Wiederbelebung der Sex and Zen Reihe, die ab Anfang der Neunziger ihren numerisch kurzen, aber eindeutig beständigen Widerhall in der Kino- und damaligen Videolandschaft des Hong Kong Filmes fanden; zu dessen Beharrlichkeit und Stehvermögen zwar nur der Erste und der Zweite Teil der einst tatsächlichen Trilogie beitrugen, die Nachwirkung allerdings weiterhin und auch unabhängig des vernachlässigten Part III Nährboden hat. Zu sehen ist diese Unerschütterlichkeit an den Verweisen ganze zwei Dekaden später, werden nicht nur Titel und auch der ehemalige Erfolg, sondern auch Handlungsstränge und die Fundamente darin mehr oder weniger deutlich zitiert. Ein Guthaben der Permanenz, welches zusätzlich zu dem versprochenen 3D Effekt, des Bestehens gegen die landeseigene Zensur und der schlichten Einstelligkeit auf dem Sektor des period sex romp für die trotzdem überraschend hohe Neugier bei den eifrig wartenden Medien und dem gleichermaßen Erfolg beim gleich für mehrere Schnittfassungen zahlenden Publikum mitzuberechnen war.
Denn Neues wird im Grunde nicht geboten, gar wie im Aufwasch gleich mehrere Vertreter, Methoden und Stimmungen der einst blühenden, nun nahezu verwelkten Industrie um Category III Erotizismus und Spekulativität und so die Geschichten mehrerer und unterschiedlicher Sünden zitiert. Ein Seufzen, Stöhnen, und bald Wimmern und Schreien im Goldstaub:
Der frisch mit der eigentlich für seinen Freund Lin [ Justin Cheung ] bestimmten Tie Yuxiang [ Leni Lan ] verheiratete Wei Yangsheng [ Hayama Hiro ] leidet an frühzeitiger Ejakulation und einem zu kleinen Penis, was die junge Ehe langsam, aber sicher belastet. Um dies zu kurieren und sich sowieso in Sachen Sex fortzubilden beschliesst Wei, sich in den "Tower of Rarities" zum Prince von Ning [ Tony Ho ] und den dortigen "Pavilion of Ultimate Bliss" zu begeben, wo er sowohl Ruizhu [ Hara Saori ] als auch die sadistisch veranlagte Dongmei [ Suo Yukiko ] und die androgyne "Elder of Bliss" Lee Changchung [ Vonnie Lui ] trifft und sie nacheinander und in Orgien begattet und sich zusätzlich (versehentlich) von den Hilfsgelehrten Dique [ Tenky Tin Kai-man ] und Tiancan [ Mark Wu ] das Glied eines Esels transplantieren lässt. Und zu spät merkt er, dass der Prince von Ning ganz eigene Pläne für ihn und seine Frau hat.
In dramatischer Überlänge wird ein zeitlich und räumlich begrenztes, dafür aber mit allerlei Vorstellungskräften und ihrer Verwirklichung beglücktes Universum früherer Jahrhunderte entworfen. Ein erstmal magischer Ort, der wie viele Verlockungen auch seine Nebenwirkungen bis hin zu Gefahren zu bieten hat. Erst die rosigen Schönheiten, das Liebkosen, Massieren, Begehren wobender Brüste, dann das Übel bis zum Grauen dahinter. Das Sein hinter dem Schein, welches hier von der Hochzeit vielleicht nicht direkt und schnurstracks, dafür aber über kurze Versprechen und langes Leid in den Tode führt. Ein ähnliches Übel, wenn auch mit mehr Ausdauer und längerer Verweildauer bei den Freuden des Lebens hat der zuvor einzige Artgenosse des Milieus, der Sex & Chopsticks - Forbidden Legend Zweiteiler von Amtsvorgänger und Routinier Cash Chin erzählt. Vom lustvollen Vergnügungsgarten der freien Natur rein in die Kammer von Terror und Gewalt ging es dort in schon logischer, dennoch überraschender, auch besser entwickelter und verkörperter Konsequenz, während hier das Abdriften in Diktatur auf der einen Seite und Knechtschaft auf der anderen mehr als beizeiten, nämlich von Beginn an als bezeichnender Zug des Wesens angedeutet und darstellerisch entweder chargiert oder blass geblieben wird.
Erstaunlich ist dabei allein die Chuzpe und Strenge, die das nachdämmernde Projekt in seiner eigentlich erstmal wenig vielversprechenden, den Markt trotzdem oder dennoch oder gerade deswegen überrollenden Konsequenz geht. Denn so schnurstracks zielend auf Anreiz bei mainstream and mainland audiences ist die dunkle Phantasie hier nicht, wird erst in Selbstherrlichkeit, dann bald Zwangsherrschaft, erst in nackten Leibern, sich küssenden Mädchen, Selbstbefriedigung, Voyeurismus, dann in Blut, offenen Wunden und abgetrennten Gliedmaßen geschwelgt. Allerlei finstere Ereignisse, des Geschmacks bald vollkommen beraubt und dann auch der Zugehörigkeit des Horrors gleich. Maßgeblich initiiert, geschrieben und produziert von Stephen Shiu, der sich filmographisch elementar 1987 - 1993 und dort vermehrt in der Produktion von Gangsterepen bewegte, wird hier eher gegensätzlich zu Endzweck und so auch den Regeln derlei die Sinnen- und Zeigefreunde des Eros ansprechenden Werke bewegt. [Gespannt zu sehen, ob die zwischenzeitlich geplante Verfilmung der in der Ming-Dynastie verfassten epic fantasy novel "The Creation of the Gods" ähnlich in der Wahrnehmung ausfällt.]
Gestützt von einem vergleichsweise satten Budget von kolportierten 20 Mio HKD, den üblichen japanischen adult video models, einer auf Historie, Kunst und philosophische Ein- und Zweideutigkeiten bezogenen Adaption von Li Yus "The Carnal Prayer Mat" wird ein Reich aus Lust und Frust entwickelt, dass anfangs durchaus mit imposanteren Bauten samt verträumt idyllischer Innendekoration und einigen kreativen Schüben insbesondere in Richtung unmissverständlicher Symbolik dienen kann. Eine bequem-lauschige Oberwelt mit wechselnden Jahreszeiten, eine geheimnisvolle Unterwelt als Spiegel verschwörerischer Träumereien, in denen Orgien mit einem Dutzend bezaubernden Frauen, ständige Fleischeslust und allgegenwärtige Manneskraft im Vordergrund stehen. Getrieben wird es dort überall und ewig, ist der Akt sowieso immer vor den Augen der umstehenden Öffentlichkeit gegeben, spielt [bis auf die Hochzeitsnacht im zarten Ausdruck selber] nie die Intimität und auch nie die Verführung, sondern bloß die "Sodom und Gomorra" - Manie die wahre Rolle. Die Gelüste und ihr Ausleben mehr als nur als Lieblingsbeschäftigung, vielmehr als Verlangen, als Anstrengung, als Fanatismus, der unweigerlich die Grenzen und von der Liebeskunst rasch zur Sucht und dort in die Steigerung der zunehmenden Gewalt, der Extreme Ecstasy überschreiten muss.