“If you want your picture on the paper, you'll have to go out and kill somebody first.” (Casey Mayo- Gardenia)
Über den Regisseur Fritz Lang, der der Filmgeschichte Perlen wie „Dr. Mabuse der Spieler“ (1922) und „M- Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) geschenkt hat, braucht man keine großen Worte mehr zu verlieren. Oft genug schon wurde sein Talent lobend erwähnt und seine großen Werke in den filmischen Himmel gehoben. Doch bei Gardenia (1953) haben wir es mit einem etwas in Vergessenheit geratenen Film Langs zu tun, der nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten entstand und vom Major Label „Warner Brothers“ produziert wurde.
Nachdem Norah Larkins Freund per Brief mit ihr Schluss gemacht hat, lässt sie sich auf einen Abend mit dem Schürzenjäger Harry Prebble ein- mit fatalem Ausgang. Denn am nächsten Morgen findet man seine Leiche und nur Norah scheint als Täterin in Frage zu kommen. Von Paranoia und Amnesie zerfressen versucht sie belastendes Beweismaterial verschwinden zu lassen und wendet sich schließlich in ihrer Not an den Zeitungsreporter Casey Mayo, der der Mörderin in einem offenen Brief Hilfe anbietet…
Wie bereits angedeutet fristet „Gardenia“ in Langs filmischem Oeuvre eher ein Schattendasein, was vor allem daran liegt, dass das Werk sein gegebenes Potential nur in sehr geringem Umfang ausnutzt und sich dadurch selbst die Chance verbaut, als Klassiker in die Filmgeschichte einzugehen.
Der Plot dieses Film Noir ist relativ simpel gestrickt, was jedoch nicht unbedingt zu den Hauptproblemen von „Gardenia“ zählt. Viele Vertreter der Schwarzen Serie kommen mit einer eher minimalistischen Geschichte aus und schaffen es dennoch, dem Zuschauer als Erlebnis im Gedächtnis haften zu bleiben- sei es durch interessante Charaktere, eine ansprechende Visualisierung oder durch einen gut ausgearbeiteten Spannungsbogen. Aber leider ist das so nicht der Fall bei „Gardenia“, obwohl er durchaus Potential besitzt, das allein schon die Grundidee mit sich bringt. Es geht schließlich um eine von der Polizei verfolgte Frau, die langsam dem Wahnsinn entgegentreibt und selbst nicht weiß, ob sie den ihr zur Last gelegten Mord überhaupt begangen hat. Die Geschichte bietet sich förmlich an als spannender, suspenselastiger Thriller Marke Hitchcock ausgelegt zu werden. Doch leider finden sich keinerlei Ansatzpunkte, die erkennen lassen, dass so etwas überhaupt angedacht war. Ein weiterer negativer Punkt sind die Charaktere. Sie wirken blass und zweidimensional weshalb der Zuschauer über die gesamte Spielzeit vergebens versucht eine Beziehung zu den Protagonisten aufzubauen, was natürlich besonders im Fall von unserer Hauptakteurin Norah Larkin katastrophal ist. Sollte man doch eigentlich mitzittern und -bangen, bleibt einem ihr Schicksal im Endeffekt absolut gleichgültig. Des Weiteren fällt negativ ins Gewicht, dass der Film trotz seiner relativ kurzen Laufzeit von knapp 85 Minuten langatmig wirkt und einem als Zuschauer dringend nach Straffung verlangt. Es scheint trotz der voranschreitenden Zeit kaum was zu geschehen und wenn etwas geschieht, wirkt es einfach unspektakulär und über die Jahre äußerst angestaubt. Da kann auch der ans Ende gesetzte Plot twist nicht mehr aufwertend wirken, erscheint er doch viel zu gekünstelt und an den Haaren herbeigezogen, sodass nach dem Finale nur ein fader Geschmack zurückbleibt.
Pauschal lässt sich sagen, dass es dem kompletten Cast nicht gelingt, durch darstellerische Leistungen zu glänzen, was aber nicht nur den Schauspielern in die Schuhe zu schieben ist, sondern vielmehr dem Script, das die Ansprüche nicht allzu hoch setzt. Haupt- sowie Nebendarsteller wirken unterfordert und sind durch ihre vorgeschriebenen Rollen nicht fähig einen Spielfilm zu tragen. Zudem fehlt besonders Anne Baxter als Norah Larkin die Ausdrucksstärke und das Charisma, sodass man ihr die Rolle nur schwer abnehmen kann. Ein wenig besser präsentiert sich ihr Schauspielkollege Richard Conte, der den Journalisten Casey Mayo durchaus souverän verkörpert.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass „Gardenia- Eine Frau will vergessen“ – so der für jeden Kenner des Films äußerst schwachsinnige deutsche Untertitel- weit entfernt von einem Meisterwerk ist, denn bedauernswerter Weise gelang es Fritz Lang nicht, diesem Film seinen besonderen Stempel aufzudrücken.