Review

Guantanamo Bay ist nicht gerade der Inbegriff für die humanitäre Behandlung Gefangener und es ist in gewisser Hinsicht mutig, im Rahmen eines Terrorfilms auf die unmenschlichen Haftbedingungen hinzuweisen.
Das gelingt Regisseur und Autor Olivier Abbou eine Stunde lang ausgezeichnet, bis es zum Bruch kommt und der ursprüngliche Fokus komplett aus den Augen verloren wird.

Die fünf Freunde um Jalil befinden sich auf dem Rückweg von Kanada in die USA, als sie von zwei Grenzposten auf einsamer Straße angehalten werden.
Die scheinbar routinierte Kontrolle mündet in einem Debakel, bei dem einer der Freunde erschossen wird, während die übrigen in Käfigen landen und gebrandmarkt werden.
Dass die beiden Rednecks sie nicht so ohne Weiteres freilassen werden, wird jedem rasch klar…

Überdeutlich spielt Abbou auf die Bilder des Internierungslagers auf Kuba an, als die Gefangenen Säcke über den Kopf bekommen und in orangefarbene Kleidung gesteckt werden.
Dabei sind es weniger explizite Foltereinlagen, die die Situation so intensiv erscheinen lässt, sondern die hilflose Lage, nahezu unbeweglich in Käfigen zu kauern und mit Mühe die Tropfen des Regens einzufangen, um nicht zu verdursten.
Hinzu kommen grausame Beschallungen im Metallcontainer, perfide Verhöre und das Verweigern medizinischer Behandlung, denn der entzündete Zahn einer Gefangenen sieht anhand der geschwollenen Wange im Verlauf ganz schön schmerzhaft aus.

Obgleich es an Charaktertiefe auf beiden Seiten mangelt, da der Vorlauf zu kurz ausfällt, um die jungen Leute tiefgründiger zu skizzieren, funktioniert die Chose aufgrund der größtenteils sauber geführten Kamera und hervorragender darstellerischer Leistungen.
Zwischenzeitlich erhalten die beiden Einsiedler eine kleine Hintergrundgeschichte, was ihre Motivation zwar nicht komplett nachvollziehbar erscheinen lässt, doch der Terror erhält zumindest so etwas wie ein Gesicht, ein leicht ambivalent gezeichnetes Profil.

Nach rund einer Stunde kippt die Handlung allerdings total, als die Inhaftierten fast komplett aus dem Drehbuch verschwinden und ein Privatdetektiv in den Mittelpunkt gerückt wird, dessen Drogenprobleme möglicherweise einige selten dämliche Handlungen zufolge haben, weshalb man im finalen Akt teilweise nur noch mit dem Kopf schütteln kann.
Die letzten Minuten machen nicht nur die aufgebaute Intensität zunichte, sie untermauern auch die Einfallslosigkeit der beiden Autoren, mit einer Parabel zu Guantamo Bay auf die Hilflosigkeit des Gesetzes hinzuweisen.

Schade, denn auch ohne dieses Statement hätte der Streifen als reiner Terrorfilm ausgezeichnet funktioniert, obgleich das politische Engagement durchaus positiv zu bewerten ist.
Abbou versteht es, sämtliche Beteiligte als Opfer dastehen zu lassen, denn die beiden Kriegsveteranen können augenscheinlich nicht ohne ihr privates Gefangenenlager und bei den Freunden muss nur einer einen arabisch klingenden Namen haben, um eine ellenlange Kette an fiesen Verhören nach sich zu ziehen.

Bis zum letzten Drittel bietet „Territories“ exzellentes Terrorkino mit einer intensiv bedrückenden Atmosphäre und einigen recht spannenden Momenten, doch dramaturgisch bricht er danach komplett ein und verärgert mehr, als die Geschichte zu einem zufrieden stellenden Ausgang zu bringen.
Fans des Genres sollten dennoch eine Sichtung wagen, - vielleicht werten manche Betrachter den massiven Bruch ja weniger negativ…
Knapp
7 von 10

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