuletzt auch ein Film über den Kampf von unten gegen oben ist. Als ihre Pension in die Luft gesprengt wird, überleben die beiden unverletzt und wundern sich weder über das eine noch das andere. Dieser Stoizismus ist neben ihrem Outfit mit Anzug und Sonnenbrille Indikator für die Coolness der beiden, die nicht aufgesetzt ist, sondern daraus resultiert, sich mit der Rolle als gesellschaftliche Außenseiter angefreundet und nicht viel zu verlieren zu haben.

Als man fein Französisch essengeht, sorgt dies für Unmut der anderen Gäste und des Betreibers, der jedoch ein alter Kumpel und ehemaliges Bandmitglied der beiden ist. Man fährt in eine feiernde Nazimeute, die sich durch einen Sprung von der Brücke retten muss, und sucht den Gitarristen Matt Murphy auf, der inzwischen einen Imbiss mit seiner Frau betreibt. Als sie ihn dazu überreden, wieder mitzumachen, ist seine Frau (Aretha Franklin) dagegen und legt eine „Freedom“-Performance aufs Parkett. Doch es nützt nichts, er geht mit ihnen mit. Zu essen haben sie indes nichts mitbekommen. Die nächste Station ist der schießwütige Musikbedarfsladeninhaber Ray (Ray Charles), bei dem sie einkaufen wollen. Daraus wird eine Performance Rays, in die beide tanzend und singend einsteigen. Man bringt die ganze Straße zum Tanzen, während die böse Ex nun mit dem Flammenwerfer anrückt. Es folgt der wohl legendärste Auftritt des Films in der Country-&-Western-Bar hinterm Gitterzaun, wo sie aufgrund ihres Getränkekonsums sogar noch draufzahlen sollen. Die Sequenz resultiert erneut in Stunts und Blechschäden. Ohne es direkt darauf anzulegen, wächst so die Zahl derer, die den Brüdern und der Band feindlich gesinnt sind.

Ihren ehemaligen Manager Maury Sline (Steve Lawrence, „Super-Express“) treffen sie in einer Kneipe und bitten ihn, Gigs zu arrangieren. Er lässt sich darauf ein und es gelingt ihm, u.a. aufgrund massiver Werbemaßnahmen, dass das nächste Konzert zu einem vollen Erfolg wird. Die große Show mit mehreren Stücken vor begeistertem Publikum wäre vielleicht in anderen Filmen das krönende Happy End gewesen, doch noch immer sind alle hinter den Brüdern her, was noch einmal zu einer Menge Action und einer riesigen Materialschlacht im Finale führt. Am Schluss werden dann alle Gaststars kurz vorgestellt, die Landis zahlreich vor der Kamera versammeln konnte (und ich hier bei Weitem nicht alle erwähnt habe).

Wer Action und Musik mag, kommt hier also auf seine Kosten. Doch „Blues Brothers“ ist mehr, nämlich eine warmherzige Komödie um zwei cartooneske Gestalten, von denen Elwood die personifizierte Coolness ist, während Jake den Flow und den Groove mitbringt. Das Chaos, das sie verursachen, nehmen sie meist eher beiläufig zur Kenntnis, vermutlich weil sie wissen, dass sie nicht wirklich verantwortlich sind, sondern es ursächlich in jenen Menschen liegt, die so ganz anders sind als sie. Sie nehmen all das eben nicht zu schwer und lassen sich nicht von ihrem Weg abbringen. Damit verkörpern sie eine Gelassenheit, die sich manch Zuschauerin und Zuschauer sicherlich häufig im Leben wünschen, weshalb sie zu Identifikationsfiguren werden. Mit seiner verrückten Mischung, die „Blues Brothers“ ist, ist John Landis ein bis heute sehr eigenständiger Film gelungen, von dem mir auch kein Cash-in-Rip-Off bekannt wäre und der – trotz seiner späten Fortsetzung, die misslungen sein soll – für sich alleinsteht. Vielleicht liegt es auch daran, dass mancher während der Erstsichtung erst einmal Schwierigkeiten hat, Zugang zu finden. Aber „Blues Brothers“ wächst, wie eingangs erwähnt, von Sichtung zu Sichtung und verdient sein Prädikat „Kultfilm“ zurecht.

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