Normalerweise kaufe ich mir nie eine DVD, ohne den Film vorher gesehen zu haben. Im Fall von "Ravenous" ließ ich mich durch die allerseits überschwenglichen Kritiken, den Umstand, daß die DVD in meiner Videothek nicht vorrätig war und die Tatsache, daß der zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern zählende Robert Carlyle die Hauptrolle hatte zu einem Blindkauf verleiten. Tja – und jetzt bin ich die Angeschmierte!
Nach der Sichtung des Streifens komme ich mir vor wie die unfreiwillige Hauptrolle in der neuesten Ausgabe von Nepper, Schlepper, Bauernfänger und frage mich, ob die anderen denselben Film gesehen haben? Ich weiß gar nicht, wo ich mit meinem Verriss anfangen soll…
Zuerst nehme ich mir mal die Darsteller zur Brust, denn ich habe selten schlechtere Leistungen gesehen. Ich bin jetzt noch geschockt, denn hier hat es Herr Carlyle zum ersten Mal geschafft mich auf ganzer Linie zu enttäuschen. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, daß er völlig unentschlossen war und eigentlich nichts mit seiner Rolle anzufangen wußte. Er schafft es in keiner Sekunde dem irren Oberkannibalen so etwas wie Bedrohlichkeit zu verleihen und kämpft sich hilflos von Szene zu Szene. Und das von einem Mann, der sonst locker der Darstellung einer Stehlampe emotionale Tiefe verleihen kann. Guy Pearce liefert ebenfalls eine traurige Vorstellung ab und scheint mit seiner traumatisierten Figur völlig überfordert. Die anderen Darsteller bleiben grob umrissene Randfiguren und sind keiner weiteren Erwähnung wert. "Ravenous" steht mit Carlyle und Pearce und fällt zusammen mit den beiden heftig auf die Schnauze.
Wenn ich mir die ganze verkorkste Storyline so ansehe, dann kann man unseren beiden Hauptdarstellern aber eigentlich keinen Vorwurf machen – außer den, daß sie diese Rollen überhaupt angenommen haben. In keiner Sekunde kommt auch nur ansatzweise Spannung auf, was sicher daran liegt, daß einem die involvierten Personen scheißegal bleiben und man deren Ableben mit einem Schulterzucken quittiert. Das wären gute Voraussetzungen für ein echtes Gemetzel, was die ganze Thematik im Grunde auch verlangt, dieses bleibt uns der Streifen allerdings schuldig. Entweder gehen die Schlachtungen ohne Kamera von statten oder das Ergebnis derselben bleiben im Dunkel der Nacht verborgen, so daß man auch bei genauerem Hinsehen kaum etwas erahnen kann. Bei anderen Filmen mag das ganz gut funktionieren, aber hier ist die Phantasie gemeinsam mit dem Interesse bereits nach den ersten 20 Filmminuten ins Koma gefallen und so läuft der Plan ins Leere. Da fragt man sich unwillkürlich unterm Strich, was das Ganze denn nun darstellen soll? Ein Thriller kommt nicht in Betracht, da der Film einfach stinklangweilig ist. Ein Horror- bzw. Splatterfilm ist es auch nicht, da der Blutgehalt in der Sesamstrasse höher sein dürfte. Eine Komödie fällt ebenfalls aus, weil ich von dem angepriesenen schwarzen Humor nichts entdecken konnte. So bleibt für mich nichts außer drei Fragen: 1.) Was soll der Quatsch? 2.) Warum hat das Ding ne 18er Freigabe, wenn eine 12er Freigabe dicke gereicht hätte? und 3.) Wo zum Henker werde ich die DVD ohne allzu großen Verlust wieder los, denn das Auktionshaus mit den 4 Buchstaben fällt ja leider wegen Frage 2 ins Wasser…
1/10