Und da soll nochmal Jemand sagen, dass es keine guten Komödien mehr gibt. Was für viele (meist männliche) Filmfans Hangover ist, war für mich ganz klar diese unscheinbare Komödie, an der ich mit ultra-niedrigen Erwartungen herangegangen bin. "Kill the Boss" oder der deutlich bessere Originaltitel "Horrible Bosses" ist nicht nur eine echte Comedy-Überraschung, sondern auch einer der witzigsten Filme, die ich seit vielen Jahren gesehen habe. Bisher kannte ich nur den Trailer und der deutete auf eine 08/15 Klamotte hin, die nur versucht hinter den Spuren von "Beim ersten mal", "Superbad" und "Hangover" hinterher zu hecheln. Doch was ich dann zu sehen bekam, war einfach unfassbar gut. Wer kennt das nicht? Vorgesetzte, Chefs & Co sind ätzend, so ätzend wie sie hier auch im Film dargestellt werden. Man sympathisiert sofort mit den Hauptdarstellern, auch wenn die eigentlichen Stars die Bosse sind. Und das Beste an der ganzen Geschichte : Nahezu jeder Gag zündet extrem gut und wir bekommen einen gigantischen Lacher nach dem Anderen geboten. "Kill the Boss" ist somit die Komödie des Jahres, der sogar die Qualität von "Hangover" bei weitem übertrumpft, auch wenn der Humor stellenweise in eine ähnlich primitive (aber absurd komische) Kerbe schlägt.
Der Büroangestellte Nick hasst seinen Boss. Nick ist ein harmloser Kerl, der sich dazu entschlossen hat, zu Allem "Ja" und "Amen" zu sagen und sich jede Mobbing-Aktion von seinem Boss gefallen zu lassen. Doch als der Chef den neuen Vize-Boss präsentiert, platzt Nick der Kragen und er wünscht seinem Chef nur noch die Pest an den Hals. Der Zahnarzthelfer Dale hasst seinen Boss. Die Zahnärztin ist eine sexbesessene Nymphomanin, die Dale ständig an die Wäsche will und sogar vor einer halben Vergewaltigung nicht zurück schreckt. Blöd nur, dass Dale verlobt ist und zudem eine total treue Seele ist. Als sein Boss-Weib aber mit Erpressung anfängt, reicht es Dale und er will nur noch aus dieser sexuellen Belästigungshölle raus. Der Chemiefirmenmanager Kurt hasst seinen Boss bzw. dessen Sohn. Als Kurts eigentlicher Boss stirbt, zudem er einen sehr guten Draht hatte, übernimmt sein Sohn die Firma, der aber so gar keine Ahnung von dem Geschäft hat und sich lieber mit Koks und Nutten vergnügt. Als Kurt gezwungen wird, einen behinderten Mitarbeiter zu feuern, reißt auch bei Kurt der Geduldsfaden und er wünscht sich nichts sehnlicheres, als dass sein Boss aus der Welt verschwindet. Das Interessante an allen 3 Geschichten : Nick, Dale und Kurt sind beste Freunde und verbringen jeden Abend in einer Kneipe, wo sie sich über ihre Bosse auskotzen. Als alle 3 der Meinung sind, dass die Welt ohne ihre Vorgesetzten besser laufen würde, fassen sie den Entschluss, ihre Chefs zu ermorden. Doch diese Tat muss natürlich gründlich geplant werden, was sich zu der größten Schwierigkeit heraus stellen soll. Doch als sie einen mysteriösen schwarzen Mann mit dem Namen "Motherfucker" begegnen, scheint der Stein tatsächlich ins Rollen zu kommen.
Die FSK 16 Freigabe ist hier auf keinen Fall zu niedrig angesetzt, denn nicht nur der vulgäre und tief-schwarze Humor rechtfertigen diese Stufe, sondern auch die Darstellung zum Thema Mord. Der ganze Film stellt es quasi so hin, als sei so ein Mordplan etwas total aufregendes und witziges , ohne dabei auch nur ein mal die Moralkeule zu schwingen um den Zuschauern zu sagen, dass Mord etwas ganz Entsetzliches ist. Doch genau deshalb liebe ich diesen Film so, er pfeift auf den sämtlichen guten Anstand und stolziert mutig in der Story voran. Der Film ist zu keiner Sekunde langweilig oder gar anstrengend, da immer etwas passiert und die Aktionen von mal zu mal kurioser werden. Ein paar kleine Twists und Wendungen hat der Film auch auf Lager, wo natürlich manche ein wenig vorhersehbar sind (wie z.B. das Ende). Aber es gab auch Szenen, wo man sich im Vorfeld gedacht hat "Ok, jetzt ist klar was passieren wird" und am Ende dann etwas völlig anderes bei raus gekommen ist. Man kann gar nicht so exakt definieren, welche Phase des Films die Stärkste ist, da permanent dieser hochkarätige Humor vorhanden ist, sei es nun bei den Einbruchszenen oder bei der Suche nach einem Auftragskiller. Natürlich darf man hier nicht vergessen, dass der Film eine reine, wenn auch sehr böse, Komödie ist und dadurch das Ganze natürlich völlig überspitzt dargestellt wird. Aber irgendwie, ganz tief im Film ist ein wahrer und sehr ehrlicher Kern, denn wer hat nicht schon mal in Gedanken den eigenen Boss erwürgt? Ich bewundere Regisseur Seth Gordon für seinen beachtlichen Mut, so eine einzigartig komische Komödie zu kreieren, der sicherlich von vielen Moralpredigern verteufelt werden wird.
2 von den 3 Hauptdarstellern sind bisher noch gänzlich unbekannte Schauspieler, die bisher nur in kleineren Nebenrollen zu sehen waren. Hinzu kommt noch der wunderbare Jason Bateman (der wie der Bruder von Ewan McGregor wirkt), der den Dritten im Bunde mimt. Zwischen den Dreien herrscht einfach eine wunderbare Chemie, die Dialoge sind saukomisch (Beispiel : Spontaner Telefonsex während einer Verfolgungsjagd) und die Streitgespräche wirken lange nicht so überdreht wie bei Hangover. Außerdem sind Alle 3 Kerle vom Kern her grundverschieden, was den Film ebenfalls hohe Punkte bringt. Charlie Day spielt den etwas hippeligen, beschränkten aber nie nervigen Dale, der zudem noch mit einer traumhaft schrägen Quietschstimme (nur im Originalton genießbar) ausgestattet ist. Jason Bateman spielt den von Außen hin recht smarten und gelassenen Nick, der aber tief im Inneren eine echte Sau ist. Jason Sudeikis mimt den meist entspannten Kurt ebenfalls sehr gut. Bei Kurt war das Besondere, dass er zum einen wie ein harmonischer Familienvater wirkt, auf der anderen Seite aber fast so sexbesessen wirkt wie die Chefin von Dale. Wo wir auch schon bei den eigentlichen Stars dieses Films sind : Die Bosse. Meine Güte, ich kann gar nicht sagen welcher Boss nun unausstehlicher war und auch nicht, welcher Boss am besten gespielt wurde, denn alle 3 werden von richtig hohen Tieren gespielt. Da hätten wir zum einen Kevin Spacey, der wie immer auf höchstem Niveau agiert und eine so fiese Sau spielt, dass schon leichte Züge an seine Rolle aus "Sieben" erinnert. Collin Farrell hingegen tritt hier mit Halbglatze auf und spielt einen ekelhaften, hinterfotzigen und drogensüchtigen Boss, der vom Tuten und Blasen überhaupt keine Ahnung hat, es aber liebt seine Mitarbeiter, insbesondere Kurt, bloß zustellen. Hier zeigt Farrell endlich mal wieder, dass er tatsächlich ein richtig guter Schauspieler sein kann und witziger war er eigentlich nie. Die größte Überraschung war allerdings Jennifer Aniston, die ich bisher in keinem einzigen Film auch nur ansatzweise ausstehen konnte. Doch hier übertrifft die, aus meiner Sicht, völlig überschätzte Schauspielern sich selbst und konnte mich das erste mal so richtig begeistern. Ihre nymphomanischen Züge wirken fast schon authentisch und ihre ordinäre Aussprache war so gut rüber gebracht, dass man schon fast den Eindruck bekommen könnte, dass Aniston in ihrer Freizeit permanent so spricht. Als Letztes haben wir noch Oscarpreisträger Jamie Foxx, der den "Motherfucker" spielt. Vielleicht der einzige absolut minimale Kritikpunkt an dem Film, denn von ihm und seiner ebenfalls lustigen Rolle als mysteriöser "Ganove" hätte ich liebend gern noch viel mehr gesehen.
Wer böse Komödien wie "The Big Lebowsky", "Fargo" oder auch "Beim ersten mal" und andere Vertreter mag, ist bei diesem Film goldrichtig. "Kill the Boss" ist humoristisch trotz großer Primitivität auf hohem Niveau und darf unter keinen Umständen verpasst werden. Wer lange keine gute Komödie mehr gesehen hat oder einfach eine lange Zeit nicht mehr lachen konnte, wird bei diesem Film seine Lachorgane wieder finden. Meine absolute Komödien-Empfehlung des Jahres!
Fazit : Der witzigste Mordplan ever. Witzige Darsteller, eine unterhaltende Story, eine überraschende Jennifer Aniston und das beste Navigationssystem der Welt machen diesen Film zu einer echten Comedy-Perle.
9/10