Review

  Wer simple Strickmuster liebt, schamloses Product Placement, Modern Exploitation: der wird diesen Film lieben! Daher sieben Punkte für den hohen Trash-Wert, wo alle anderen das Direct-To-Video-Werk böse verreißen! Alles ist geboten:


1.) Unterstützt von einem Wirtschaftsverband Südafrikas (siehe Abspann), ist er ein Werbefilm für Südafrika und seine Surf-Spots. Auch süß trottende Elefanten werden präsentiert und bezaubern die Mädels im Film. Es darf sogar in die Büsche gepinkelt werden! Aber es fehlt nicht an Reisetipps: „Weiße“ sollten nicht im Bus reisen; Wertsachen sollten nicht unbeaufsichtigt gelassen bleiben.


Mit Werbung sollten wir jedoch kein Problem haben: schließlich ist auch jede/r zweite US-amerikanische Serie/Spielfilm/Roadmovie/Krimi Werbung: für den American Way of Life, das US-Militär, das Fahren auf US-Highways, die Polizei, das FBI, für Selbstjustiz, Jeeps, Leben in Kalifornien, Spielen in Las Vegas usw.


2.) Weiters wirbt BC2 für den kalifornischen Klamottenkonzern „Roxy“ (gehört zu Quiksilver). Lebenstraum der einen(der unterprivilegierten) Hauptfigur ist es, professionell für das Roxy-Team zu surfen. Des Films Ziel ist ihre Teilnahme beim entsprechenden Wettbewerb. (Die privilegiertere der beiden Hauptfiguren hat keinerlei materiellen Interessen, sie muß sich nicht prostituieren und kann statt dessen ihre öde Familiengeschichte aufarbeiten, der toten Mutter nachtrauern und sogar sozial wohltätig werden: sie kultiviert halt die typischen Luxus-Probleme in so Filmchen.)


Dass Surfer-/SportlerInnen sich von Konzernen sponsern lassen, und das in Filmen thematisiert wird, ist allerdings, je nach Betrachtungsweise, sowohl Realität (also OK) als auch Werbung (also Pfui) – korrekt wohl erst dann, wenn nur fiktive Firmen vorgestellt werden. Aber wer bezahlt dann für die Produktion?


3.) Daß in einem afrikanischen Film alle Hauptfiguren (bis auf eine) helle/weiße Haut haben, verwundert dann doch. Darüber hinaus gibt nur folgende Storytreiber, die nicht „weiß“ sind:

- die böse Polizei, die das Surfercamp gewaltsam räumt (ohne Rücksicht auf Tote, logisch).

- einen fiesen Kriminellen (Wilderer, der Elfenbein vertickt und das weiße Mädel bedroht).

- das Publikum in einer ortstypischen Discothek (die dunkelhäutige Hauptfigur zeigt ihrer weißen Freundin den Ort [Township?!?], wo sie aufwuchs – und charakterisiert ihn wie folgt: „Der beste Ort zum Tanzen!“ Schnitt, schon sind sie in der Disco, also einer völlig ortsuntypischen, konstruierten, internationalisierten Umgebung - so viel zur Stadtführung).


Klingelt da der „Rassismus“-Alarm? Aber als Werbefilm richtet sich BC2 an „weiße“ Westler, von daher ist es wohl kein böser Rassismus, sondern einfach simple Zielgruppenkalkulation. Diese Zielgruppe will sich schließlich selbst am Urlaubsort sehen und imaginieren, keine „fremden“ Einheimischen (selbst wenn diese dort hingehören).


3.) Sämtliche weitere Story-Ingredenzien:

- Der Krach mit Spießer-Dad daheim, die gefühlvollen Tränen, die Videoaufzeichnungen der toten Mutter, der Aufbruch in die ferne Fremde, die zufälligen Begegnungen mit allen wichtigen Figuren, der Triumph trotz Selbstzweifel, die letztliche Liebe zum korrekten der beiden Kerle, das Rumrasen mit einem Landrover/Jeep, wunderschöne Landschafts-, Meeres- und Surfaufnahmen.

- Der süße Surfboardbastler, der den selbstbemalten Bus fährt (Magical Mystery Tour lässt grüßen, war aber wesentlich chaotischer).

- Das supernette Job-Angebot = Rumhängen in der Szene-Kneipe. Oder gleich:

- Das Leben ohne Arbeit (da war „Blue Crush [1]“noch etwas realistischer).

- Die (gutherzige) weiße Hauptfigur ist super mutterlos + heult darob, der Vater ein superreicher Workoholic (5 Autos vor dem Haus) mit guten Herzen, der vor lauter Schmerz seine Tochter vernachlässigt hat.

- Die Versöhnungen am Schluß: mit dem Vater, mit der (gutherzigen) besten Freundin.

- Die böse Konkurrentins-Bitch, die zur fairen Mutterfigur transformiert.

- Der unwiderstehliche Aufreißer, der Dreck am Stecken hat.


4.) Auch formal ist alles schrecklich schön wie es sich gehört:

- schnelle Schnitte zerstören selbst die Schönheit der Surfaufnahmen.

- abstruse Zeitlupen, sogar von fahrenden Händlern am Strand.

- gnadenlose Zukleisterung mit Pop-Musik.

- wunderhübsche Typen in winzigen Bikinis (Mädchen) oder barbrüstig (Bürschchen).

- elaboriertes Set-Design: auch das Hausen in Bretter-/Strandhütten und Armut wirkt noch extrem kreativ und „free-spirited“ (das ist übrigens Motto des Films – die Freiheit ermöglicht zu guten Teilen der reiche Papa und illegaler Elfenbeinhandel.) (Aber das ist gemein von mir: Design, Ausstattung, Kostüme, Leute und Kamera sind durchaus korrekt und Augenweide – man vergleiche dagegen mit „Surf Nazis Must Die“, der nur Übelkeit erregt.)

- die so genannte „Odyssee“ findet im Landrover statt und führt jeden Abend wieder zurück ins warme Nest.


Fazit: besser sind „Blue Crush“ (1) oder „Gefährliche Brandung / Point Break“ (1991, von Kathryn Bigelow und stets einer meiner Lieblingsfilme), aber „Surf Nazis Must Die“ ist immer noch unfassbar schlechter.


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