„Hundstage“ ist ein wunderschönes Beispiel, dass bitterböse Film unscheinbar daherkommen können. Der Film wirkt auf den ersten Blick unglaublich langweilig. Dazu trägt nicht zuletzt der pseudo-dokumentarische Charakter bei. Der geneigte Zuschauer erfreut sich an vielen netten kleinen Einfällen des Regisseurs, aber mehr auch nicht.
Erst mit der Zeit taucht man vollends in die aufgeheizte Spießerwelt ein, spürt die unterschwellige Aggression und wartet auf die individuellen Katastrophen wie auf den erlösenden Regen. Die Entladungen kommen, aber sind dabei nicht spektakulär oder exploitativ. Vielmehr passieren aus meiner Sicht schreckliche Dinge unscheinbar und werden von der Spießerwelt als normal hingenommen. Man wird halt vergewaltigt. Man versucht seine Beziehung wieder zu retten, auch wenn der zu Recht abgestrafte Lebensgefährte so ziemlich der untersten Schublade entsprungen ist. Gerade die Assimilation der Gewalt macht diesen Film seelisch fast unerträglich. Und so sollen bitterböse Filme schließlich sein.
Aus meiner Sicht hat Ulrich Seidl mit „Hundstage“ den wohl besten Film über menschliche Abgründe hinter der heilen Fassade des Spießertums abgeliefert. Trotzdem wird er sich wohl nur einer kleineren Schar von Anhängern erschließen. Scheinbar bewusst lässt er seinen nicht kommerziellen Stil wie einen Türsteher wirken, der nur diejenigen, die offen sind für unorthodoxe Stilmittel, in die Welt der kleinbürgerlichen Hölle eintreten.
Schauspielerisch hat der Film nicht unbedingt viel zu bieten. Die Mimen wirken wie dem wirklichen Leben entsprungen und es ist nicht auszuschließen, dass Sie auch Laien sind. Das unterstützt mit Sicherheit die Glaubwürdigkeit des Films, nimmt ihm aber gleichzeitig ein wenig an künstlerischem Wert. Selbiges gilt für die Kameraarbeit. Immer dann, wenn der dokumentarische Charakter der Aufnahme nicht gefordert ist, kommt sie mit vielen netten Einfällen daher. Aber bei den Pseudo-Dokus flacht sie ab auf das Niveau einer Handkamera. Auch sicherlich ein bewusstes Stilelement, das wirkt, aber aus „Hundstagen“ eben keinen 10-Punkte-Kandidaten macht.
So verbleiben 8 Punkte (einer weg wegen der Schauspieler, einer weg wegen der Kamera, keiner weg, auch wenn es nahe liegt, wegen der Sprache, gegen die man wohl nichts machen kann). Trotzdem ein lohnender Film für eine aufgeklärtes Publikum, dass bitterböse Filme mag.