Review
von Leimbacher-Mario
Auf den Honig gegangen
Zu Winnie Puh und seinen Freunden sollten (gerade) heutzutage wirklich mehr Eltern greifen - da dürften Feuerwehrmänner Sam, Paw Patrol und Co. ruhig mal hinten anstehen. Aber sei’s drum, bei ein paar Leuten wie mir und meiner Familie gehören Puh, Ru, Ferkel und die ganze Band noch lange nicht zum alten Eisen, sodass ich mir auch das animierte Kinoabenteuer von 2011 immer wieder gerne anschaue. Näher am disney'schen Original-Kinomeisterwerk aus den 70ern hätte man vor 10 Jahren nämlich kaum liegen können...
Erzählt wird davon, wie Puh und seine Freunde denken, ein „Balz'rük“ hätte Christopher Robin entführt - und nun schmiedet die bunte Bande einen waghalsigen Plan zur Befreiung ihres besten Freundes und Spielkumpanen. Mittendrin natürlich Lieder, Honig und ein fehlender Eselsschwanz... Winnie Puh-Abenteuer bekommen die Balance und den Rhythmus aus Überdrehtheit und Melancholie immer erstaunlich gut hin, „Winnie the Pooh“ ist da keine Ausnahme, eher ein Paradebeispiel. Wundervoll, dass das auch 2011 noch derart klassisch und unverfälscht möglich war. Puh, der süße Honigjunkie, Tigger, der alte Draufgänger, Ferkel, der Feigling, Eule, der gebildete Schwindler - alle am Start, alle wie man sie kennt und liebt. Von roten Luftballons bis gruseligen Wäldern, von Honigtöpfen bis zu naiven Missverständnissen - es sind immer die gleichen Muster, es funktioniert immer wieder. Und das nicht nur für die Kleinsten. Die Songs haben Schwung, die Einbindung von Sprache und Schrift ist hier besonders gelungen, die Laufzeit lässt keinen Leerlauf zu. Selbst die hyperaktivsten aktuellen Jünglinge mit ihren oft Mini-Aufmerksamkeitsspannen werden hier sicher nicht vorzeitig weglaufen. Puh muss sich gar nicht ändern, Puh macht das, was er am besten kann. Und Disney erweist hiermit E.H. Shepard eine ziemlich zauberhafte Hommage, die er selbst hätte kaum besser erschaffen können. Entschleunigend und einfach, ehrlich, echt schön. Unsterbliches Kinderprogramm. Hoffentlich.
Fazit: selbst wenn alles klar und deutlich eher für die Kleinsten angelegt ist (war Pooh schon immer), dieses neue Abenteuer jetzt nicht gerade mit Innovation oder Fortschritt punktet, sondern sich extrem nah an den Klassiker und seine warme, honigsüße Nostalgie hält: „Winnie the Pooh“ ist kurz, süß und herzlich, gerade seine für viele vielleicht angestaubte, aus der Zeit gefallene Herangehensweise ist seine dickste Stärke! Ganz und gar kein seelenloser Aufguss.