Review

Ich oute mich gleich vorweg als ausgemachter Ridley Scott-Fan und bin deshalb hinsichtlich seiner Filme nicht sonderlich objektiv. Scott hatte sein kleines Tief in den Neunzigern, denn der von den Kritikern als „Deadly Poets Society“ auf hoher See bezeichnete „White Squall“ erfuhr viel Negativpresse und schnitt auch nicht sonderlich gut an den Kinokassen ab. Daraus resultierte einerseits ein geringeres Budget (von den 50 Millionen für „G. I. Jane“ ging allein 11 Millionen für die Gage von Demi Moore drauf) für den nächsten Film und anderseits eine gewisse Hektik seitens Scott, der gleich im Folgejahr „G. I. Jane“ hinterher schob, um schnellstmöglich an alte Erfolge anzuknüpfen. Leider entpuppte sich der Film als noch schwächer, spielte in Amerika nicht mal seine Kosten ein und wurde von den Kritikern zerrissen. Drei Jahre später sollte Scott („Blade Runner“, „Kingdom of Heaven“), von der Schmach erholt, sich dann mit „Gladiator“ wieder eindrucksvoll zurückmelden.

Dabei ist ihm hier kaum etwas vorzuwerfen, denn die Inszenierung ist wie von dem Perfektionisten gewohnt, erstklassig – erinnert mitunter etwas an Michael Bays Hochglanzoptik. Das Manko ist das klischeehafte Drehbuch von Autor David Twohy, der ständig zwischen Genie („The Fugitive“) und Wahnsinn („The Chronicles of Riddick“) wankt und sich hier mal wieder tüchtig verzettelte.

Der immer noch nicht wegzuleugnende Sexismus bei der Armee und die damit verbundenen Karriereeinschränkungen für das weibliche Geschlecht sind beileibe kein uninteressanten Themen, werden hier nur leider völlig falsch angepackt.
Lieutnant Jordan O'Neil (Demi Moore, „Ghost“, „Striptease“) sieht sich mit ihrer stagnierenden Karriere konfrontiert und nimmt deshalb alsbald das Angebot der Senatorin Lillian DeHaven (Anne Bancroft, „7 Women“, „Garbo Talks“), eine Ausbildung bei den Navy SEALS zu absolvieren, an – quasi als Beweis, dass Frauen sich durchaus in einer Männerdomäne behaupten können.
Anstatt sich nun aber differenziert mit ihren dortigen Problemen und dem maskulin geprägten Militärapparat auseinander zusetzen (das geschieht zwar, aber nur oberflächlich), findet Twohy es viel interessanter DeHaven sie als Schachfigur in einem politischen Spiel einzusetzen. „G. I. Jane“ verliert sehr schnell sein Ziel aus den Augen, kann abseits dessen jedoch noch mit seiner Inszenierung punkten.

Demi Moore, die nach ihrer Rekordgage für „Striptease“ hier wieder einen ganzen Batzen Geld bekam, danach aber bis „Charlie’s Angels: Full Throttle“ in der Versenkung verschwand, macht sich als später Glatze rasierende, Amazone sichtlich gut und hat vorweg einiges an Muskeln antrainiert. Ausgestattet mit einem Dickschädel und gesundem Trotz kann ich mir ehrlich gesagt auch keine andere Frau in dieser Rolle vorstellen. Großartige Leistungen werden ihr nicht abverlangt, aber sie bringt ihren Charakter glaubwürdig rüber.

Den Großteil des Films macht natürlich das harte Training aus und so sehr das optisch auch einem Werbefilm fürs Militär ähnelt, hier ist Ridley Scott voll und ganz in seinem Element. Allein die ersten Tage am Strand mit ihrem lebendigen Hintergrund (niedrig fliegende Hubschrauber, Schiffe, etc) sind visuelle Schmankerl, die so kaum ein anderer Regisseur hinbekommt.

„G. I. Jane“ ist in erster Linie ein Popcornfilm und so ist der Drill, standesgemäß, gnadenlos, das Wetter beschissen, das Essen schlecht, die Ausbilder, allen voran Viggo Mortensen („The Lord of the Rings“, „Hidalgo“) als Master Chief John James Urgayle, gnadenlos und die durchweg männlichen Teilnehmer voller Vorurteile. Der aufkeimende Patriotismus ist dabei nicht zu übersehen, doch ich für meinen Teil bin der Meinung, dass Soldaten ein gesundes Maß an Vaterlandsliebe, um sich anzuspornen und zu motivieren, benötigen. Kommandierende Offiziere wissen das und heizen in ihren feurigen Reden so ihre Untergebenen an. Also kann man nicht jede promilitärische Aussage als dummen, primitiven, plakativen Patriotismus hinstellen. Freilich sind Sprüche wie „O’Neil, mit dir würde ich jederzeit in den Krieg ziehen“ dann trotzdem etwas zuviel des Guten.

Wirklich katastrophal, fast schon auf B-Movie-Niveau, sind die Dialoge, wenn sie um Bedeutung ringen. Insbesondere (nach der „Wie zieht man sich selbst aus dem Wasser“-Übung) die furchtbar peinlichen Aussagen des schwarzen, angehenden Seals zielen so was von offensichtlich auf die vom Film lauthals kritisierten Missstände, das es weh tut. Ein wenig mehr Feingefühl und Geschick hätte hier Wunder bewirken können. Gleiches gilt übrigens auch für das anfängliche Badewannengespräch.

Abseits dessen donnert Trevor Jones („Cliffhanger“, The Last of the Mohicans“) vortrefflicher Score zu immer wieder exquisit aussehenden Trainingseinheiten. O’Neil erkämpft sich natürlich den Respekt der Männer, sieht sich jedoch einer politischen Intrige (grenzdebile Begründung) ausgesetzt und soll letztlich während der finalen Prüfung gebrochen werden. Doch die Frau und ihr Wille ist längst nicht mehr klein zu kriegen und so kapitulieren sogar die Ausbilder („Sie ist nicht das Problem, wir sind es“) schließlich vor ihr.

Der finale Kampfeinsatz in Libyen (die einen abgestürzten mit waffenfähigem Plutonium bestückten U.S.-Satelliten bergende Ranger-Einheit muss gedeckt werden) wirkt dann wie ein Anhang, ist jedoch gleichzeitig ein Anlass, um inszenatorisch noch einmal in die Vollen zu gehen und mit der Handkamera einen technisch einwandfreien, explosionsträchtigen Kugelhagel nebst darauf folgenden Kampfhubschraubereinsatz zu zeigen.

Seinen Klassenziel verfehlt „G. I. Jane“, denn O’Neal wird nicht als Frau, sondern als Mann akzeptiert. Das wird spätestens während der letzten Ausbildung deutlich, denn das „Lutschen sie meinen Schwanz, Sir“ –Gebähren und ihr späteres Saufgelage mit den Kameraden will, trotz ihres Kleids, keine femininen Seiten zeigen.


Fazit:
Dank Ridley Scott ist „G. I. Jane“ inszenatorisch kein Vorwurf zu machen. In der Hinsicht ist der Film ein kurzweiliges, visuell wie akustisch ansprechendes Erlebnis, das keine Wünsche offen lässt. Leider beutelt das unwürdige Drehbuch den Streifen doch sichtlich und so bleibt „G. I. Jane“ deutlich unter Scotts Niveau. Als einer seiner Anhänger vergebe ich hier, weil ich dennoch gut unterhalten wurde, immer noch gute sieben Punkte.

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