Aufgrund zunehmender finanzieller Schwierigkeiten, bedingt durch die allgemeine Wirtschaftskrise, dachte Produzent Hal Roach, nun auch Langfilme zu drehen. Dabei stieß er auf heftigen Protest von Stan Laurel, der seine und Hardy's Zukunft weiterhin beim Erstellen von Zweiaktern (also den kurzen20-Minuten-Filmen) sah. Dies war der Anfang eines ständigen Streits, der sich über die kommenden Jahre hindurchziehen sollte und der schließlich zu einem immer unausgeglichenerem Verhältnis zwischen den beiden Filmemachern führte. Zumindest konnte man sich darauf einigen, neben den Langfilmen, die Roach für unumgänglich hielt, auch weiterhin die qualitativ hochwertigeren Kurzfilme zu drehen.
So verfiel man auf einen Kompromiss und es entstand Pardon Us-der erste Langfilm des Duos, wenn man vom verschollenen Rogue Song absieht, in dem Laurel&Hardy nur als Nebenfiguren im Nachhinein eingefügt wurden.
Dass sich die Komik der beiden mit der Verlängerung der Laufzeit des Films nicht gleichzeitig erhöht, bewies schon das vorangegangene misslungene Experiment mit dem 30-Minuten-Film The Laurel&Hardy Murder Case (Die Nacht Im Mordhaus). Nun musste also ein Vorwand gefunden werden, die Handlung nochmal zu verdoppeln, um auf 60 Minuten zu kommen.
Als Kulisse bediente man sich der des gerade abgedrehten The Big House mit Wallace Beery, der übrigens auch in einer deutschen Version mit Heinrich George unter dem Titel Menschen Hinter Gittern gedreht wurde. So wirkt wenigstens das Gefängnis recht detailgetreu. Besonders der bärbeißige Walter Long weiß als brutaler Mitgefangener, einem Furcht einzujagen. Insgesamt hat man doch sehr das Gefühl, dass einige Handlungsstränge unnötig in die Länge gezogen werden. Ein weiterer negativer Aspekt ist das Wiederauffrischen bereits bekannter Gags, die man bereits besser kennt-so z.B. die Bettszene aus Berth Marks (In Einem Bett) oder der Zahnarztbesuch aus Leave'em Laughing (Nur Mit Lachgas). Man muss aber auch gestehen, dass sich solche, schon gesehene Gags, ganz gut in die Handlung einpassen und eventuell auch selbständig in diesem Film gesehen werden sollten, wenn man nicht zurückblickt und Wert legt auf unbedingte ständige Weiterentwicklung ihrer Kunst. Denn oftmals hat sich ein solches "Recycling" alter Gags auch als erfolgreich herausgestellt und das Endprodukt gar noch verbessert.
Hier ist dies nicht unbedingt der Fall, was natürlich nicht auf Regisseur James Parrott oder Kameramann George Stevens (letzterer wurde später selbst ein großer und gar Oscar-prämierter Regisseur) zurückzuführen ist, zumal ohnehin Stan Laurel sowohl vor als auch hinter der Kamera das Sagen hatte. Nur widerwillig hatte sich Laurel 1927 von Hal Roach dazu überreden lassen, wieder als Schauspieler zu agieren. Zuvor arbeitete er für den Produzenten als Drehbuchschreiber und wollte auch zunehmend mehr hinter der Kamera aktiv werden. Nur durch puren Zufall kam er mit Oliver Hardy zusammen und das größte Komikerduo aller Zeiten war geboren. Bis 1930 lief bei der "Roach-Familie" alles glatt, bis sich eben jener entschied, ins wesentlich lukrativere abendfüllende Spielfilmgeschäft einzusteigen.
Mit diesem allerersten ist dies jedoch noch nicht ganz gelungen. Man war es halt einfach noch nicht gewohnt, die bislang üblichen Kurzfilme auf einen Spielfilm auszudehnen. Auch wenn der Spielfluss an manchen Stellen etwas zu leiden hat, kann man doch nicht von einem Misserfolg reden, da die Schauspieler-auch die alten Bekannten James Finlayson und Charlie Hall sind mit von der Partie-so einige Längen vergessen machen.
Auch von diesem Film wurden verschiedene fremdsprachige Versionen hergestellt. Da das technische Mittel der Synchronisation damals noch nicht weit entwickelt war, mussten Laurel und Hardy ihren jeweiligen Text mit Hilfe von Lautsprache selbst darbieten. Einzig die übrigen Schauspieler wurden durch Einheimische ausgetauscht-so spielt z.B. in der französischen Version "Frankenstein" Boris Karloff mit! Diese anderen Versionen, die außerdem noch in deutsch, italienisch und spanisch gedreht wurden, waren allesamt erheblich länger, da zum Schluss hin einige Szenen eingefügt wurden, die im amerikanischen Original nicht existieren. Desweiteren wurden in diesen Fassungen unsere beiden Freunde ganz einfach wegen Diebstahls eingebuchtet, da man dachte, der europäische Zuschauer würde damals nicht nachvollziehen, warum man wegen Bierbrauens-was zu jener Zeit aufgrund der Prohibition in den USA illegal war-verhaftet werden könne. In den späteren Synchronisationsfassungen wurde dies dann richtig gestellt.
Insgesamt wurden, glaube ich, vier oder fünf Filme der beiden in deutsch gedreht, deren Versionen jedoch bis heute alle verschollen sind. Nur von Pardon Us wurden vor einigen Jahren in Moskau (?) ein paar Aufnahmen wiederentdeckt, in denen die beiden Stars tatsächlich original deutsch sprechen.
Der erste lange Spielfilm der beiden verfügt über eine ganz ansprechende Story, in deren Verlauf sich des Öfteren die Gelegenheit bietet, ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen-dennoch hält er noch nicht ganz, was die vorangegangenen Kurzfilme versprachen. Dies sollte sich aber bald ändern.
7 / 10 Punkte