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Warum müssen moderne Vampire eigentlich grundsätzlich einem Beruf nachgehen, wie Makler, Schüler oder Landschaftsgärtner? Früher lebten die einfach nur in einem Schloss, übernachteten in Särgen und zogen nachts um die Häuser. Letzteres tut unser Vampir im vorliegendem Werk zwar auch, doch mit herzhaftem Biss geht er dabei nicht zu Werke.

Jacob (Zak Kilberg) arbeitet als Nachtwärter, da er unter einer seltenen Hautkrankheit leidet und kein Sonnenlicht verträgt. Dabei wird sein Durst auf Blut immer größer, bis er eines Abends Bardame Mary (Maya Parish) kennen lernt. Doch sein unstillbarer Durst verlangt mittlerweile menschliches Blut...

Einige Ansätze sind Autor und Regisseur Scott Leberecht mit seinem Debüt durchaus gelungen, denn bei der Hauptfigur handelt es sich um einen Vampir, der eigentlich noch nichts von seiner eigentlichen Existenz weiß, zwischenzeitlich im Internet nach bestimmten Begriffen sucht und sich probeweise ein Kreuz auf die Stirn legt, während sein Hausarzt bei einer flüchtigen Diagnose eher auf Gelbsucht tippt.

Im Verlauf erinnert das Konzept jedoch eher an ein Coming-out-Drama über einen Außenseiter, der relativ isoliert in seiner kleinen Welt lebt und arge Probleme hat, eine tiefere Bindung zu seiner Bekanntschaft Mary aufzubauen, geschweige denn, ihr etwas von seinem Geheimnis zu offenbaren. Einige von Jacobs Verhaltensweisen erscheinen diesbezüglich kaum nachvollziehbar, während er recht umständliche und risikobehaftete Wege geht, um an Blutkonserven zu gelangen. Gerade in diesen Belangen mangelt es der Erzählung deutlich an Spannungsmomenten, was der durchweg ruhige Score latent unterstreicht.

Die Besetzung von Jacob durch Zak Kilberg ist indes optimal, denn der blasse Mime mit den großen Augen geht locker als moderner Vampir durch und verkörpert den zurückhaltenden Außenseiter recht überzeugend. Obgleich seine Figur nicht immer die richtigen Entscheidungen fällt, erweckt er von Beginn an Interesse, was bis zuletzt anhält und ein wesentlicher Bestandteil für eine Geschichte in dieser eher minimalistischen Form ist. Auch die übrigen Mimen performen solide, handwerklich ist nicht wirklich etwas anzukreiden, nur die dünne Story will eben nie so recht mitreißen.

Denn trotz kleiner Gewalteinlagen wie blutige Faustschläge und Scherben im Hals mangelt es komplett an Action und Temposzenen und es wird deutlich, dass Leberecht ursprünglich nur ein Drama über einen Außenseiter drehen wollte, während die Vampirthematik als notwendiges Übel auserkoren wurde, um überhaupt ein Publikum zu erreichen.
Horrorfans sollten von daher nicht zuviel erwarten und sich auf ein ruhig erzähltes Drama einstellen, welches zwar interessante Ansätze bietet, im Endeffekt jedoch zu keiner Zeit überraschen kann und schon gar nicht mit spannend-blutigen Einlagen aufwartet.
5 von 10

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