Vorsicht! Die Review enthält Spoiler und sollte von Leuten, die den Film nicht kennen, nicht gelesen werden. Diese können den Text bis zum Fazit überspringen.
Der Thriller mit dem relativ unspektakulären Namen "The Double" und Richard Gere in der Hauptrolle bekam hier in Deutschland keine Kinoauswertung und wurde direkt für das Publikum zuhause verwurstet. Schade, denn an der Qualität des Films kann es nicht gelegen haben - vielleicht einfach da dran, dass "The Double" eher an Oldschool-Thriller erinnert und ohne viel Krach und Pompöse auskommt.
CIA-Agent Paul Shepherdson (Richard Gere) soll den Mord an einem Senator untersuchen, der scheinbar von dem totgeglaubten russischem Topkiller mit dem Codenamen "Cassius" umgebracht wurde. Cassius ist ein Phantom, der schon viele Morde in der Vergangenheit begangen hat und niemand sein Aussehen kennt. Nichtmals die russischen Agenten. Shepherdson bekommt den Jungspund Ben Geary (Topher Grace, Predator III) als Partner zur Seite gestellt, der die Taten von Cassius wie besessen studiert hat. Die beiden Agenten ermitteln und kommen dabei der wahren Identität des Mörders näher, als ihnen lieb ist...
Auch wenn die Idee nicht neu ist, besteht die Faszination darin, als man nach einer halben Stunde die Katze aus dem Sack lässt, und Shepherdson (Gere) als den gesuchten Cassius präsentiert, quasi ein pensionierter CIA-Agent , der eigentlich im Auftrag der Russen mordete. Der Zuschauer ist im Gegensatz zu Sheperdsons´s Partner eingeweiht und verleiht der vermeintlichen Suche nach der Identität des Killers ein besonderes Sehvergnügen, das man immer zweideutig werten kann: Einerseits probiert Shepherdson sein früheres Leben vor seinem Partner zu verschleiern, andererseits ist es auch klar, dass Gere´s Charakter nicht der Täter des jetzigen Mordfalls an dem Senator ist. Die Motivation, die Shepherdson antreibt (ob er nach seinem Gewissen als amerikanischer Bürger oder eher doch als Schläfer handelt), bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Auch wenn er ein eiskalter Killer ist, bemüht sich das Drehbuch redlich drum, dieser Figur auf keinen Fall die Sympathie unter den Füßen wegzuziehen.
Bis auf die Einführung ist also für Hochspannung bis zum Schluss gesorgt. Topher Grace spielt auf einer Augenhöhe mit Gere und ist ein ordentlicher Gegenpol, auch wenn er anfangs eher als lästiges Anhängsel rüberkommt. Die FSK 16 geht in Ordnung. Heute. Denn vor einem Jahr hätte "The Double" vielleicht auch eine KJ-Freigabe erhalten, da es nicht gerade zimperlich zugeht und die etlichen Kehlenschnitthinrichtungen schon für einen roten Flatschen auf dem Cover gelangt hätten.
FAZIT:
"The Double" macht seinem (unspektakulären) Namen alle Ehre und erweist sich als kleiner aber feiner Thriller mit durchgehend spannender Atmosphäre. Die Wendung hievt ihn über den Durchschnitt. Jedoch muss man gerade bei diesem Film aufpassen, dass man nicht zuviel Infos vor dem Anschauen hat, bzw. den Trailer sieht. Wie blöd muss man eigentlich sein, für diesen fetten Spoiler in den Trailer mitreinzupacken?
Das trübt das Sehvergnügen und man geht mit Sicherheit mit ganz anderen Erwartungshaltungen an den Film heran. Ich wusste nichts (zum Glück) und wurde erstklassig unterhalten. Und ich verwette meine Eier, dass, wenn ich den Trailer gekannt hätte, dieser Film höchstens fünf Punkte bekommen hätte...
8/10