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Es gab eine Zeit, in der war John Woo auf dem Höhepunkt seines Könnens, eine Zeit der blutgetränkten Heldentragödien, es war die Zeit des „Heroic Bloodshed“ - Genres. Und zu dieser Zeit entstand auch Woos Meisterstück „The Killer“, dieser sollte ihn so erfolgreich und bekannt machen, dass er dem Hongkongkino aufwiedersehen sagen, und so „große“ Filme in den großen USA drehen konnte. Das die wenigsten seiner US-Produktionen an seine früheren Werke herankamen, sollte klar sein. Nun widme ich dem Film, der zu einem Actionklassiker a la „Terminator“ oder „Stirb Langsam“ avanciert sein müsste, „The Killer“:



Die Story:

Der Profikiller Jeffrey (Chow Yun-Fat) blendet bei seinem letzten Job ungewollt die Sängerin Jenny, welche fast erblindet. Nun schreibt seine Ehre vor, das Geld für die Augenoperation zu bezahlen, die sie vor der sicheren Blindheit bewahren würde. Um das Geld zusammenzukriegen, nimmt er einen Auftrag an, der zunächst wie reine Routine klingt: Er soll einen Drogenbaron zur Strecke bringen. Nachdem er diesen erledigt hat, sieht er sich nicht nur seinem ehemaligen Auftraggeber als Feind gegenüber, auch wird er von der Polizei, insbesondere von dem Cop Danny (Danny Lee), gejagt. Doch was den „Killer“ und den Polizisten verbindet, ist die Liebe zu der Sängerin Jenny, welche die Beiden zu einer Freundschaft zusammenschweißt. Nun stehen Der Killer und Der Polizist einem ganzen Drogensyndikat gegenüber. Es kommt zum unausweichlichen Showdown...



Woo nutzt auch diesmal die genretypischen Zutaten, konzentriert sich aber besonders auf die Themen Vertrauen, Ehre, Verpflichtung und natürlich Liebe. Waren die „Heroic-Bloodshed“ Elemente in den früheren Filmen noch nicht zu hundert Prozent ausgeprägt, basiert hier die gesamte Story darauf, ohne sie würde der Film nicht funktionieren. Auch Woos Spiel mit der Filmwelt fasziniert: In seinen Filmen ist Gut nicht gleich gut und Schlecht nicht gleich schlecht. Auch Killer haben ein Gewissen, edle Seiten und noble Tugenden, was sie wieder zu Helden macht, darum hieß wohl auch eines von Woos früheren Werken „Just Heroes“, bei uns wurde einfach ein zweiter „Hard-Boiled“ daraus, obwohl der erst Jahre später entstand. Nichts desto trotz hat Woo mit seinen Ideen das Actiongenre nicht nur bereichert, sondern auch revolutioniert, er schuf Actionfilme mit Grips, in denen die Brutalität nur Mittel der Tragik waren.




Fazit:

Woo hat einen vielschichtigen Film geschaffen: Eine Liebesgeschichte, eine Freundschaft zwischen zwei sehr verschiedenen Männern und natürlich einen knallharten Actionfilm und das alles verpackt in 110 Minuten voller ästhetischer Bilder. Die Darsteller sind sagenhaft, die Wortgefechte zwischen Chow Yun-Fat und Danny Lee witzig und tragisch zu gleich, wenn auch die etwas schwache deutsche Synchro manche Atmosphäre vernichtet. Warum ein solcher Film bis heute keine neue, professionelle Synchronisation erfahren hat, ist mir ein Rätsel. Durch den effektvollen Einsatz von Slowmotion wird den Szenen eine ungeheure Kraft und Stärke verliehen, die ihresgleichen sucht. Besonders der bleihaltige Showdown in der Kirche mit den typischen Woo-Elementen toppt noch mal alles! Nur die Musikuntermalung hätte besser sein können, zwar sind die klassischen Klaviermotive recht passend und gut, sonst wird man aber leider nur mit etwas mickriger Synthie-Musik versorgt. Erschwerend kommt hinzu, dass Woo Stücke aus dem „Red Heat“ - Soundtrack von James Horner verwendet, welche zwar das Niveau und die Spannung noch mal ein ganzes Stück erhöhen, aber John Woo sicher nicht weiterhelfen: Der Kontrast zwischen Horners Score und der von Woo ausgewählten Musik ist sofort zu erkennen, es liegen Welten dazwischen! Trotz dieses kleinen Fapeaus, hat Woo hier alles aus sich raus geholt und einen Film geschaffen irgendwo zwischen höchster Tragik und brutalster Action, welcher nicht nur seinen Platz in der Liste „Beste Action-Filme aller Zeiten“ sicher, sondern auch in jeder guten DVD-Sammlung etwas zu suchen hat.

Da fällt mir auf: „Ich bin zu weich für diesen Job geworden! Die Vorstellung macht mich krank!“, ich glaube, ich höre auf mit dem Schreiben von Filmkritiken....

...vergesst es! ;-P

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