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Aus dem Namen Disney ist eine Erfolgsmarke geworden, die nicht mehr für kindgerechte Märchen steht, sondern für hysterische Teenie-Filme, mit einem konstanten Story-Ablauf und all den üblichen Verdächtigen - Innovation findet sich auf diesem Gebiet kaum wieder. Dennoch unterscheiden sie sich ab und an qualitativ und drücken manchmal mehr, manchmal weniger auf die Moralpredigertube. Michael Lembeck, der Regisseur der letzten beiden 'Santa Clause'-Teile versuchte sich nun mit dem bekannten Gesicht von Ashley Tisdale aus einem Mix aus Selbstfindungsdrama und Musik-Film, das aus dem Genrebaukasten für die 'High School Musical'-Filme stammen könnte. Nicht ohne Grund wird es als Spin-Off angepriesen, auch der Name Sharpay blieb gleich, dennoch unterscheiden sich die beiden Werke inhaltlich enorm.


Sharpay ist ein arrogantes, egoistisches Zickchen, das den großen Sprung in New York am Broadway erreichen möchte. Der Weg dorthin ist selbstverständlich steinig und schwer, doch sie bekommt Hilfe von einem jungen Bekannten der Familie, der Filmstudent ist, und an einem Kurzfilm arbeitet, in dem Sharpay immer mehr die Hauptrolle einnimmt. Mit ihrem Hund Boy an der Seite schafft sie es dann auch irgendwann, die Hauptrolle des aktuell angesagten Musicals zu ergattern - Intrigen, viele Klischees und Kleinkriege inklusive. 
    Ashley Tisdale verkörpert in diesem Teenie-Film dass typische, verzogene Mädchen, welches anfangs Luxus und Hausmädchen als selbstverständlich ansieht und sich später dann zu einem "Normalbürger" entwickelt, dass auch die kleinen Geschenke des Alltags zu schätzen weiß. Dass solche Wandlungen in solch einer Art von Film schon eine Selbstverständlichkeit darstellt, ist zu akzeptieren, jedoch wird dieser Prozess häufig mit Ungereimtheiten und vielen Unwahrscheinlichkeiten in Gang gesetzt. Es ist pädagogisch absolut zu akzeptieren, dass der Film Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt preist, auch wird der obligatorische Spruch "Lebe deinen Traum, und glaub' an dich" hier mal einmal mehr als pädagogisches Siegel verwendet, dennoch verliert diese Masche nach mehreren tausend Filmchen dem gleichen Muster entsprechend an Reiz. 

Mädchen zwischen 10-14 Jahren werden sich an diesem Film sicher vorzüglich erfreuen, ist er doch so erschreckend pink gehalten - vor allem in der ersten Hälfte. Pinke Outfits, pinke Wohneinrichtung, pinkes Denken. Alles ist pink - da wird der Spruch "Think Pink" wohl etwas zu wörtlich genommen. Vermeintliche Rivalen werden später zu Freunden, der anzuhimmelnde Star entpuppt sich als arrogantes Arschloch, dass nur an sich denkt und seinen Fans keine Beachtung schenkt und selbst die handelsübliche Liebesgeschichte darf nicht fehlen, auch wenn sie hier erfreulicherweise ruhiger gehalten wurde. Natürlich kennt man das alles schon, und vieles wirkt auf Dauer ermüdend, da man jeden noch so kleinen Schritt sekundengenau vorhersagen kann - dass Ashley Tisdale am Ende dann auf der Bühne steht und ihren Text runterträllert, ist hier natürlich absolut selbstverständlich. Ein bisschen Originalität würde diesem Konzept aber durchaus gut tun; immerhin versucht es Michael Lembeck ein wenig, in dem er nicht zu sehr auf die Tränendrüse drückt und die triefende Moral erst ganz am Ende frei lässt. 
    Das Personal gibt sich den Umständen entsprechend solide, trotz der kindlichen Over-Actings der Erwachsenen, allen voran der hochnäsigen Amber Lee und dem Regisseur-Autor-Duo. Geheime Stars mögen nun für den ein oder anderen ganz klar die 2 Hunde sein, doch auch ist dieses Konzept schon mehr als ausgelutscht, und so niedlich waren sie nun auch wieder nicht. Es ist viel mehr etwas peinlich, nun eine Hunde-Liebesgeschichte zu basteln; die beiden Verliebten aus den Häusern der Rivalen, kennt man auch schon zu genüge. Den Vogel schießt in dieser Hinsicht jene Szene ab, in der die beiden Hunde zusammen durch die Stadt laufen und sich doch so sehr lieben - während im Hintergrund ein extrem schmalziges Lied spielt; zu erst dachte ich, es wäre jener 'Baby'-Song, den Teenie-Schwarm Justin Bieber von sich gibt, doch der Abspann hat glücklicherweise etwas anderes gelistet. Das wäre wirklich das Maximum an Kitsch gewesen.

Was ist an pädagogisch wertvollen Filmen denn so verkehrt? Im Grunde nichts, nur ist es wirklich nicht nötig, die Botschaft mit dem Vorschlaghammer tausendmal reinzuhauen, eine originelle Inszenierung und etwas Innovation wären wirklich nicht Fehl am Platz. Doch Disney-Produktionen sind nun mal schon seit Jahren so gestrickt, das wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch nicht ändern. 
   'Sharpays fabelhafte Welt' sollte wohl eher 'Sharpays pinke Welt' heißen, denn so viel Pink habe ich zuvor noch nie in einem Film gesehen. Nach den obligatorischen Zutaten eines Disney-Films hat Michael Lembecks Werk eigentlich nichts Falsches gemacht, doch genau hier liegt eben das Problem. Es bringt ja doch nichts, noch mehr Worte über dieses Werk zu verlieren, es ändert sich ja doch nichts. Es ist zum Glück nicht zu schmalzig und relativ schnell vorbei, auch wenn Ashley Tisdale einem ziemlich auf die Nerven gehen kann. Walt Disney würde sich im Grabe umdrehen, würde er erfahren, was aus seinem Namen gemacht wurde. 

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