Mit The Whisperer in Darkness lieferte die HPLHS (Howard Phillips Lovecraft Historical Society) 2011 ihren zweiten Spielfilm nach The Call of Cthulhu (2005) ab. Wie bei diesem übernahm wieder Sean Branney die Regie und Matt Foyer die Hauptrolle des Albert Wilmarth. Dieser ist Professor für Folklore an der Miskatonik University und beschäftigt sich mit der Sichtung seltsamer Wesen namens Mi-Go in den Bergen von Vermont. Nach einer unglücklichen Radiodiskussion begommt er Besuch von George Akeley, der ihm Fotos und Tonaufnahmen der Wesen als Beweise zeigt. Später reist Wilmarth dann zur Farm von seinem Vater Henry Akeley, um den seltsamen Ereignissen persönlich auf den Grund zu gehen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Wilmarth erkennt, was eigentlich vor sich geht, ist dieser Film eine nahezu perfekte Umsetzung von Lovecraft's Der Flüsterer im Dunkeln. Warum nicht darüber hinaus? Ganz einfach: Die Geschichte endet dort und lässt den Leser im Unklaren über das weitere Geschehen. Der Film geht noch weiter und obwohl es sehr an das Ende von Call of Cthulhu erinnert, bringt dieser, von den Machern erdachte, dritte Akt, immer noch genug gute Ideen um die Geschichte zu einem runden Ende zu bringen, welches den Twist von Lovecraft's Novelle sogar noch einen Schritt weiter abstrahiert.
Vom Stil her hat man sich diesmal für einen schwarz/weißen Tonfilm der 1930er Jahre entschieden. Anders wäre eine Der "Flüsterer" im Dunkeln auch schwer umzusetzten gewesen. Wie auch beim Vorgänger merkt man auch hier, dass die Macher stets bemüht waren, möglichst alles mit praktischen Effekten umzusetzen, was weitestgehend auch gelungen ist. Lediglich die Mi-go wurden als Computer-Effekt dargestellt. Ich will nicht leugnen: Man merkt sofort, dass diese Wesen nicht ins Bild passen. Doch bedenkt man, dass Lovecraft selbst, sie als Wesen beschrieb, deren Materie so anormal ist, dass ein Fotoapparat sie nicht einfangen kann, ist diese Entscheidung vielleicht sogar ein genialler Kniff gewesen. Mehr deplaziert und anormal, als CGI in einem 1930er liken Schwarz/Weiß-Film geht nicht. Auch merkt man dem Film an, dass er mit einem größeren Budget umgesetzt wurde. Vom Blutgehalt bleibt er zwar eher trocken, weiß jedoch gekonnt das Ausmaß kosmischen Horrors umzusetzen, den es brauch, um dieser Geschichte ihre Wirkung zu geben.
Neben Matt Foyer gelingt es auch der jungen Autumn Wendel als Hannah Masterson zu überzeugen, obwohl dies ihre aller erste Filmrolle war. Auf seiten der Antagonisten macht besonders Daniel Kaemon als P.F. Noyes einen guten Eindruck. Man kann ihm förmlich anmerken, wie sehr ihm seine Rolle gefällt und mit welchem Engagment und Sinn für Selbstironie er diese rüber bringt. Generell lässt sich sagen, dass man auch hier den wichtigsten Schauspielern anmerkt, dass sie ihre Rollen aus Leidenschaft und Liebe zum Ursprungswerk darstellen. Auch hier hat die HPLHS erstklassige Arbeit geleistet, ein weiteres von Lovecraft's Werken in einen würdigen Film umzusetzen, mit gerade genug Änderungen, damit Der Flüsterer im Dunkeln auch im neuen Medium funktioniert. Meiner Meinung nach, die beste Verflimgung von Lovecraft überhaupt. Hast du mich gehört? Nimm das, Re-Animator! Nichts gegen Stuart Gordon, aber dazwischen liegen für mich einfach Welten.