Review

Soweit stilsichere, im Heimatland äußerst erfolgreiche Slasher-Übung vom bisher im Vergleich zu seinen indonesischen Kollegen positiv aufgefallenen Rizal Mantovani, der sich diesmal nicht dem eher traditionellen Geisterspuk und so möglicherweise psychologisch intendierten Angsterzeugung, sondern schlicht dem blanken Terror im Texas Chainsaw Massacre Stil erprobt. Neben dem direkten Querverweis der Würdigung in Form des Aufhängens und Präsentierens des entsprechenden Filmplakates, lässt sich auch in der Geschichte bzw. seiner Auslegung und der Ausstattung die mehr oder minder konkrete Analogie ziehen. Zudem geht ausnahmsweise selbst die graphische Detailfreudigkeit für Herkunft der Maxima Pictures Produktion vermehrt in Richtung des amerikanischen Originals [bzw. dem aktuelleren Ableger Wrong Turn], obwohl man dessen innere und äußere Wirkung natürlich nicht erreicht; ein Ziel, dessen Inangriffnahme zwar edel, aber auch ein wenig zu vermessen ist.

Dabei deutet der Einleitungstext als falsche Fährte eigentlich sogar auf eine andere Herangehensweise von Drehbuch und Inszenierung hin, wird sich dort doch in einer Legendenstrickung um einen tragischen Tod und dem selbst in der aufgeklärten Moderne noch populären Glaubens an die Schwarze Magie auf den eher kulturellen Grusel statt dem westlichen Schlagabtausch und seinen deutlicheren Eskapaden von Blut verspritzen und Blut trinken gesetzt. Was Handfestes, mit Machete, Speer und Harpune statt dem sakralen Weihspruch:

Die kurz vor ihrer Hochzeit stehende Tiara [ Tamara Bleszynski ] macht zusammen mit ihrem Freund Lilo [ Kieran Shidu ], der Cousine Mandy [ Navy Rizky Tavania ] und den weiteren Bekanntschaften Amy [ Mirasih Tyas Endah ], Dynar [ Nanie Darham ], Bram [ Andrew Ralph Roxburgh ], Icang [ Marcel Chandrawinata ] und Statchie [ Jenny Cortez ] eine Urlaubsreise zur himmlisch gelegenen Pulau Pengantin, der “Bride Island”, um in trauter Begleitung der zu(kün)ftigen Liebe zu beschwören. Nur leider ist der Ort nicht so menschenleer und auch nicht so friedlich wie angenommen, wird die scheinbare Abgeschottetheit von einem düsteren Geheimnis und mordenden Schamanen bevölkert.

Sicherlich keine Arbeit, die Nachdenken erfordert, aber mit durchaus wohl überlegten Begriffen, einer soweit durchdachten Ritualversammlung von Klischees und eben nicht nur nach Eindrücken handelnd aufgebaut ist. Das Geplänkel um je nach Figurenkonstellation kürzlich vollzogener, in weite Ferne befindlicher oder bloß von einer Seite der Beziehung gewünschter, aber von anderer verweigerter Heirat und Ehe als bemühter emotionaler Unterbau, zusätzlich mit manchen seichten Indo-Pop als Begleitung eher auf Lässigkeit getrimmt. Ein knapper running gag um ein jeweils zum unpassenden Moment klingelnden Handy, dessen Empfang für das Subgenre ungewohnt tatsächlich einmal funktioniert, gibt der immergleichen Geschichte ein bisschen davon überzeugter Spezialdistanz; auch um der medialen Überflutung solcher Werke zu entgehen.

Wie schon als nahezu Parodie ist dafür die Eröffnung nach dem pre-title zu sehen; die obligate Räkelszene im weißen Bett, in dem die reichlich aufgetunte, auch dadurch recht künstlich wirkende Hauptdarstellerin in edler Unterwäsche ihre körperlichen Vorzüge präsentiert. Die bis auf die noch folgenden, ebenso obligaten Bikinishots im und am Wasser und eine völlig unnötige Duschsequenz einzige Möglichkeit, der in dem Fall von Sex und Erotik strenge Landeszensur – wo theoretisch schon der feminine Körper kriminalisiert wird –  zumindest ein wenig zu umgehen. Ein unersättlicher Tabudurst besteht nicht; wirklich nackte Tatsachen oder gar deutlichere Bilder sind entsprechend niemals zu sehen.

Das Spiel mit Verführung und Verlockung wird dafür umso emsiger und in Ermangelung eines wirklich interessanten dramaturgischen Unterbaus auch vor allem zur Überbrückung eines Prologs betrieben; wobei die weiblichen Darsteller der Truppe in dem Fall auch ihre Daseinsberechtigung erlangen, anders als die wenig sympathische, durch ihr forciertes Imponiergehabe und der so manchen auf Englisch vorgetragenen Phrasen auch auffällig außen vorstehenden Tamara Blezinski. Sowieso ist die Optik vor allem im gewissen Ideal des Kolorits sicher, was bei dem zweiten Standbein des ansonsten als Videoclipregisseur tätigen Mantovani nicht verwundern sollte. Die Location der Insel, des beeindruckenden Wasserfalls ( der gleichzeitig den Originaltitel Air terjun pengantin = Bride's Waterfall stellt ), der prächtiggrünen Waldlandschaft ist mit geübten Auge gleichfalls erwählt wie auch die Settings des bald seine Waffen zückenden Backwood-Horrors, bei dessen rein visueller Vorstellung (in leider etwas unruhiger Kamera) man sich nicht vor der teuren amerikanischen Konkurrenz verstecken muss; und dessen Gemütsfassung als vergleichsweise standhaft selbstsichere Kopie mit kleineren lokalen Fein- und Besonderheiten man sich auch bei den 2010 folgenden, im konkreten Fahrwasser befindlichen Nakalnya anak muda, Pengantin Topeng und Pengantin Pantai Biru (vergebens) erwünscht.

So bilden ein aus der Zeit der niederländischen Kolonisation zurückgebliebener Friedhof, eine stillgelegte und verwaiste Dosenfischfabrik und die an Human Lanterns erinnernde, mit allerlei schmutzigen Devotionalien, krauchenden Getier und Leichenansammlungen vollgestopften Behausung von Schamane und Killer die perfekte Umgebung für Hasche und Vernichtung, mit erhabenen Geschmack verziert. Als nachgeahmter Schatten dienen auch die Einbrüche der Gewalt, wobei in später dunklen Farben mit unnatürlich, aber umso spektakulärer einfallenden Lichtsprenkeln zumeist auf den Kopf der Opfer als Angriffspunkt gezielt und sich an die Verletzung von Augen und Kehlen gehalten wird.

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