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Mehrparteienhäuser scheinen wahrlich keinen Segen über die Menschheit zu bringen, denn entweder du hast unter sechs Familien mindestens zwei Querschläger oder die Wände sind zu dünn oder jemandem wird ständig der Müll hinterher getragen. Wenn in so einem Fall die Apokalypse ansteht, kann man sich entweder nur die Kugel geben oder die Waffe für die lieben Nachbarn bereit halten.

Coco und seine hochschwangere Frau Pipi bekommen erst gar nicht mit, dass die Leute in Kaufhäusern hamstern und schon längst ein tödliches Virus in Umlauf ist. Als das Mehrfamilienhaus unter Quarantäne gestellt wird, werden unter den Parteien rasch Allianzen geknüpft und Coco muss zwangsläufig dem Verschwörungstheoretiker Horacio vertrauen, denn die allgemeine Gewaltbereitschaft steigt…

Es kommen natürlich Erinnerungen an „Right at Your Door“ oder „Rec“ ins Spiel, denn die Ausgangssituation ist hier eine ähnliche. Ein von der Außenwelt isoliertes Gebäude, eine Epidemie und steigendes Misstrauen unter den wenigen Protagonisten. Allerdings wird hier versucht, die Geschichte ab und an mit schwarzem Humor anzureichern, was allerdings nur teilweise gelingt, da anderweitig zuviel Redundanz besteht, bis die Geschichte überhaupt erstmal Fahrt aufnimmt.

Mit Coco wird man recht schnell warm, denn der sympathische Lutscher mutiert zusehends zum entschlossenen Fighter, der sich Horacio kompromisslos anschließt und auch mal eine Waffe in die Hand nimmt, nachdem er bereits mit Gasmaske und Schutzanzug herumläuft.
Mit der schwangeren Pipi hat man es hingegen schwer, denn die Dame keift häufig grundlos und scheint den Ernst der Lage nicht wirklich zu erkennen. Leider wird den übrigen Parteien wenig Raum zur Entfaltung eingeräumt, einzig der ältere Nachbar Zanuto wirkt aufgrund seines ambivalenten Verhaltens noch interessant, die übrigen mutieren jedoch als vage Stichwortgeber.

Für die Erzählung ist es auf jeden Fall von Vorteil, nichts über etwaige Hintergründe der Apokalypse zu erfahren, denn ansonsten hätte sich das Skript noch mehr verheddert und das Geheimnis um Horacios Verschwörungstheorien wäre verpufft.
Denn während man im Vorfeld zu umständlich in langweiliger Zweisamkeit mäandert, kommt mit ein, zwei kurzen aber krachigen Gewaltausbrüchen ein ziemlicher Bruch ins Spiel, auch wenn sich jene Effekte sehen lassen können. Dieses deckt sich wiederum mit der etwas unausgegorenen Linie zwischen Humor, Thriller-Anteilen und Drama, was im Gesamtbild über weite Teile nicht wie aus einem Guss wirkt, was das etwas willkürlich aneinander gereihte Finale deutlich unterstreicht.

Dennoch ist dieser argentinische Streifen ein insgesamt recht unterhaltsamer geworden, bei dem die Mimen ordentlich performen, das Spiel mit der Dunkelheit und gehemmten Sinnen recht gut funktioniert und der Score, der überwiegend aus Perkussion besteht und an klassischen Themen von John Carpenter erinnert, recht effektive Akzente setzen kann.
Mit etwas mehr Mut zu überzogenen Konflikten und mehr Tiefe bei den Randfiguren wäre bedeutend mehr drin gewesen, so bleibt „Phase 7“ ein annehmbarer Streifen für eine einmalige Sichtung.
6 von 10

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