Review

Fleischiger Film, das!
Einen Gnadenkniefall gibt's erst mal für die ungewöhnliche Idee um einen Kannibalenthriller mit latent übernatürlichem Touch im Wilden Westen anzusiedeln.
Und weitere Punkte macht der Film durch seine direkte Herbheit. Da wird geschnippelt, gehackt und geschlitzt und anschließend lecker Suppe draus gekocht, daß es eine wahre Freude ist. Und das Blut fließt in Strömen.

Der Reihe nach: ein ehrenvoller Kriegsheld, dessen Erfolge mehr auf Panikzuständen und Ekel und Glück zurückzuführen waren, wird in die Einöde Kaliforniens versetzt, wo die durchgeknalltesten Aufrechten das Sternenbanner hochhalten. Hinein ins frostige Geschehen platzt der Überlebende eines eingeschneiten Mini-Trecks, der am Ende scheint, da er Menschenfleisch geknuspert hat, wenn auch widerwillig. Und er warnt vor einem Armeeoffizier, den Reißtrieb den kompletten Verstand ausgetrieben hat. Also macht man sich auf die Socken, um eine Frau zu retten, die inzwischen eh verfrühstückt sein dürfte. Ist dann auch so und der Überlebende ist natürlich der mörderische Menschenfresser, der seine Begleiter samt und sonders massakriert, bis auf unseren Kriegshelden, der notgedrungen daraufhin auch einen Kameraden ankauen muß, woraufhin ihm dasselbe gierige Schicksal droht.

Wo sonst ganze Filme mit diesem Inhalt gefüllt werden, braucht dieser hier dafür eine knappe erste Hälfte, worauf der größte Teil der Besetzungsliste schon ins Präriegras gebissen hat. Und alle übrigen werden noch folgen. Das allein verdient Respekt.

Unser Held bekommt natürlich arge Schwierigkeiten, weil der Butzemann zurück in den Uniformrock geschlüpft ist und nun seinen Vorgesetzten gibt. Ergo ist er selbst der Verdächtige und gehäckselt wird natürlich weiter.
Im letzten Drittel wird aus dem Thriller dann jedoch ein menschliches Drama mit ein paar Überraschungen, das in einem der direktesten und brutalsten Zweikämpfe endet, die man sich vorstellen kann. Alles was hacken und schneiden kann, wird ins Gefecht geworfen und alles trifft auch. Da ist der übernatürliche Genesungseffekt durch den Genuß von Menschenfleisch und die dämonische Besessenheit schon der erklärerische Schwachpunkt, aber der interessiert eh nicht. Eher folgen wir seiner Widerlichkeit Robert Carlyle als Profi-Menschenfresser und dem widerstrebenden Guy Pearce, der allerdings selten zu mehr kommt, als angewidert im Wald zu stehen.

Angerichtet ist dieser Blutcocktail dazu mit einer archaisch-indianischen Musik, schön treibend und unruhig machen, damit man sich nicht zu sehr auf den Naturaufnahmen ausruht. Und weil wir dieses Sujet noch nicht hatten, kann die Plotline auch die Spannungskurve hochhalten, weil wir nicht ahnen, was als nächstes zur Tür hereinspringt.
Und über all dem wird ein derart ätzenden Humor ausgegossen, daß es eine wahre Freude ist. Etwa wenn Carlyle sich daran macht, einen lecker Eintopf zu kochen und das Hilfsangebot eines Offiziers ausschlägt, mit dem Hinweis, er könne später "seinen Teil beisteuern", was er dann auch unfreiwillig tut.

Man sollte es also sardonisch mögen und noch dazu nicht auf anämische Filme stehen, denn hier schlitzt und suppt es prachtvoll. Schlucken und durch. (8/10)

Details
Ähnliche Filme