Nach den recht originellen und unterhaltsamen Kurzfilmen vom neuseeländischen Regisseur Paul Campion sind die Erwartungen gegenüber seines ersten Langfilms entsprechend hoch.
Obgleich der Werbeslogan „Saw im Dritten Reich“ auf alles andere als den Inhalt zutrifft, klingt die Prämisse über einen Dämon in einem geheimen Nazibunker recht reizvoll, doch so richtig mitreißend gestaltet sich die Erzählung schließlich nicht.
D-Day am Abend des 6. Juni 1944, Channel Islands, Normandie: Captain Ben Grogan (Craig Hall) und sein Kamerad sollen deutsche Stellungen ausschalten und stolpern dabei über einen Bunker aus dem Schreie dringen. Ben geht jenen nach und wird durch den Nazi Klaus Meyer (Matthew Sunderland) mit okkulten Experimenten der SS konfrontiert. Ein Dämon, Gestaltwandler und Menschenfresser, versucht in Gestalt von Bens verstorbener Frau Helena (Gina Varela) Zwietracht zu säen und die beiden Männer für seine Zwecke zu manipulieren…
Leider ist die Story auf ein zweieinhalb Personen-Stück minimiert, was letztlich am ehesten dem Grundton eines morbiden Kammerspiels entspricht, zumal die Handlung fast ausschließlich in den düsteren Gängen des Bunkers spielt.
Dadurch ist die Action recht limitiert und auch der Kern der Geschichte fokussiert das Spiel um Vertrauen, Argwohn und Entschlossenheit auf zwei Personen, die eigentlich als tödliche Feinde aufeinander treffen und sich anschließend gewissermaßen zusammenraufen, um dem Dämon entgegen zu wirken, wobei die Vertrauensbasis ein recht dünnes Brett ist.
Zwar sind die Figurenentwicklungen einigermaßen interessant zu verfolgen, doch der Plot ist zu simpel gestrickt und verfügt nicht über die nötige Finesse, um Hochspannung entstehen zu lassen. Etwaige Twists bleiben weitgehend aus und nachdem die Kombination zwischen dem Dritten Reich und der Hang zum Okkulten mittlerweile reichlich abgenutzt erscheint, kann auch diesem Aspekt nichts Neues hinzugewonnen werden.
Einzig auf darstellerischer Seite vermag vor allem die starke Performance von Matthew Sunderland zu überzeugen, der mit viel Inbrunst und einer düsteren Aura eine recht ambivalente Figur bekleidet. Jedoch auch Craig Hall performt solide und zeigt vor allem im Zusammenspiel mit der okay agierenden Gina Varela glaubhafte Nuancen.
Splatterfans kommen indes kaum auf ihre Kosten, denn die Entnahme eines Gehirns und die Nahaufnahme während der Entfernung eines Geschosses dürften wohl in einer FSK16 fehlen.
Darüber hinaus bleiben eher harmlose, wenn auch ordentlich gestaltete Effekte wie eine Enthauptung, ein paar verstümmelte Körper und das abgetrennte Unterbein einer Leiche.
Der Dämon (sofern er sich in seiner wahren, doch sehr an den Teufel erinnernden Gestalt offenbart) wurde hingegen etwas lieblos und wenig Furcht einflössend gestaltet, - diesbezüglich wäre eine Helena mit zuweilen leicht dämonischen Zügen wahrscheinlich effektiver und weniger plump gewesen.
Am Ende ist die Idee eines Dämons in einem geheimen Nazibunker gewiss keine schlechte, doch die Umsetzung ist zu schlicht und überraschungsfrei ausgefallen, um dauerhaft für Suspense zu sorgen. Auch atmosphärisch bietet der Streifen zu wenig Material, denn die Stimmung ist zwar latent bedrückend, jedoch vermag sie einen nicht in ihren Bann zu ziehen, was für eine Konstellation dieser minimalistischen Form eigentlich eine Grundvoraussetzung ist. Auf darstellerischer Ebene wird noch ein wenig gerettet und auch kleine Spannungseinlagen während des halbwegs passabel inszenierten Showdowns können überzeugen, doch das langt beileibe nicht für eine Empfehlung für den geneigten Horrorfan.
Knapp
5 von 10