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Ursprünglich bloß Summer Romance oder Summer Nights benannter Film, der ab Anfang Juni 1981 für etwa vier Monate in einem extra für den Film erbauten viktorianisch-edwardianischen Haus in Tarrytown, New York, auf einem Anwesen der Familie Rockefeller gedreht wurde. Obwohl normalerweise die Strategie bestand, Allens Film erst klein zu eröffnen und dann über die Mund-zu-Mundpropaganda den Bedarf und die Zahl der Kinos zu erweitern, startete Orion Pictures hier ein Jahr folgend (Juli '82) gleich mit etwas über 500 Kopien, eine damals hohe Zahl; Allen selber sah in dem Film eine Kreuzung aus Shakespeare und Tschechow, während die Kritiker auf Bergman und (Washington) Irving plädierten. Bekannt die Studios dahinter, eine lange Partnerschaft, ein Win-Win für beide Seiten, ein sich kennendes Team, Allen als Star hier auch, alphabetisch schon vor den anderen gesetzt, A als erster Buchstabe im Alpahabet, eine Logik, die sich hier nicht immer zwingend zeigt, es ist eine romantische und dramatische Komödie, noch von Gordon Willis blendend fotografiert:

1906 im Norden des Staates New York. Der angesehene Philosoph Professor Leopold Sturges [ José Ferrer ] und seine viel jüngere Verlobte Ariel Weymouth [ Mia Farrow ] verbringen ein Wochenende auf dem Land mit Leopolds Cousine Adrian [ Mary Steenburgen ] und ihrem verrückten Ehemann Andrew [ Woody Allen ], einem Erfinder. Ebenfalls auf der Gästeliste stehen der frauenheldische Arzt Dr. Maxwell Jordan [ Tony Roberts ] und seine neue Freundin, die freigeistige Krankenschwester Dulcy Ford [ Julie Hagerty ]. Im Laufe des Wochenendes flammen alte Lieben wieder auf, neue entwickeln sich, und schließlich schleichen sich alle hinter dem Rücken der anderen davon.

An Geister, Kobolde und Gespenster glaubt man hier nicht, ein metaphysisches Geschwätz zu Beginn, gesicherte Erfahrungen und unbeweisbaren Vermutungen, die letzten Augenblicke vor den Sommerferien, philosophisch wird hier mit Schwäche gleichgesetzt, mit Projektionen der eigenen inneren Unsicherheit, ein Lehrer und seine Schüler, ein Kosmos und die Plausibilität. Ein Treffen der Gelehrten hinterher, nach der Stunde in der Schule findet entspannter statt, gleichwertiger, keine Hierarchie, sondern ein Stelldichein, ein Beisammensein, eine flache und dennoch gehobene Struktur, alles im Einklang, alles im Sein. Glückwünsche werden ausgesprochen, zur Hochzeit, in zwei Tagen geplant, eine ländliche Heirat, Fortuna das Füllhorn des Glückes, viele Worte, viele Philosophen, ein Mann von Kultur, ein zivilisierter Mensch, ein Versuch zumindest, so zu leben, im strengen Anzug, gutsitzend gehalten, ein Paradestück der Kleidung: und nur etwas weiter.

Ein schöner Tag, der viel Traurigkeit hervorruft, wieso nur, ein Urlaub sollte es werden, eine Entspanntheit, ein Erfindertum; ein Träumerei; eine Zauberei auch; ein degeneriertes Verhalten. Versucht an der Lektüre des zukünftigen Bräutigams hat man sich, man ist bei beiden Exemplaren gescheitert, er hat es nicht verstanden, er hat es auch nicht weiter versucht, dafür wird hier viel geknutscht und fremdgegangen, zumindest in Worten, seltener in Bildern, es werden auch Doktoren in Augenschein genommen. Die Bilder sind meist hell, die Räume weiß, etwas Braun als Kontrast, Braun auch die Haarfarbe oder die des Bartes der Männer, Braun die Haarfarbe der Frauen, zuweilen werden die Bilder mit Absicht verschwommen aufgenommen, es werden verschiedene Leben unter Betracht genommen, auch das Sexleben, es wird um Entschuldigung gebeten dafür, es wird verkrampft und nicht entkrampft, ein Damoklesschwert, dass über dem Bett hängt seit einem Jahr schon, andere Männer haben dafür mehr Glück bei Frauen, ein großes Tohuwabohu, viel Unsinn gefragt und viel Tumult getrieben. Die Familien sind verzweigt, die Freundschaften und Bekanntschaften auch, all dies wird in einer angenehmen Kürze bereitgehaltene, nicht breit getrampelt und langgezogen, auf ein erträgliches und wunderbar passendes Maß an (auch intimer) Unterhaltung gewoben.

Viele Einstellungen sind länger gehalten, es wird nach Namen gefragt, diese lösen Katastrophen aus, man kennt die Neuankömmlinge bereits, ein magischer Ball, eine magische Kugel strahlt, die Ektoplasmen werden verschossen, die Landschaft genossen, ein Waldsee im Aufblühen, die Flora und die Fauna am Vibrieren, wunderschöne Aufnahmen einer ebensolchen Friedlichkeit und Annehmlichkeit, wie eine Tier- und Landschaftsdokumentation in aller Ungezwungenheit ist man zuweilen gehalten. Landungen werden hier auch veranstaltet, vom Himmel herab gefallen, eine Nostalgie gefrönt, kleine Spitzfindigkeiten gehalten, Figuren aus der griechischen Mythologie werden erwähnt, "Pflücke die Rose, bevor sie verblüht.", und "Heirat als der Tod der Hoffnung", es wird über Beziehungen geredet, über das Sexuelle in ihr, die Energie wird anderseits anderweitig ausgetobt, in die Erfindungen, in das Fliegen. Allen ist geistig hier oft abwesend, körperlich da, das fällt selbst seiner Frau auf, sie fragt nach, sie spürt die Schwingungen des Mannes, seine Abwesenheit, seine Melancholie, seine Altjüngferlichkeit, sein bester Freund hat 300 Präservative und die Krankenschwester auch selber welche dabei.

Farrow ist Allen schon mal begegnet, er kennt die Braut, deswegen die Reaktion, deswegen die Abwesenheit, die selbst seiner Frau aufgefallen ist, sechs Leute, drei Paare, der Doktor ist auch ein Buchautor, der Professor fand dessen Geschreibsel recht oberflächlich, hier schreiben alle, nur einer nicht; Allen hat aber das Drehbuch verfasst und mehrere Funktionen noch übernommen, es ist sein Film, sein Konstrukt, er stellt sich darstellerisch den anderen aber nicht in den Weg. War es eine Lüge, dass er die Frau nicht kennt, oder war es eine Notlüge, wollte man nicht noch mehr Misstrauen und Unwohlsein züchten? Viele Fragen, viele Antworten, viele Vergangenheiten, viel Gegenwart, nur die Zukunft wird nicht gezeigt. Eine Überempfindlichkeit der Personen findet hier statt, sie wird körperlich attestiert, in Ballsportarten umgewandelt, transformiert, im Badminton hinter dem Haus, Zwei gegen Zwei, die Männer unterschiedlichen, die Frauen durchaus gleichen Alters. Sattsehen kann man sich an dem Treiben der Menschen hier, viel in der Natur gewandelt, die Frauen kommen miteinander besser aus als im Gespann oder die Männer unter sich, trotz oftmaligen Versuchen; zumindest auf den Sommer als Pracht kann man sich einigen, ein halbes Dutzend Menschenkind, von früher oder erst vor kurzem zusammengebracht. Über das bereits Geschehene wird mehr gesprochen als über mögliches später, es wird analysiert, die Gelegenheit verpasst, der Einhundertste Mann wäre man gewesen, "Warum kauen wir das alles wieder durch?", es wird nach den Gründen für die Heirat gefragt, ob es an der Torschlusspanik liegt, über die verpassten Gelegenheiten, "Woran denkst du?", im Nachhinein kann man nichts ändern, im Nachhinein ist es zu spät. Zu Sechst wird manchmal durch den Wald gewandert, schließlich ist man auf dem Land, es kommt zu verbalen Zweideutigkeiten, es wird einander unter Augenschein genommen und nachgefragt, "Habt Ihr Erinnerungen ausgetauscht?", das Wochenende die reinste Katastrophe, zwei der Männer bald auf Kriegspfad, die Eifersüchteleien, die "Koryphäen unter den Quacksalbern", es wird sich selbst über Pilze gestritten, es werden Dinge mit dem Fernrohr beobachtet, die Neugier siegt.

Träume über das Verliebtsein werden hier geteilt, im Gespräch, über Begehren und die Triebe, es wird den anderen falsch eingeschätzt, über eine moderne Frau gehalten, über Männer gesprochen, es wird geschossen, mit Pfeil und Bogen, es werden Geheimnisse geteilt, die Lippen vor Erregungen zittern, es wird der Amor nachgeahmt, die Pärchen gewechselt, in verschiedenen Situationen, dazu die letzten Stunden der Freiheit, die Kapitel der Junggesellenzeit bald abgeschlossen. Eheschwüre sind heilig hier noch, alles davor ist relativ egal, wird die Gunst der Stunde zumindest von einigen genutzt, es wird darüber gesprochen alle naselang, eine Romanze angedeutet, jeder schleicht sich anders aus dem Haus und weg, es wurden Treffen ausgemacht und gelogen und betrogen, es wird geflogen und von der Rankenwand gestürzt. Der Mensch denkt nur an das Eine hier, das Sexuelle, das Liebe halten, die animalische Gier, es wird in die Nähe und die Entfernung, die Distanz gegangen, jeder auf seine Art und Weise, "Was für ein Zufall", mitgefangen, mitgehangen. Getreu dem Titel und dem Setting sind Peinlichkeiten und Amourösitäten, Gefühlsregungen, Herzensangelegenheiten definitiv nicht ausgeschlossen, mal wird unfreiwillig baden gegangen, oder an derselben Stellen auf einen zweiten Fremdgeher getroffen, derselbe Treffpunkt ausgemacht, eine männliche Einfallslosigkeit, der Wald hier viel in Augenschein genommen, der Schauplatz mit entscheidend, für den Reigen von Überraschung und Spontaneität, selbst die Ausreden sind dieselben, manchmal findet man auch Muße für schmerzliche Wahrheiten; "In Wahrheit weiß keiner Bescheid."







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