kurz angerissen*
„Elling“ aus Norwegen ist neben dem französischen „Tanguy“ einer der großen Beiträge des Jahres 2001 zum Thema „Defizite im gesellschaftlichen Umgang“, geht aber einen völlig anderen Weg. Während Tanguy sich trotz seiner Gebundenheit an das Elternhaus relativ selbstsicher durch die Welt bewegt und die Fähigkeit hat, sich sein Umfeld nach nach Belieben zurechtzurücken, wird die Interaktion mit der Außenwelt in „Elling“ als zunächst unüberwindbarer Alptraum dargestellt.
Mutig ist die Entscheidung, erst über den Tod der Mutter in den Film einzusteigen und den Zuschauer erst gar nicht mit dem bis dahin für die Hauptfigur geltenden Sozialgefüge bekannt zu machen, denn so wird der Freifall aus dem elterlichen Nest wesentlich spürbarer. Interessant auch, dass die Hauptrolle genau genommen auf zwei Figuren aufgeteilt wird; so hat Per Christian Ellefsens Titelfigur zwar den größten Knacks weg, im Dialog mit dem an ähnlichen Problemen leidenden, jedoch etwas offener in den ungeliebten Kontakt mit der Außenwelt schreitenden besten Freund (im Gerard-Depardieu-Modus: Sven Nordin) ergeben sich aber die schönsten Momente. Tatsächlich findet sich hier sogar der eigentliche Motor des Films und nicht etwa in der Kommunikation mit dem Pfleger, die eine konventionellere Lösung ergeben hätte (man könnte auch sagen: ein Til Schweiger hätte darauf zurückgegriffen), hier aber erfreulicherweise nur rudimentär behandelt wird. Denn so wird man Zeuge, wie sich die von Neurosen und Phobien gesteuerte Selbstbezogenheit der Charaktere auf vollkommen natürliche Weise und ohne äußeres Zutun langsam auflöst. Lohn des Ganzen sind nicht nur reichlich Situationen mit Charme und Esprit, sondern eine angenehme Unaufgesetztheit bei der Richtung des Lichtkegels auf die schrulligen Außenseiter der Gesellschaft, ohne sie als Freakshow zu inszenieren.
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