Review


Über weite Strecken am und im Loseley Park, Surrey gedrehte Episode um Inspector Barnaby [ John Nettles ], die wie die ebenfalls bereits die dortige Location nutzende Folge "They Seek Him Here" von Barry Purchese geschrieben und auch mit ähnlichem Clou versehen wurde. Waren es dort ein Filmdreh, der über die Fiktivität hinaus inmitten in grausame Realität hineinwuchs, steht diesmal die Nachstellung eines historischen und auch historisch wichtigen Boxkampfes als Showvorstellung an, die zu alles anderem als dem rein freundschaftlichen oder sonst wie gestellten Schattenboxen wird. Darüber hinaus ist einer der gesetzten Kämpfer auch noch frischgebackener Weltmeister, während der andere, eigentlich gar nicht gesetzt, dafür die Wut im Leibe hat:

Der Titelgewinn des lokalen Boxers John Kinsella [ Henry Garrett ] beim Mittelschwergewichts-Weltmeisterkampf im Madison Square Garden sieht die heimisch versammelte Bevölkerung aus unterschiedlichen Gründen in heller Aufregung. Nur noch gesteigert wird diese neue Prominenz durch einen kurz darauf stattfindenden Mord am Anwalt Giles Braithwaite [ Ken Bones ], den die Box-Entourage, bestehend aus dem Trainer Teddy Molloy [ Phil Daniels ] und dem Manager Frank Bishop [ Glen Murphy ] bei ihrer Heimkehr in tiefster Nacht vorfinden. Der eingeschaltene DCI Barnaby [ John Nettles ] und sein Assistant DS Ben Jones [ Jason Hughes ] stossen neben der auffälligen und von Niemand gemochten Assistentin des Anwaltes Iris Holman [ Michelle Fairley ] vor allem auch auf Streitigkeiten der Farquaharson-Familie. Besonders Sebastian Farquaharson [ Matthew Douglas ], der Sohn des populären und die Gemeinde mit allerlei Veranstaltungen ein wenig bunter machenden Gerald Farquaharson [ Kevin R McNally ], und seine schwangere Gattin Camilla [ Daniela Denby-Ashe ] scheinen so ihre Probleme im Argen zu haben.

Als Ursache dessen gilt natürlich für das nach außen hin sich so prüde und versteift gebende, aber von hintenherum alle sittlichen Grenzen anreißende britische Völkchen die Moral  bzw die Unmoral vieler Beteiligten. Der Gang durch fremde Betten, manchmal auch durch die Herzen der Bewohner und Bewohnerinnen wie so oft als Antrieb für allerlei Gemauschel, dass trotz viel vorhandener Rhetorikkünste bei all den aufgestauten Aggressionen unterm Anzug geradezu zum Ausbruch der Gewalt gelangen muss. Immerhin wird hier viel Zeit für diese Eruption gelassen, vergehen bis zum ersten Mord und dann erneut bis zum Zweiten jeweils geschlagene 30min, die dem Geschehen bis dahin und auch danach öfters mal die Aura einer nicht unbedingt erstklassigen, aber mit viel gereizten Menschen und deren Geheimnissen und Lügen gespitzten Seifenoper bei gibt; durch den Schauplatz wie nur unwesentlich modernes Downton Abbey, wenn auch ohne Neuerungsssucht wirkend. [Zumindest wurde die anfängliche Drohung eines zu aktuell angehauchten Vorfalls gleich nach dem Einstieg, dem Einspieler aus dem Madison Square Garden und folgenden Zwischenstopp am Newarker Flughafen – bzw. dessen Double, dem Oxford Airport – und einer Anmerkung bezüglich muslimischer Terroristen für die Verzögerung und zwangsläufigen Aufenthalt damit schon wieder in das gewohnt beschauliche Krimiallerlei gekippt.]

Die Landschaftsfreunde unter den Zuschauern müssen dafür und wie auch in den noch kommenden Folgen ein wenig zurückstecken; einzig die Gartenfeier bei Farquaharson entpuppt sich als die BUGA in Klein und ein wenig kahlgefressen, kann man auf dem Anwesen dort von durchaus schmuck geschnittenen und drapierten Hecken, aber auch von viel emsig aufgeworfenen Kieselgrauen und eher vereinzelt sprießenden Blumen sprechen, die den Ort erzwungener machen als die steif anwesende Gesellschaft eh schon ist. Böse Blicke in die Runde, stechende Kommentare, die nur wenig die Gesinnung dahinter verschleiern und anderes niederes Gezicke unter Mann und Frau gleichermaßen treiben die Intention und Intensität der Versammelten rasch in die richtige oder besser gesagt falsche Richtung; sogar der sonst blasse Assistent Jones erklimmt hier zu einem spitzfindigen Partner aus der Zweiten Reihe, der die Verteidigungslinie der im raschen Abstand Befragten mit eindeutig unzweideutigen Kommentaren durchbricht.

Sowieso herrscht ein Stimmengewirr sondergleichen vor, wird belauscht und vermutet, erdacht und geschwindelt, die Gerüchteküche gestreut und der Zickenkrieg eröffnet. Zusätzlich gibt der Countdown der Nachstellung des einst authentischen Ereignisses und seine Wichtigkeit für das Dorf und die noch verbliebene Aristokratie der eh schon zänkischen noblesse oblige - Handlung noch ihre nötige Verschärfung bei, und dreht sich die Handlung trotz des verzögerten Aufbaus zielgerecht auf einen einzigen Punkt hinzu, die die Konflikte regelrecht und optimal effizient auf ein Ereignis komprimiert. Dummheit, Überheblichkeit und Geistlosigkeit der jetzt Lebenden Personen VS der umso heftiger bewahrten Ideale aus längst vergangener Zeit, in der sich das ehemals mächtige König- und vor allem auch Kolonialreich noch seiner Macht über den niederen amerikanischen Invasoren vergewissern konnte und dies entsprechend ausgiebig durfte.

Details
Ähnliche Filme