Die "verdammten Schlampen" festnehmen heißt die Devise hier im Intro, ein Dutzend Polizisten ist dafür vor einem großen Industriegebäude leicht außerhalb der Stadt abgestellt, in ockerbrauner/senfgelber Uniform auch noch, die schlecht geschnitten und farblich unattraktiv die entsprechend passende Kleidung für die Beamtenkasper hier darstellt und wo des Deutschen Gesetzeshüter nur der Hampelmann zur Belustigung und der Mann an sich sowieso kein gegenüber für die knallharten Frauen hier ist. Schlecht geschnitten und wenig reizend ist auch der Auftakt selber, der stattgehabten Explosionshölle dahinter nicht fair und nicht würdig, die Kamera möchte alles und kann im Grunde nichts, was der Detonation selber in seiner Wucht vielleicht nichts anhaben kann, aber dies zusätzlich noch mit sichtlichem Trickeinsatz 'würzt' und die gesamte Inszenierung seitens von Regisseur Sigi Rothemund – der nach Das Finale (1998) und einige Folgen von Der Clown (ab 1998) eigentlich genug Expertise vorweisen sollte – mehr wie eine überzogene Parodie ausschaut und nicht wie das neue brandheiße Spektakel, auf das die Produktion so drängt und erpicht ist:
Als die Bankchefin Franziska Borgardt [ Susann Uplegger ] an einem Sonntag von Micha [ Niels-Bruno Schmidt ], dem Freund von Christina 'Chris' Rabe [ Birgit Stauber ] in ihrer Zentrale überfallen und als Geisel genommen wird, werden sowohl die zur Hilfe ihres Freundes eilenden Chris als auch die junge Polizistin Lena Heitmann [ Eva Habermann ] samt ihrem Partner Körber [ László I. Kish ] noch am Tatort in eine zunehmend bedrohliche und schnell eskalierende Lage gezwungen, die bald nur noch ein Zusammenhalt der drei vollkommen unterschiedlichen Frauen und die Unterstützung des hochrangigen Martin Grossmann [ Filip Peeters ] entwirren kann.
Nachzügler der originalen Drei Engel für Charlie (1976–1981) hatten es sowieso immer schwer, das galt schon für die Umbesetzung in der Ursprungsserie, wo teilweise Neuankömmlinge wie Shelley Hack und Tanya Roberts vom Publikum oder auch Mitstreiterinnen) abgelehnt wurden, und das galt grundsätzlich für die diversen Neuauflagen, ob Kino, nochmal Kino oder Fernsehen, bestenfalls kam eine Art überkandideltes Action-Märchen heraus, in der die dargestellten Figuren nicht mehr verhältnismäßig bodenständig und dadurch und ihrer Bewährung in der Männerwelt (trotz viel Sexismus der realen und der fiktiven Hinterleute) auch feministisch wirkten, sondern nur noch lebensfern und heillos ausgedacht schienen wie die Missionen, die sie absolvierten. Vorher der kleine TV-Krimi einer Privatdetektei, später und auch hier die "flambierte Muppetshow", wie es hier schnell und gar treffend heißt, ein großes aufgeblasenes nichts, dass sich selber oft ein Bein stellt und nur von einer anderen Ebene und mit niederen Erwartungen zu betrachten ist.
Leider wird auch die Geschichte selber ungünstig, da in Form einer zweitägigen Rückblende erzählt, erst der lodernde Knall als Appetizer, dann der Plot und der lange Weg dahin. Im Kölner Umfeld gedreht und spielend ist das Milieu von vornherein simpel und auch ein wenig prollig, ein ärmlich choreografiertes Kirmesboxen in der Zirkushalle, ein holpriger Banküberfall am Sonntag, ein erster motorisierter Zivilstreifeneinsatz im Müngerdorfer Ruhrpott mit einigen Fahrmanövern und Crash in der Innenstadt, die allerdings keinen Zuschauer von Alarm für Cobra 11 (ab 1996) weglocken; wenigstens ist das Tempo der Verschwörungs- und Zusammenhaltsstory leidlich hoch, gibt es nach der ersten halben Stunde eine narrative Überraschung samt Konfrontation auf einem entlegenen militärischen Sicherheitsbereich/Übungsgebiet und ist die Bewegung fliehend. Dass man eine RTL-Produktion für die Primetime ist, bekommt man (trotz einiger größerer Detonationen auf einem Kasernenhof) dabei nie abgeschüttelt, der Film war schon antik bei Erscheinen (hässliche Anzüge und Frisuren, die Männer alles ältere Knacker, die Frauen auch gerne mal in Leopardenhosen) und wirkt im Nachhinein eigentlich bloß noch bezüglich Zeitkolorit (Euroumstellung kurz vor der Tür bspw. und der Verfahrensweg für den deutschen Geldaustausch) interessant, wobei man seltsamerweise auch viel an die Sitcoms damaliger Programmschiene und Die Camper (ab 1997), Das Amt (ab 1997), Ritas Welt (ab 1999), und Alles Atze (ab 2000) erinnert, also alles eher Kleinklein und mit viel Schablone und noch mehr Klischee.
Auf der Tonspur große Sprüche und Gebärden ohne viel Glaubhaftigkeit, ansonsten das Gezicke aus dem weiblichen Buddy Picture, bei dem es hier je nach Lust und Laune zwischen den Gegensatz Polizistin - Kriminelle oder 'Prinzessin' - 'Aschenputtel', also reich und arm geht; man könnte auch noch blond und dunkel dazufügen oder groß und klein, Körbchengröße A und C, so wichtig und überzeugend ist das nicht, da raschelt bloß das Papier und dies auch überdeutlich, und es hat auch keine Wirkung und damit keinen Sinn oder Effekt. Zumindest wird sich nicht etwa auf körperliche Vorzüge der Figuren und damit auch ihrer Darstellerinnen ausgeruht; eine Attraktivität dieser ist vorhanden, wird aber (anders als teils im Promomaterial zum Fernsehstart und fort folgend in der Serie, gerade der 2. Staffel nach Umbesetzung und Verjüngung) nicht explizit oder gar eindeutig zweideutig zur Schau gestellt.
Gut gemeint, schlecht geschrieben, schlecht gedreht, mäßig gespielt, lau dramaturgisiert, bieder aussehend, ein Actionkrimi mit allem, was gerade gefragt sein soll und doch bloß eine hohle Zutat nach der anderen und auch ohne Kenntnis der Durchmischung dessen und der Würze ist. Die Beifügung mit der Bundeswehr auf Abwegen als narrative Komponente und einige ihrer düster-klammen Behausungen für 'Befragungen', der affektierte Lebensstil der "Hochwohlgeborenen" auf ihrem Gehöft mit Butler, Pferd und Tee und eine Actionszene am Diemelsee, wo u.a. ein Motorboot über die Staumauer geworfen wird plus die Anwesenheit von Eva Habermann, die kurz zuvor mit Lexx - The Dark Zone (ab 1996) als Art Serien-Barbarella bekannt wurde, gehören noch zu den besseren Zutaten dieser seriellen Rekrutierung hier. Der Rest ist zu Recht vergessen und der Spuk hat sowieso nicht lang gewirkt.