Review

Noch bevor sich der gemeine Vampirfilm ab Mitte der 1980er-Jahre dank einer dringend notwendigen Kombination aus Frischzellenkur und Entstaubung wieder großer Popularität erfreuen durfte, mit Filmen wie Fright Night (Fright Night - Die rabenschwarze Nacht, 1985), Vamp (1986), The Lost Boys (1987), Near Dark (Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis, 1987), Graveyard Shift (Nachtschicht, 1987), The Understudy: Graveyard Shift II (Graveyard Shift 2, 1988), Vampire at Midnight (L.A. Midnight, 1988) und Vampire's Kiss (Vampire's Kiss - Ein beißendes Vergnügen, 1988), mußten die langzahnigen Blutsauger ein eher armseliges Schattendasein fristen, das ihrer unwürdig war. Und doch lohnt es sich, diese wenig einladenden Schattengebiete mit einer geeigneten Taschenlampe zu erforschen, versteckt sich darin doch so manche verkrustete, unscheinbare Perle. Was uns zu The Black Room bringt, geschrieben von Norman Thaddeus Vane (1928 – 2015) und inszeniert von ihm gemeinsam mit Elly Kenner. The Black Room ist einer der ungewöhnlichsten Vampirfilme, der würde sich verdammt gut im Doppelprogramm mit George A. Romeros Martin (1977) machen, nicht zuletzt, weil sich der Film anfühlt, als wäre er in den 1970er-Jahren entstanden.

Tatsächlich wurde The Black Room im Jahre 1981 gedreht, allerdings erst 1983 erstmals veröffentlicht. Erzählt wird die Geschichte zweier unterschiedlicher Paare, deren Wege sich alsbald kreuzen. Da wären einmal Larry (Jimmy Stathis) und Robin (Clara Perryman), Eltern zweier Kinder und recht glücklich verheiratet, wäre da nicht das frustrierende Problem, daß im Bett so gut wie gar nichts mehr läuft. Deshalb befriedigt Larry seine sexuellen Gelüste mit willigen Autostopperinnen, Studentinnen und Prostituierten, wobei er für diese Schäferstündchen für 200 Dollar pro Monat ein Zimmer in den Hollywood Hills gemietet hat. Bei den Vermietern handelt es sich um die exzentrischen Geschwister Jason (Stephen Knight) und Bridget (Cassandra Gava), welche die Ausschweifungen im nur mit Kerzenlicht erhellten "schwarzen Zimmer" unbemerkt beobachten und fotografieren. Und sie tun noch etwas anderes. Sobald sich Larry verabschiedet hat, betreten sie mit Chloroform den Raum und greifen sich die zurückgebliebene Frau, die sie danach an ein Gerät anschließen, welches ihr das Blut abzapft und in Jasons Kreislauf pumpt. Jason leidet nämlich an einer seltenen Blutkrankheit, und ohne regelmäßige Blutzufuhr würde er elendig zugrunde gehen.

Der Plot von The Black Room entfaltet sich langsam und über weite Strecken auch unspektakulär. Stattdessen legen die Macher viel Wert auf eine dichte Grundstimmung, die irgendwo zwischen mysteriös, beunruhigend, morbide und kinky oszilliert. Der Reiz des Verbotenen liegt über diesem vom Hauch des Verruchten umwehten Zimmer, wo sich die Bewohner ihren fleischlichen Gelüsten hingeben, ohne zu ahnen, daß dem Vergnügen bald der blanke Horror folgen wird und daß der Tod bereits wie ein Damoklesschwert über ihnen baumelt. Denn der Hausherr, Jason, giert nach ihrem Blut, und er hält sich nicht damit auf, um Erlaubnis zu fragen. Die ausgebluteten Körper enden in einer schmucklosen Holzkiste und werden ohne großes Tamtam im Garten vergraben. Bislang sind die verkorksten Geschwister mit ihrer Methode gut gefahren, und auch mit dem umtriebigen Larry läuft anfangs alles wie am Schnürchen, da er, ohne es zu ahnen, eine "Blutspenderin" nach der anderen zu ihnen führt. Erst als Robin hinter seine Machenschaften kommt und ihrerseits das Zimmer in Anspruch nimmt und Bridget Gefühle für Larry entwickelt, tun sich erste kleine Risse im Gefüge auf. Risse, die sich bald verbreitern und das ganze Gebäude zum Einsturz zu bringen drohen.

Gleich von Beginn weg, mit der elegant durch das Zimmer gleitenden Kamera, entwickelt The Black Room seinen ganz eigenen, oder besser: eigenwilligen Reiz. Und sobald die Figurenkonstellation etabliert ist, entsteht auch ein gewisser Drive, der sich zum Finale hin so sehr steigert, daß er sich kaum mehr stoppen läßt. Der Showdown, bei dem auch die blutjunge Linnea Quigley (The Return of the Living Dead) mitmischt, ist für meinen Geschmack etwas zu konstruiert (manche Kritiker erachten ihn auch als aufgesetzt und/oder enttäuschend), vermutlich mit dem Ziel, alles an Spannung und Dramatik rauszumelken, was irgend möglich ist. Dies sei verziehen, da die Strategie meines Erachtens aufgeht. Die letzten zehn Minuten sind immens packend inszeniert, die sind gleichermaßen spannend und beklemmend wie auch blutig und creepy. Ein alptraumhaftes Flair zieht sich durch das Finale, verstärkt durch den enervierenden, ungemein effektiven Score von James Ackley und Art Podell sowie der raffinierten und gekonnten Bildgestaltung von Robert Harmon. The Black Room ist ein kleines, matt schimmerndes Juwel, das sämtliche Spagate - etwa zwischen altmodisch und modern, zwischen Erotik und Sleaze, zwischen Arthouse-Drama und Horrorthriller - bravourös bewerkstelligt. Neben Near Dark der wohl beste Vampirfilm der 1980er-Jahre.

Details
Ähnliche Filme