Überall, wo es keine Programmkinos gibt, lauert er in einer Videothek: der geballte norwegische Humor in Form des Films "Elling" - einer hinreißend komischen Studie über zwei Insassen einer Anstalt, die widerwillig ins normale Leben ausgegliedert werden.
Der titelgebende Elling ist jahrzehntelang bei seiner Mutter versteckt worden und hat eine gesegnete Abneigung gegen jede Art von menschlichem Kontakt. Er ist intelligent und recht patent, will aber weder unter die Leute, noch auch nur ans Telefon. Da kommt sein Mitbewohner Kjell gerade recht, denn der ist an nichts anderem interessiert als an Essen und an seiner Entjungferung. Und die wird nicht kommen, wenn man in der Wohnung bleibt.
Zwei skurile Charaktere und was sich aus ihnen entwickelt, mehr braucht es nicht, um einen amüsanten, anrührenden und spritzigen Film zu machen, der weder auf ein Moral- noch auf ein Gefühlspedal drücken muß, um Wirkung zu erzielen. Man kann den ganzen Film nicht wissen, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird und deswegen ist jede neue Wendung interessant und nicht selten brüllend komisch, denn die Eigenarten der beiden stehen ihnen nicht etwa im Weg, sondern sind in ihr Leben integriert. So müssen keine Jokes produziert werden, sie ergeben sich aus den Situationen.
Also sollte man sich nicht wundern, wenn Kjell tatsächlich seine Unschuld verliert und überraschende Talente zeigt, während Elling aus seiner In-sich-Gekehrtheit eine Kunst macht und Freunde findet, bis man ihn von einem "normalen" Menschen nicht mehr auf den ersten Blick unterscheiden kann.
"Elling" ist erfrischend normal, unprätentiös und bar jeder Berechnung - so etwas gibt es viel zu selten und wenn, dann nur in Europa. (8/10)