2002 prägte das Surf-Drama „Blue Crush“ nicht nur den daran anknüpfenden Verlauf des Regie-Werdegangs John Stockwells (siehe „Into the Blue“, „Turistas“ und „Dark Tide“), sondern kick-startete zugleich auch die Karriere Kate Bosworths („21“), spielte weltweit knapp 52 Millionen an den Kinokassen ein und vermochte mit einer ansprechenden Kombination aus einem nicht übermäßig seichten Plot und wahrhaft atemberaubenden Wellenreiter-Sequenzen aufzuwarten. Neun Jahre später liegt dem Publikum nun eine „Direct to Video“-Fortsetzung jenes Streifens vor, welche den Titelzusatz „No Limits“ trägt, von Mike Elliott („Beethoven´s Big Break“) in Szene gesetzt wurde, statt auf Hawaii primär im Süden Afrikas angesiedelt daherkommt und – von der betreffenden Sportart sowie einem (neuen) zentralen Trio junger Mädels mal abgesehen – keinerlei direkte Verbindung zum „Vorgängerfilm“ aufweist…
Dana (Sasha Jackson) ist eine 18-Jährige aus reichem Hause, welche im Alter von fünf ihre Mutter (durch Krebs) verlor, diese seither sehr vermisst und in ihrer Freizeit am liebsten die Wellen vor der heimischen Küste Kaliforniens reitet. Als ihr Vater (Gideon Embry) sie aktuell mal wieder dazu bewegen will, stärker an ihre Zukunft zu denken (also auf ein feines College zu gehen), packt sie prompt einige Sachen zusammen und besteigt den nächsten Flieger nach Durban, wo ihre Mom damals aufgewachsen war und Dana im Folgenden nun einige auserwählte Orte zu besuchen gedenkt, über die jene in ihrem hinterlassen Journal geschrieben hatte. Unmittelbar nach ihrer Ankunft freundet sie sich mit der Einheimischen Pushy (Elizabeth Mathis) an, welche ihr nach einem Gepäck-Diebstahl netterweise eine Bleibe offeriert – und zwar bei ihr, als Teil einer kleinen Surfer-Gemeinde direkt am Strand. Fortan dauert es nicht allzu lange, bis sich Dana zwischen zwei gut aussehenden Männern (Chris Fisher & Ben Milliken) hin und her gerissen wiederfindet – ebenso wie im Zentrum bestimmter „Zickereien“ mit Tara (Sharni Vinson), einer gefragten Profi-Surferin, die zugleich auch das „Alpha-Weibchen“ der Gruppe ist. Trotz verschiedener Ablenkungen und Konflikte, durch welche sie mit einzelnen Behörden und gar kriminellen Individuen in Kontakt gerät, hält sie dennoch weiterhin entschieden an ihrem ursprünglichen Vorhaben fest und bricht (im Zuge dessen) schließlich zu ihrer „ganz persönlichen Odyssee“ auf – mit diversen Stopps entlang der Küste sowie der legendären Brandung von Jeffrey´s Bay als großes Finale Schrägstrich Ziel der Reise...
Von der ersten bis zur letzten Minute entfaltet sich „Blue Crush 2“ derart vorhersehbar, seicht und voller Klischees, dass man sich schon fragen muss, ob Skriptautor Randall McCormick („Speed 2“/„Titan A.E.“) mit voller Absicht nur eine stark eingegrenzte Zielgruppe (weiblich, primär so zwischen neun und fünfzehn Jahren) anvisierte – oder er es einfach nicht besser hinbekommen hat. Unabhängig der Tatsache, dass selbst junge Teens anständigeres Material verdient hätten, dürften diese mit der erzählten Geschichte wohl am meisten anfangen können – schlichtweg weil die präsentierten Motive, Ansichten, Träume und Wünsche (Differenzen mit den Eltern, Identitätsfindung, Freiheitsdrang, Abenteuerlust etc.) typisch für die Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen innerhalb jener speziellen Phase des Heranwachsens sind. Losgelöst von diversen Beziehungen entlang des Weges sowie der durchweg attraktiven und leicht bekleideten Protagonisten, bleibt jegliche Form „aktiver Sexualität“ jedoch stets auf ein Minimum zurückgeschraubt: Absolut jugendfrei kommt die mit einem gehörigen „Ferien-Feeling“ sowie akzentuierten Drama- und Abenteuer-Elementen angereicherte Story daher – was seitens der deutschen „FSK6“-Freigabe so auch klar unterstrichen wird. An sich ist gegen eine solche Ausrichtung ja in keinerlei Weise etwas einzuwenden – nur haben wir es im Vorliegenden mit einem besonders gravierenden Fall eines arg uninspiriert verfassten Drehbuchs zutun, was natürlich ärgerlich ist und sich mit zunehmender Laufzeit (entsprechend) immer stärker auf das persönliche Sehvergnügen auswirkt...
Um den zuvor beschriebenen Sachverhalt ein wenig zu veranschaulichen, hier mal eine kleine Auswahl einzelner Momente, die (speziell in ihrer Summe betrachtet) rasch zum Hervorrufen des betreffenden Eindrucks beitragen: Eröffnet wird mit Dana, wie sie (inklusive Surfbrett) durch die „Stadt der Engel“ radelt, bevor sie daheim (in einer feinen Villa) mit ihrem Dad in einen Streit gerät, in dessen Rahmen sie ihm u.a. vorwurfsvoll erklärt, dass sie sich (wie schon ihre Mom) nicht sehr wohl in der City fühlt: „You shouldn´t have brought her to L.A! This is what really killed her – not the cancer!“ Anschließend sieht sie sich in ihrem Zimmer alte Home-Video-Surfaufnahmen ihrer Mutter an, liest in deren Tagebuch (wobei einige recht kitschig klingende Passagen per Voiceover „vorgetragen“ werden) und fasst spontan den Entschluss, nach Südafrika zu fliegen – mitsamt der Asche der Verstorbenen, welche seit damals in einer Art „Tiki-Kopf“ aufbewahrt wird. Im Flieger lernt sie den feschen jungen Bar-Besitzer Grant kennen – und nach der Landung ihre künftige neue „BFF“ Pushy, die ihr im Bus hilft, einen „zwielichtigen Typen“ loszuwerden, der aber kurz darauf ihren Spind am Strand ausräumt und dabei Teile ihres Gepäcks klaut (jip, die Urne ist ebenfalls darunter). Parallel dazu macht sie sich Tara zur „Feindin“, indem sie ihr eine tolle Welle wegschnappt – und zerbricht das Board ihrer Mom im Zuge eines Sturzes. Kurz vorm Aufgeben ihres Vorhabens (weinend hat sie den Telefonhörer bereits in der Hand) kommt sie dann jedoch bei Pushy in der „Kommune“ unter, wo sowohl Tara wohnt als auch Grant gelegentlich 'rumhängt – und es obendrein ja noch den netten Tim gibt, seines Zeichens ein charmanter Beachboy, Wildhüter sowie Profi im Reparieren von Surfbrettern...
An diesem Punkt des Geschehens ist nicht einmal ein Viertel der (mit rund 112 Minuten eh zu lang geratenen) Laufzeit verstrichen – doch genauso berechenbar und „abgegriffen“ anmutend geht es nun kontinuierlich weiter, bis hin zum Ende des (mit zusätzlichen „fröhlich-locker-leichten“ Filmszenen unterlegten) Abspanns. Eine Sache, welche man dem Streifen insgesamt allerdings kaum vorwerfen kann, ist dass es ihm an „Inhalt“ mangelt: Nach und nach bilden sich nämlich unterschiedliche Subplots heraus, die aufgrund ihrer Zahl und Beschaffenheit mit der Zeit jedoch etwas zu merklich vom eigentlichen Kern der Geschichte (sprich: Dana´s „Surf-Walkabout“) abzulenken beginnen, jeweils nur relativ oberflächlicher Natur sind sowie gleichermaßen absehbar und phantasielos (wie der übrige Rest) konzipiert wurden. Da wäre beispielsweise Pushy´s großer Wunsch, ein Platz im „Roxy“-Sportteam zu ergattern: Das aber passt Tara nicht wirklich in den Kram, die ihrerseits ja auch nicht gerade gut auf Dana zu sprechen ist. Tim traut sich nicht, seine Gefühle für letztere offen zu zeigen – welche wiederum ein Auge auf den „Womanizer“ Grant geworfen hat und nicht erkennt, dass jener nicht unbedingt „der richtige Umgang“ für sie ist. Dann wäre da noch die Gegebenheit, dass die Polizei den Abschnitt des Strands räumen will, auf dem sich die kleine Gemeinschaft niedergelassen hat – und sich einer aus den Reihen der neuen Bekannten Danas als eine Person mit kriminellen Verbindungen entpuppt, welche illegal mit Elfenbein handelt und „ausgerechnet“ den Mann kennt, der sie am ersten Tag bestohlen hat...
Bei den vielen (melo-) dramatischen Verstrickungen und Entwicklungen verwundert es wenig, dass sich Dana´s Vater ebenfalls irgendwann in eine Maschine setzt, seiner Tochter hinterher fliegt und sie fortan (mit nicht viel mehr als einem Foto zum Herumzeigen) in der Region zu suchen anfängt, während jene mit ihren Freunden die Küste entlang in Richtung „J-Bay“ tingelt, wo am Ende alle „Fäden“ zusammenlaufen – und zwar in Gestalt solcher Dinge wie dem Wiederauftauchen der Urne, einem Turnier, bei dem sich Pushy beweisen kann, sowie einer emotionalen Aussprache der zwei Familienangehörigen direkt am Meer. Dass das Gebotene den Zuschauer dabei nie anständig genug zu „packen“ vermag, liegt (neben der Story an sich) auch mit an der schlichten und klischeebehafteten Figurenzeichnung: Nicht einmal Dana wird einem (in einem ersprießlichen Maße) sympathisch, u.a. weil sie oft wie nichts weiter als ein verzogener Teenie wirkt, der sich selbst zu sehr im Zentrum der meisten Ereignisse um sich herum sieht – was für eine Hauptprotagonistin natürlich nicht sonderlich von Vorteil ist. Die sie verkörpernde Sasha Jackson („Night Junkies“) schaut toll im Bikini aus und verfügt über einige sexy Moves auf der Tanzfläche – schafft es aber nicht, der Figur genügend Charisma zu verleihen. Selbiges gilt für Elizabeth Mathis („Unstoppable“), deren aufdringlicher Akzent mir zudem mit jedem Wort auf die Nerven ging – wie auch für Sharni Vinson („Bait“), von der ich nach ihrer Darbietung in „Step Up 3D“ durchaus mehr erwartet hätte. Ben Milliken („Newcastle“), Gideon Embry („Train“) und Newcomer Chris Fisher liefern indes recht belanglose Performances ab – ebenso wie der verbliebene Rest der Besetzung. Wichtig ist überdies zu erwähnen, dass alle Leads bei anspruchsvolleren Surf-Manövern von Profis á la Rosy Hodge, Bianca Buitendag oder Tanika Hoffman gedoubelt wurden...
Im Rahmen seiner (begrenzten) finanziellen Möglichkeiten hat Regisseur Mike Elliott ein handwerklich solides Ergebnis abgeliefert, das seinem ärgerlich lahmen Inhalt zumindest ein schickes Setting und diverse imponierende „Offshore-Aufnahmen“ gegenüberstellt – wodurch das Präsentierte (alles in allem) wenigstens zu keinem „umfassenden Ärgernis“ verkommt. Cinematographer Trevor M. Brown („Treasure Guards“) hat die natürliche Schönheit etlicher südafrikanischer Locations überaus ansprechend eingefangen (was unweigerlich Reiselust erkeimen lässt) und darüber hinaus auch noch einige weitere im Gedächtnis haftende Einstellungen auf Film gebannt – wie als Pushy und Dana auf einem langen Marsch zu einem abgelegenen Strandabschnitt auf eine Gruppe Elefanten treffen. Die Surf-Szenen sind allesamt wunderbar anzusehen und in Teilen gar ziemlich spektakulär – entsprechend markant ist jedes Mal der Kontrast in Sachen Unterhaltungswert, sobald sich die Handlung „zurück aufs Land“ verlagert. Obendrein empfand ich es als bedauerlich, dass es dem Werk misslungen ist, ein „echtes Feeling“ für die „Kultur“ dieser Wellenreiter zu entwickeln bzw. zu vermitteln – weshalb eben jenes Lebensgefühl auch nicht ergiebig genug mit dem Grundgedanken der „Selbstfindungs-Odyssee“ Danas verknüpft werden konnte. Durchweg reihen sich die meist in Form banaler Dialogzeilen angegangenen dramatischen Konflikte zwischenmenschlicher Art inmitten „typisch gestalteter Sequenzen“ ein (wie flott geschnittene, mit eingängigen Pop-Songs unterlegte „Ereignis-Montagen“) und bleiben dabei überwiegend frei der eigentlich beabsichtigen Nachhaltigkeit und Tiefe – doch selbst bestimmte „erfrischend amüsante Augenblicke“ (á la ein Beach-Babe, das ausnahmslos jeden gezeigten Trick ihrer Freunde mit einer „10er-Wertung“ honoriert) sind mir persönlich viel zu spärlich gesät gewesen. Schade. Aber immerhin ist mal wieder ein modebewusster junger Mann mit von der Partie, der eine „trendy“ olivgrüne Bundeswehr-Jacke zur Schau trägt…
Fazit: Sowohl als Sequel als auch eigenständiger Streifen enttäuscht „Blue Crush 2“ (2011) auf breiter Flur, was an einer Kombination gleich mehrerer Ursachen liegt – darunter die ausgeprägte Vorhersehbarkeit und Trivialität des Ganzen, zu oberflächlich gestrickte Figuren, eine zu hohe Anzahl unnötiger Subplots sowie eine (mit fast zwei Stunden) viel zu lange Laufzeit: Ein gravierender (negativ-) Eindruck, gegen den (unterm Strich) weder einzelne inspirierte Momente noch verschiedene beeindruckende Landschafts- und Surf-Aufnahmen in einem genügenden Maße etwas ausrichten können…
„3 von 10“