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In den letzten Jahren hatte der spanische und spanischsprachige Genrefilm, dem Medium DVD und einschlägigen Festivals sei Dank, mehr und mehr Boden im internationalen Bereich gewonnen, so dass auch der argentinische „Phase 7“ seinen Weg nach Deutschland fand.
Hauptfigur des Films ist Coco (Daniel Hendler), ein Schluffi wie er im Buche steht. Als er und seine schwangere Frau Pipi (Jazmín Stuart) im Supermarkt einkaufen, nimmt das streitende Paar nur am Rande wahr, dass andere wahre Hamsterkäufe tätigen. Auf dem Heimweg sind sich auch nur unwesentlich mehr als der Held von „Shaun of the Dead“ der Tatsache bewusst, dass Katastrophenstimmung herrscht, ein Unfall wird eher schulterzuckend wahrgenommen. Zwei egozentrische Faulpelze erster Güte also.
Kurze Zeit später folgt allerdings das böse Erwachen: Ein Virus ist ausgebrochen, ihr Haus wird unter Quarantäne gestellt, wie man ihnen und den restlichen Nachbarn mitteilt. Über Details schweigt man sich aus, die angegebene Notrufnummer stellt sich bald als Blindgänger heraus, woraufhin nach einer Weile Konflikte eskalieren…

Ein Film jener Art, der den Stoff für eine Folge „Outer Limits“ auf Spielfilmlänge dehnen muss, was man „Phase 7“ leider phasenweise unangenehm anmerkt. Anfangs stellt der Film vielleicht etwas sehr gemächlich, aber doch nicht uninteressant seine Grundsituation vor, bei welcher der Lurfi-Protagonist auch kein lupenreiner Held, aber noch der normalste ist: Horacio (Yayo Guridi) ist ein Survivalfreak mit gepanztertem Auto in der Tiefgarage, der sich in seinen Verschwörungstheorien bestätigt sieht, der nette alte Zanutto (Federico Luppi) hat leider auch einen Rappel und behauptet seine Frau würde noch bei ihm wohnen, obwohl diese längst im Heim ist, und andere Nachbarn erweisen sich als Aasgeier, sobald die Vorräte anfangen knapp zu werden und man den ersten Verdachtsmoment ausspricht.
Dieses paranoide Szenario wartet nur auf den Ausbruch der schwelenden Konflikte und der kommt tatsächlich, was in die intensivste Phase des Films führt. Von Horacio mit Waffe und Schutzanzug ausgestattet muss Coco nun Verantwortung übernehmen, während der Mikrokosmos Miethaus nach und nach zum Dampfkochtopf wird, in dem die Animositäten teilweise einen tödlichen Ausgang nehmen. Paranoia, offene Gewaltanwendung und Katz-und-Maus-Spiele treiben die Spannung nach oben, während der Lurfi-Protagonist für einen humoristischen Ton sorgt, ist er doch alles andere als ein gewöhnlicher Survivalheld.

Allerdings fiel Regisseur und Drehbuchautor Nicolás Goldbart anscheinend keine vernünftige Auflösung ein: Die Konflikte ziehen sich irgendwann, bestes Beispiel der nicht enden wollende Kampf in der Tiefgarage, den Angriff einiger Plünderer kann man nur als schlurig inszeniert beschreiben und der Abschluss der Sache wird wenig feinfühlig übers Knie gebrochen, mit einem zwar vorbereiteten, aber doch reichlich dämlichen Deus-ex-machina-Moment. Zudem fällt nach Reduzierung der Personals auf, wie wenig man über die Figuren weiß: Coco macht mit seinem Wandel von Bruder Leichtfuß zum mäßig kompetenten Kämpfer eine kleine Entwicklung durch, Pipi dagegen bleibt der dauernd keifende Eherochen und der Rest der Bewohner des Hauses steckt ohnehin in seinen Schablonen fest, so interessant es auch ist, dass hier kaum einer sympathisch ist und man daher keiner Figur so richtig vertrauen möchte.
Das ist alles durchweg okay gespielt, wobei die Hauptlast auf den Schultern von Daniel Hendler, Yayo Guridi und Federico Luppi liegt, während Jazmín Stuart immer mehr zur Stichwortgeberin verkommt, und ordentlich inszeniert, denn Nicolás Goldbart kann aus dem sichtlich knappen Budget das eine oder andere herausholen. Daher beschränkt sich der Film größtenteils auf Innenräume, blendet das Große und Ganze eher aus und versteht sich als Studie der Auswirkungen des Globalen auf das Lokale, hier eben den beengten Raum des Miethauses.

Als Studie von Extremzuständen überzeugt „Phase 7“ dann auch im Mittelteil durchaus, doch so wirklich überzeugend kann Goldbart den Film nicht zu Ende bringen und entlässt den Zuschauer eher unbefriedigt. Als Stoff für eine Folge einer Anthologieserie wäre „Phase 7“ wahrscheinlich knackiger gewesen, so schleppt der Film allerdings im letzten Drittel schwer an seinem Drehbuchbalast und holt bei weitem nicht das Optimum aus der durchaus interessanten Anlage heraus.

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