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Ravenous - ein gänzlich unorthodoxer Schlitzer-Schocker mit doppelbödigem Hintergrund und einer differenziert erzählten Handlung mit übernatürlichen Aspekten. Die Geschichte spielt Mitte des 19. Jahrhunderts irgendwo in einem ruhigen Fort in Kalifornien. Captain Boyd (gespielt von Hollywood-Schönling Guy Pearce, bekannt aus „L.A. Confidential“ oder „Time Machine“, der sich hier hinter einem Bart und langen Haaren versteckt) wird in das Fort strafversetzt. Außer ein paar zugedröhnten, gelangweilten Soldaten und zwei Indianern ist dort eigentlich nichts los – bis eines Nachts ein Fremdling („Francis Begbie“ Robert Carlyle) halb erfroren vor der Tür landet. Er tischt den Soldaten eine wahrhaft gruselige Story auf, er sei mit fünf anderen Personen mit einem Track unterwegs gewesen und von einem Sturm überrascht worden, der die Gruppe zwang, in einer Höhle Unterschlupf zu finden, bis das Unwetter vorüber sei. Doch es legte sich nicht, und die Vorräte wurden knapp – so wurde eine fatale Entscheidung gefällt...die Soldaten machen sich auf, angebliche Überlebende zu bergen. Doch sie ahnen nicht, dass ihnen der Fremdling eine Falle stellen will...

Hmm. Die Handlung scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich vielschichtig, doch im Verlauf des Films entwickelt sie sich zu einem wendungsreichen, mystischen Plot, in dem es vorrangig um eines geht: ums Fleisch. Nein, hier erwartet einen kein neuer Cannibal Holocaust, sondern eher ein an klassische Motive angehauchter Schlitzerfilm, der einem die ein oder andere verblüffende Wendung präsentieren kann und bis zur letzten Sekunde fesselt. Die Rollen sind ausgefallen und individuell, ganz besonders überzeugt der schrille Carlyle als bekennender Menschenfresser und eine bizarre Art der Komik bleibt während der ein oder anderen Jagd nicht außen vor. Hinzu gesellt sich ein schräger und anspannender, aber sehr häufig auch äußerst klangvoller Soundtrack, an dem Ex-Blur Frontmann Damon Albarn mitwirkte, was deutlich zu hören ist. Der Gore ist durchaus ordentlich auch wenn explizite, zu harte Tötungen außen vor bleiben bietet der Film eimerweise Blut und reichlich Schlitzerei, das zart besaitete Seelen tunlich Abstand von diesem indizierten Werke halten sollten! Passend und unterstützend wirkt das übernatürliche Element des Films, was sich indianischer Mythen als Hintergrundstütze bedient, ohne dabei klischeehaft zu wirken.

Eines ist klar: „Ravenous“ gefällt bestimmt nicht jedem, und man kann ihm vieles nachsagen, doch eines sicher nicht: dass der Streifen Klischees bedient und altbacken daherkommt. Die ungeschnittene DVD ist nicht nur Gorehounds, sondern auch Freunden der unüblichen Kinokunst uneingeschränkt zu empfehlen. Ein spannender, harter, stilvoller und vor allem individueller Horrorreißer in kargem Westerngewand.

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