Ein berühmter Regisseur sagte eins : Die Österreicher machen die besseren deutschen Filme. Nach Filmen wie "Funny Games" und eben diesem originellen Werk von Ulrich Seidl, kann ich mich diesem Satz beinahe anschließen. "Hundstage" ist mal wieder ein Film, der überhaupt nicht für die breite Masse gedacht ist, sondern viel mehr an die Arthouse Fans gerichtet ist. Das was wir bei diesem Film sehen ist eigentlich nichts weiter als das ganz normale Leben. Wer jetzt aber denkt, dass wir hier harmonische Lebensphilosophien zu sehen bekommen der irrt gewaltig. Ulrich Seidl zeigt uns mit seinem Film, wie viele abartige und schockierende Facetten das Leben haben kann. Es gibt keinen Hauptdarsteller, genau genommen gibt es nicht einmal Schauspieler. Alle Leute die in diesem Film mitspielen sind Laien und knallharte Nichtschauspieler, obwohl man es keinem einzigen Darsteller anmerkt. Der Film erzählt mehrere Geschichten aus dem Alltag, bei brütender Hitze und was diese Hitze bei gewissen Leuten auslöst. Was den Film aber richtig stark macht ist, dass es keine Dialoge im Drehbuch gab. Sämtliche Gespräche die wir hier zu Gesicht bekommen sind zu 100% improvisiert und wenn man es aus solch einem Blickwinkel betrachtet, dann ist dieser Film eine absolut starke Nummer. Anders als bei dem Kult-Trash "Die Bettwurst" sind hier die Dialoge, trotz Improvisation, sehr tiefsinnig und wirken einfach unglaublich echt. Die "Geschichten" wechseln immer alle paar Minuten und macht einen nicht immer ganz chronologischen Rundgang. Wir bekommen zum Beispiel einen Rentner zu sehen, der ein paar harmlose Dialoge mit seiner Haushälterin führt und scheinbar mehr für sie empfindet. Wir sehen auch eine scheinbar geistig verwirrte Frau, die immer wieder mit anderen Leuten mit fährt und sie mit provokanten Fragen bombardiert und sie auch des Öfteren raus geschmissen wird. Aber auch ein zerbrochenes Ehepaar bekommen wir zu sehen, die zwar immer noch unter einem Dach wohnen, aber durch den Tod vom gemeinsamen Kind keinerlei Harmonie mehr zwischen den Beiden herrscht. Wir dürfen zudem noch einen Versicherungsfritzen bei der Arbeit zu sehen der interessanterweise auch ab und zu auf die verwirrte Nervensäge trifft. Aber auch auf eine ältere Schwinger-Frau wartet eine interessante "Geschichte". Ihr Part ist deutlich der Härteste im gesamten Film, auch wenn ihr Schicksal sicher viele Frauen aus unserer Welt teilen. Achja und wir haben noch eine junge Frau, die von ihrem Freund immer wieder verprügelt wird und sie dennoch immer wieder zu ihm zurück kehrt. Auch sowas kennen wir Alle nur allzu gut aus dem wahren Leben und man möchte solche naiven Mädchen, aber auch solch aggressive Ganoven, permanent ins Gesicht schlagen. Interessanterweise koppeln sich hier die Geschichten nicht allzu stark wie es z.B. bei "Magnolia" oder "L.A. Crash" der Fall ist. Auch ist es ziemlich schwer, diesen Film überhaupt als "Spielfilm" zu bezeichnen, da Alles einfach so unglaublich echt und authentisch wirkt, dass man zeitweise den Eindruck bekommt, wir bekommen eine Real-Life-Doku zu sehen. Der Film hat mich wirklich sehr gepackt, obwohl eigentlich an vielen Stellen rein gar nichts passiert. Der Film hat zu dem nicht einmal einen richtigen Anfang oder gar ein richtiges Ende. Wir bekommen nur einen minimalen Ausschnitt aus den Abgründen des normalen Lebens zu sehen, wobei ich glaube, dass dieser Film noch vergleichsweise harmlose Sachen zeigt, wenn man so an die abartigsten Menschen aus unserer Gesellschaft denkt.
Ich kann diesen Film ganz stark empfehlen, da er ein sehr interessantes Experiment für mich ist. Natürlich wird dieser Film mehr als 50% aller Zuschauer gegen den Strich gehen, aber wer Lust hat, sich auf neuartiges Terrain zu begeben, wird hier eine Goldgrube finden. Massen tauglich ist der Film auf gar kein Fall, dennoch sollte es Jeder ein mal probieren, sich diesen Film anzuschauen.
Fazit : Liebe TV-Sender : SO sieht eine authentische, aber trotzdem noch gescriptete Real-Life-Doku aus! Ulrich Seidl beweist, dass man für einen guten Film nicht immer ein komplettes Drehbuch oder gar echte Schauspieler braucht. "Hundstage" ist ein enorm starkes Werk aus Österreich und wird mit Sicherheit einzigartig bleiben. Das echte Leben ist eben doch noch gruseliger als jeder Horrorfilm.
8,5/10