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"Wollen sie nen guten Rat? Besorgen sie sich ne Waffe und lernen sie damit umzugehen!"

Am Ende des 19. Jahrhunderts: Jake Lonergan (Daniel Craig) erwacht ohne Erinnerung irgendwo in der Wüste Arizonas. Weder für seine Verletzungen noch eine mysteriöse Metallmanschette an seinem Arm hat er eine Erklärung. Mit einem erbeuteten Pferd gelangt er in das Dorf Absolution, in dem der Rindszüchter Woodrow Dolarhyde (Harrison Ford) das Sagen hat. Sheriff John Taggard (Keith Carradine) erkennt Lonergan und identifiziert ihn als gesuchten Verbrecher. Dolarhyde hat noch eine Rechnung mit ihm offen, also sperrt der Sheriff ihn mit Hilfe der ortsansässigen Ella Swenson (Olivia Wilde) ins Gefängnis, wo er auf den Transport zu einem Gericht warten soll. Während dem Abtransport wird das Dorf allerdings von einem unbekannten, fliegenden Objekten angegriffen. Und Lonergan trägt an seinem Arm die einzige effektive Waffe gegen die Aggressoren.

Allein der Titel "Cowboys & Aliens“ klingt gewaltig nach Trash und weckt gewisse Erwartungen. Das auf einem Comic basierende Crossover von Western und Science-Fiction ist allerdings weit weniger trashig als zunächst vermutet, stattdessen aufwendig produziert und hochkarätig besetzt.

Zunächst erfüllt der Science-Fiction-Western-Mix die geschürten Erwartungen. Ganz im Sinne eines Wild-West-Filmes führt "Cowboys & Aliens“ mies gelaunte Haudegen in einem heruntergekommenen Umfeld ein. Während die Hauptcharaktere ein noch einigermaßen ausgefeiltes Profil erhalten, sind später hinzu kommende Ganoven und Indianer weniger überzeugend.
Die Handlung ist minimalistisch, erfüllt aber ihren Zweck. Weniger die haarsträubenden Wendungen, die neben der meist bodenständigen Erzählweise völligst fehl am Platz wirken.

Das kaum überraschende Erscheinen der Außerirdischen in der Nacht ist actionreich konstruiert. Großen Reiz machen die Konfrontationen zwischen den titelgebenden Fraktionen aus.  Die extreme Unterlegenheit der Cowboys macht sich besonders beim Erstkontakt bemerkbar. Während Explosionen die Stadt überziehen und in diesem Durcheinander zahlreiche Bewohner verschleppt werden, fragt man sich, wie die Cowboys auf die Aliens reagieren werden. Pistolen und Gewehre gegen Lasertechnologie, das ist nun wirklich ein unfairer Kampf. Allerdings geht es im Western oft genug darum, dass die Guten sich gegen einen übermächtigen Gegner zu Wehr setzen müssen. Die hierbei entstehende, beklemmende Atmosphäre wird jedoch mit zunehmender Laufzeit relativiert.

"Cowboys & Aliens“ ist ein grundlegend ernsthafter Film. Nur sparsam wird mit Humor gearbeitet, der von sperrig, unfreiwillig komisch und kurzweilig verschiedene Formen annimmt.
Passender dagegen ist der rauhe Umgang, der teilweise allerdings noch zu zart anmutet. Denn trotz brachialer Gewalt und nicht gerade zimperlichen Schießereien hätte der Film eine wesentlich höhere Intensität aufbauen können, wenn er die extrem kompromisslose Art von "Starship Troopers" angenommen hätte. Das Finale fällt durch die effektreiche Inszenierung zwar unterhaltsam aus, lässt aber durch altbewährte Muster die Dramaturgie auf der Strecke.

Auf Harrison Ford ("Indiana Jones"-Reihe, "Air Force One") und Daniel Craig ("Ein Quantum Trost", "Invasion") liegt der Schwerpunkt. Beide bieten eine, von ihren bekannteren Rollen, losgelöste Performance, allerdings nicht ohne selbstironische Hinweise darauf zu geben. Mit Olivia Wilde ("Tron: Legacy") und Sam Rockwell ("Betty Anne Waters", "Moon") sind zwei weitere Hollywood-Größen dabei. Jedoch können sie, durch die stereotypischen Rollen, ihr vorhandenes Potential nicht auszuschöpfen.

So innovativ die Mischung aus Western und Science-Fiction in "Cowboys & Aliens“ auch sein mag: Das Crossover verspielt sich seine Möglichkeiten nach dem ersten Drittel und findet die zunächst subtil aufgebaute, beklemmende Atmosphäre nicht wieder. Die saubere Inszenierung lässt dramaturgische Höhen missen, verstrickt sich in erzwungenem Witz, einer ebenso erzwungenen Versöhnungsgeschichte und kaum nachvollziehbaren Wendungen. Die Klischees stören dagegen weit weniger.   Trotz seinen visuellen Stärken und der rauen Umgangsart, wirkt "Cowboys & Aliens“ optisch nicht hart genug für die brachial vorgehenden Kontrahenten. Zwar kann der Film im Endeffekt unterhalten, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück.

6 / 10

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