Review

Der deutsche Independentfilm boomt und auch Marc Rohnstock entwickelt sich so langsam zu einem recht passablen Regisseur mit grundsolidem Handwerk.
Sein „Necronos“ zündet jedoch kaum aufgrund der eindimensionalen Handlung und der viel zu aufgeblasenen Laufzeit von 127 Minuten.

Bereits im Mittelalter wurde der Dämon Necronos ausgelöscht, doch dieser ging einen Pakt mit dem Teufel ein und versucht nun mithilfe des Blutdämons Goran die Zutaten für ein Elixier der Macht zusammen zu suchen, wofür einige Menschenopfer und das Blut einer Jungfrau benötigt werden…

Gerade im Amateurbereich sind die ersten Eindrücke ausschlaggebend für das Niveau der gesamten Produktion. Die sauber geführte Kamera, die ordentliche Tonabmischung und die annehmbare Ausstattung (schließlich befinden wir uns während der Exposition im Mittelalter) vermitteln den Eindruck einer gut durchdachten Inszenierung, da sich Rohnstock auf das Wesentliche konzentriert und mit der Verstümmelung und Verbrennung eines Körpers schon mal einen Vorgeschmack für kommende Goreeinlagen liefert.

Allerdings relativiert sich dieser positive Eindruck im Verlauf deutlich, da die Geschichte recht einseitig verläuft: Entweder es kommt zu ausladend monotonen Dialogen zwischen Teufel und Necronos oder Letztgenannter vermittelt seinem Adjutanten die nächste Order, was stets mit verzerrten Stimmen einhergeht. Dazwischen mischt noch Manoush als Hexe mit, während das Ganze von regelmäßig eingestreuten Gewalteinlagen begleitet wird, welche die Sache zumindest noch in Ansätzen interessant gestalten.

Zunächst gibt sich die Erzählung noch Mühe, das Beschaffen der Opfer zu zeigen, später sieht man jene bereits angekettet oder geknebelt im titelgebenden Turm.
Dem Treiben fehlt weit und breit ein Sympathieträger oder ein angehender Held, wodurch ein Mitfiebern nur selten gegeben ist, da es lediglich aus der simplen Relation zwischen Täter und Opfer resultiert. Eine Nähe zu den Figuren fehlt nahezu komplett.

Für Insider ist hingegen so manches Mal ein Schmunzeleffekt gegeben, da sich einige Indie-Regisseure die Ehre geben und ein Wink zu „Violent Shit“ deutlich in Szene gesetzt ist.
Andreas Schnaas, Timo Rose, Jochen Taubert und Andreas Pape sind nur ein paar der durchaus geläufigen Namen.
Überhaupt agieren die Mimen für eine Produktion dieser Art fast durchweg passabel, wobei ein besonderes Lob an Saskia Neumueller als Michelle geht, die ihr Debüt mit Bravour meistert und sich damit für weitere Produktionen deutlich empfiehlt.

Die besten Momente hat der Streifen allerdings, wenn er gnadenlos splattert und Blutfontänen an die Mauern der Burg spritzen, denn in diesem Bereich sieht die Sache schon recht professionell und glaubwürdig aus. Die handgemachten Effekte implizieren zahlreiche Schläge mit dem Hammer, den Einsatz einer Kettensäge, einen Kehlenschnitt, abgetrennte Arme, eine geöffnete Schädeldecke, eine Machete in der Stirn und einen Typen, der mit frisch abgetrenntem Bein noch vom Foltertisch zu entkommen versucht, was sehr geschickt editiert ist.

Aber reiner Splatter rettet eben nicht die Eindimensionalität der viel zu lang gezogenen Handlung, der eine Straffung auf anderthalb Stunden Laufzeit wahrlich gut getan hätte.
Sobald mal kein Blut fließt, stellt sich rasch ein wenig Langeweile ein, da die simple Geschichte weder Ecken und Kanten aufweist, noch mit irgendwelchen Twists daherkommt und auch erst zum Finale ein wenig Suspense aufkommen lässt.
Darstellerisch in Ordnung, handwerklich nahezu makellos, auf Ebene der Effekte überdurchschnittlich, hat sich Marc Rohnstock in einigen Belangen zwar noch mal deutlich weiterentwickelt, doch seine leicht fahrige Geschichte um Machtverhältnisse zwischen Teufel, Dämon, Hexe und Adjutant erinnern da schon fast an die langweiligeren Ausgaben von John Sinclair, nur, dass hier eben der Held fehlt.
5,5 von 10

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