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Eröffnung des Horrorprogrammes von Rapi Films im Jahre 2010, bzw. Weiterführung des nahezu unheimlichen, da unermüdlichen Schaffens von Regisseurs Nayato Fio Nuala, der allein in dem Zeitraum von 12 Monaten für ebenfalls etwa ein Dutzend Produktionen wie bspw. auch die artverwandten Affair, und besonders Pengantin pantai biru und Nakalnya anak muda verantwortlich war. Angesichts des hiesig vorliegenden Treibens, der in den wenigen letzten Jahren schier permanenten Beschäftigung mit dem Genre der Angsterzeugung und dem so ständigen Spiel von Traum zu Albtraum darf man dem Filmemacher durchaus sein Engagement für die Sache, allerdings das Ergebnis selber nicht gleich automatisch gutheißen. Inszeniert wird nämlich nicht das nötige Drumherum, sondern abseits allen Unterbaus immer nur der oberste Teil desselben und darüber hinaus das wenig vorhandene Pulver auch sofort auf einmal verschossen.

Ein trotz der lokalmedial gewohnten Kürze von 75min schon bald anstrengend werdender Gemütszustand zwischen Schrecken ohne Vertrauen und schon zur Krankheit gewordenen Paranoia,  in dessen permanent verschreckten Phasen nur wenig Atempausen für alle Beteiligten gemacht werden. Erklärungen des Ganzen folgen spät und dünn, der Prolog allein nimmt ein Drittel der Laufzeit und in seiner Machart fast schon die Funktion eines Showdowns ein, und mündet rasch in die langweilige Wiederholung derselben Sache, von Angriff zu Angriff. Wobei allein der besorge Exploitationcharakter, eingekeilt bei Sinnlichkeit und Maßlosigkeit, noch für ein wenig kulturell resistenten Eindruck sorgt:

Um einem Musikclip die nötige Würze zu geben, legen die sich privat finanzierenden Rasty [ Ardina Rasti ] und ihre Freunde Smitha [ Smitha Anjani ], Debby, Marchel, Harry und Dhana einen Ausflug zum etwas abseits und stillgelegenen Bahnhofsdepot ein, wobei sie bei Sichtung des gefilmten Materiales derart merkwürdige Dinge auf den Bänder inspizieren, dass eine neue gewinnbringende Idee zum Reifen kommt. Aufgrund von Spukgeschichten angestachelt, möchte man in einer Nachtschicht eine Dokumentation über den unheimlichen Ort drehen und anschließend an das Fernsehen verkaufen. Ein Trip in die Hölle und nicht unbedingt auch daraus zurück bahnt sich an.

Zerfallend in zwei Hälften, die, käme noch ein dritter Teil und nicht nur die Reprise dessen hinzu, beinahe wie eine übergreifende Anthologie anmuten, stellt sich die als Shroud of the Virgin übersetzte Produktion als eine Empfindung in verschiedenen Modulationen dar. Unterstützt bzw. alleingelassen von äußerst dürftiger Motivation, die dann allerdings mit der Herstellung eines Horrorwerkes für den danach gierig verlangenden Markt einen geschickten Übergriff auf die Realität einlegt, und mit gleichfalls niederer Charakterisierung präsentiert man sich von eigentlich Beginn an als versuchter Paniktrip. Kaum, dass Titel und Credits über die Leinwand gehuscht sind, in dessen Zwischenschnitten man bereits die Folgen des ersten Massakers auf die halbnackt durch die Landschaft schlurfende Rasti sehen kann, stellen sich auch die ab da an im Sekundentakt einprasselnden Schreckmomente ein. Nimmermüde werden gar fürchtebare Anschläge auf Figuren und Zuschauer wie im Stakkato aufgezeigt, Nachtmahre von allen Seiten, doppelt und dreifach, in der Ahnung, in der Einbildung oder doch nur unsichtbar, die vorher nicht da waren und beim Umdrehen wieder weg oder doch wieder hinter einem sind.

Dabei mag die einzelne Machart dieses auf Dauer gar sprichwörtlichen Grauens schon bedingterweise in Ordnung, visuell in der ersten "Episode" mit viel Blaulicht, dem kunstgerecht eingesetzten Nebel, Taschenlampengeflacker und einem Tempo zwischen [für Herkunftsland ungewohnten] Slasher und Action durchaus wirkungsvoll sein, und findet mit der Andeutung eines Sichtbarmachens des Übernatürlichen nur durch das Objektiv von Video- und Fotokamera auch einen wenigstens gekonnt zusammengeklauten Ansatz. Der Einstieg mit seiner noch konsequenten Funktion, dem unvorbereitet hohen Druck, dem verhältnismäßig zum sonstigen Spuk derberen[, mit dem westlichen torture porn natürlich nicht im Ansatz gleichziehen könnenden] Hantieren mit Spitzhacke und Vorschlaghammer, in dem in rascher Reihenfolge die Opfer zum Tode fallen, ist aber trotz auch da schon vorhandener Schwächen und gar zeitigen Abnutzungserscheinungen noch das Beste, wie ein stark auf das Extrem gekürztes Ereignis an sich.

So banal wie fragwürdig ist dann die Ausbeutung des Genres selber, werden der thematische Zweck, das Verhalten der Personen, die Kennzeichnung der Gattung samt der erzählenden Struktur derart auf diese eine repetierende Schrecksekunde dezimiert, so dass man beizeiten von einer affektiven Erfahrung zu einer nichtssagenden, unfreiwillig nahezu parodistischen Ritualtätigkeit wird. Aus dem Mythischen wird das Übliche in die Öffentlichkeit getragen; eine viel zu entlarvende und das Gegenteil des Gewünschten erreichende Bekanntmachung, die im Übrigen auch den Sexuellen Bereich des Filmes betrifft. Eigentlich alle anwesenden scream and drama queens werden [für das bevölkerungsreichste muslimische, mit der Hinwendung zum Scharia-orientierten Islam bewehrte Land] überraschend offensiv mit als Objekt in den schummrigen Raum gerückt, entledigen sich inmitten nicht allzu warm erscheinender Nacht ohne ersichtlichen Grund des Oberteils oder laufen auch sonst gerne mal unmotiviert nach Entkleidungsszenen nur im BH oder liegen räkelnd in bis zur Hüfte reichenden Bluse mit zeigefreudigem Dekolleté herum.

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