Es ist schon ein fieser Grundgedanke, wenn du als Patientin für eine scheinbare Routine-Untersuchung ins Krankenhaus kommst und an einen soziopathischen Arzt gerätst, dem man eigentlich sein volles Vertrauen schenkt.
Die spannende Prämisse reizt Regisseur Lance Daly leider nur ansatzweise aus, denn seine etwas unausgegorene Mischung aus Drama und Thriller streift jeweils nur oberflächliche Elemente.
Dr. Martin Blake (Orlando Bloom) steht kurz vor dem Facharzt für die Innere und arbeitet erst seit kurzem in einem kalifornischen Krankenhaus. Als der Außenseiter die junge Patientin Diane (Riley Keough) behandelt, fühlt er erstmals die für ihn notwendige Anerkennung für seine Obsession, aus der bald eine zweite erwächst: Mit gezielt falscher Medikation will er Diane ans Krankenbett fesseln…
Ein aus medizinischer Sicht erster Gedanke wäre natürlich, dass andere Ärzte, einschließlich eines Chefarztes und hinzugezogenen Spezialisten aufgrund von Laborwerten feststellen müssten, dass Dianes Krankheitsbild einem völlig untypischen Verlauf unterliegt, doch Martin muss diesbezüglich ein As in Medizin, vor allem aber in Chemie sein, um den Fall zwar kompliziert, aber nicht ungewöhnlich aussehen zu lassen.
Was ansonsten in dem verschlossenen Arzt vorgeht, erschließt sich dem Betrachter hingegen nur allzu selten.
Dr. Blake hat keine Freunde, lebt allein und sucht seit jeher Respekt durch Bewunderung, weshalb er auch primär Mediziner geworden ist. Warum er jedoch speziell auf Diane abfährt, bleibt genauso nebulös wie die Tatsache, bei nächtlichen Aktivitäten im Hospital ein hohes Risiko einzugehen und damit alles aufs Spiel zu setzen. Interessant ist jedoch die Einrichtung seiner Wohnung, die bewusst minimal gehalten ist, als wäre sie lediglich eine Zwischenstation zum vermehrten Aufenthalt im fast ebenso sterilen Krankenhaus.
Allerdings hätte man ein wenig mehr in die Tiefe gehen müssen, um einen hilfreichen Blick in die Seele des dubiosen Arztes erhaschen zu können.
So gestaltet sich das Treiben über weite Teile recht trocken und vorhersehbar, obgleich dem Handwerklichen nichts Negatives anzukreiden ist. Stellvertretend für die vorherrschenden Oberflächlichkeiten steht ein Großteil der Dialoge, die zwar in vielen Situationen realistisch, manchmal auch einfühlsam daherkommen, jedoch nie zum Herz der Figuren vordringen und zuweilen auch nur den nicht so attraktiven Krankenhausalltag skizzieren.
Zum Ende hin gerät die Sache hingegen ein wenig hektisch, als ein Pfleger involviert ist und von vielen Seiten völlig abstruse Entscheidungen getroffen werden. Der Showdown wartet zwar mit einer minimalen Überraschung auf, doch sonderlich zufrieden stellend fällt der Ausgang nicht auf und untermauert final die Unentschlossenheit des Drehbuches, welches sich nicht so recht zwischen Krimi und Sozialdrama entscheiden kann.
Auch wenn die meisten Mimen recht ordentlich performen und Bloom aufgrund seiner schwammig gezeichneten Figur ein wenig unsicher wirkt, kann der Cast genauso überzeugen wie einige effektiv gewählten Kameraeinstellungen und der zurückhaltende Score.
Die ruhig erzählte Geschichte vermag jedoch kaum zu fesseln, da es den Figuren an einem ausgefeilten Charakterprofil mangelt und man auf psychologischer Ebene lediglich Randgebiete betritt.
Kein gänzlich langweiliger Streifen, jedoch einer, von dem man aufgrund der spannend klingenden Prämisse ein wenig mehr erwartet hätte.
4,5 von 10