Für ein Erstlingswerk der Brüder Kassen ist PUNCTURE eine beachtenswerte Mischung aus Justizthriller und Drogendrama wenn auch über die gesamte Laufzeit einige Schwächen zu bemängeln sind. Chris Evans der zuletzt in CAPTAIN AMERICA zu sehen war versucht sich in diesem Film als Charakterdarsteller. Er agiert hier als stark drogensüchtiger Anwalt Mike der zusammen mit seinem Partner Paul Danziger (Mark Kassen) gegen korrupte Gesundheitsvertriebsfirmen und deren ebensolche Anwaltskanzleien gegen deren Weigerung eine unfallsichere Einwegspritze einzuführen vorzugehen versucht. Voller Ideale nimmt er den ungleichen Kampf "David gegen Goliath" auf. Mehr soll hier nicht von der Handlung verraten werden.
Mike ist gefangen in seiner Drogenabhängigkeit und es vergeht kaum eine Szene in der nicht Drogen nimmt, zudem lebt er mit der Angst nicht allein sein zu können. Der ungleiche Kampf beginnt in Form eines rasanten Justizthrillers mit schnellen witzigen Dialogen, Mike ist dank des o.g. Dopings in Hochform und angriffslustig in seinen Fällen und hat nebenbei noch mehrere Affären und insgesamt ein Leben zwischen Parties, Drogen, Frauen und einem anstrengenden Job als Anwalt.
Dabei spielen nur wenige Szenen im Gerichtssaal. Im Laufe der Handlung transformiert der Film auch sachte immer mehr in Richtung eines Drogendrama welches den körperlichen Verfall des Protagonisten Mike dokumentiert. Der Fall selbst ist stets präsent, tritt aber im Laufe der Handlung immer öfter in den Hintergrund. Hier offenbart das Drehbuch das fehlen einer klaren Richtung, auch wenn es immer wieder versucht diese Handlungsstränge zu einer Einheit zu verbinden.
Im letzten Drittel schleichen sich gar einige Längen ein und der Zuschauer wird nicht wirklich bei der Stange gehalten. Der Schockeffekt am Ende des Film wird sehr holperig dargeboten. Die Schlusseinstellung mit einer idealistisch-süffisant geprägten Note versöhnt zwar wieder etwas, wirkt aber im Nachhinein doch etwas aufgesetzt und konstruiert.
Zusammenfassend kann der Film anfangs durch sein Tempo begeistern, er verliert an Wirkung und Fahrt als er die beiden Haupthandlungsstränge nicht stimmig und konsistent zu verbinden weiss. Chris Evans kennt man zuletzt eher aus den physisch geprägten Marvel Verfilmungen und er schafft es in PUNCTURE glaubhaft den Juppie-Anwalt und dessen physischen und psychischen Verfall darzustellen. Dies ist die positive Hauptüberraschung des Films.