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Auf einer völlig überschwemmten Erde der Zukunft können nur diejenigen Menschen überleben, die sich dem nassen Element so gut wie möglich angepasst haben - wie beispielsweise der Mariner (Kevin Costner), der als Mutant bereits Kiemen entwickelt hat und anders als die meisten seiner Zeitgenossen nicht an ein mehr oder weniger winziges Boot gebunden ist. Auf seinem Trimaran kreuzt er durch die See, ernährt sich von Fisch und pflegt wie die meisten anderen auch, regen Tauschhandel mit anderen Seefahrern. Eines Tages gerät er in die Auseinandersetzung zwischen den Bewohnern eines größeren Atolls und einer Piratenbande, infolge derer er eine Mutter mit Kind aufnehmen muß, was sein bisheriges Leben ziemlich durcheinander bringt...

Eine Endzeitvision der feuchten Art drehte Costner ("Der mit dem Wolf tanzt") Mitte der Neunziger Jahre - Waterworld, der bis dahin mit kolportierten 175 Mio. Dollar teuerste Film der Geschichte konnte den hochgesteckten Erwartungen allerdings nicht entsprechen und floppte an den Kinokassen. Dabei ist dieses Sci-Fi-Spektakel im Fahrwasser anderer Dystopien wie beispielsweise dem 10 Jahre zuvor entstandenen Mad Max III eigentlich unter guten Voraussetzungen entstanden - erst nachträgliche Bearbeitungen und ein vollkommen anderer Schnitt als der vom Regisseur vorgesehene - beides von Kostner initiiert und durchgedrückt - verteuerten den Film erheblich. Wer der Ansicht ist, daß Costner ein eher arroganter Selbstdarsteller ist, wird sich nach Waterworld vermutlich in diesem Urteil bestätigt sehen - zu dominant, zu selbstherrlich beherrscht Costner jede Szene, zu martialisch und egoistisch tritt er über eine Stunde lang in Aktion. Seine Mit- wie auch Gegenspieler bekommen kaum Gelegenheit, sich - wie auch immer - zu profilieren, stets bestimmt der Fisch-Mutant die Richtung, fast nie unterliegt er einem Irrtum und da er noch dazu staubtrocken-humorlos auftritt, entwickelt der Zuschauer auch in keinster Weise irgendeine Sympathie für ihn. Costner, damals auf dem Höhepunkt seiner Popularität, hatte nicht nur am Drehbuch mitgeschrieben, sondern nach Drehende auch seinen langjährigen Freund und Regisseur Kevin Reynolds rausgeschmissen um die endgültige Kinofassung selbst vornehmmen zu können.

Waterworld bietet einerseits geradezu traumhafte Kulissen einer überfluteten Erde, an denen man sich gar nicht sattsehen kann, auf der anderen Seite eben den allen überlegenen und fehlerlosen Mariner, der den ganzen Film dominiert - dazu kommen dann auch einige Logiklöcher, die einem mit zunehmender Dauer immer mehr auffallen. Zu den nie erklärten Dingen gehört die Frage, wieso, wann und warum die Erde eigentlich überflutet wurde und weshalb dagegen nichts unternommen wurde - man sieht im Film einmal eine versunkene Stadt, natürlich eine amerikanische, das ist aber alles. Wie lange die Erde schon überflutet ist und ob z.B. ein Mutant wie der Mariner mit seinen Schwimmhäuten eine Evolution der Natur darstellt (die normalerweise Jahrtausende braucht) wird ebensowenig angeschnitten wie der Umstand, wie sich die Menschen mittlerweile ernähren. Dass sie sich ernähren, sieht man ihnen an (verhungert sieht keiner der Darsteller aus), aber wovon sie leben, nachdem sie ja Rind, Schwein und überhaupt alle tierische Nahrung (außer Fisch) entbehren müssen, das beantwortet Waterworld nicht. Stattdessen scheinen alle einer Art Ersatzreligion namens "dryland" zu huldigen, was einem sagenumwobenen Festland mit trockener Erde entspricht, eine seligmachende Hoffnung, die sich alle Protagonisten des Films zu eigen gemacht haben. Eine Karte dieses trockenen Himmelreichs hat die kleine Enola auf den Rücken tätowiert bekommen - womit sie zur begehrten Beute aller Parteien auf dem Meer wird. Wieso gerade einem vielleicht 10jährigen Kind eine Karte in die Haut gestochen wird, und weshalb Erwachsene an die Authentizität einer solchen Tätowierung glauben, das beantwortet Waterworld - wie so viele andere Fragen - natürlich nicht bzw. erst ganz zum Schluß, als die Lösung ohnehin offensichtlich ist.

Allzuwenig Spielraum haben wie erwähnt auch die anderen Darsteller: Jeanne Tripplehorn als Helen darf mit ihrer jungen Tocher Enola (Tina Majorino) den Mariner begleiten, nachdem sie ihn vom belagerten Atoll gerettet haben. Dessen Bewohner hatten ihn zuvor in einen Käfig gesteckt, was in der von Costner (mit-)geschriebenen Drehbuchlogik natürlich bedeutet, daß sie stante pede von den Piraten besiegt werden, während Costner mit vollen Segeln die Flucht gelingt. Eher mürrisch reagiert er dann auf seine neuen Badegäste - Helen läßt sehr schnell und ungezwungen alle Hüllen fallen, aber Costner verschmäht sie. Diese arrogant wirkende Tatsache wird noch verstärkt, als ein anderer Seefahrer, der gerne tauschen will, als Tauschobjekt eine halbe Stunde mit Helen vorschlägt und seine Wollust kaum verbergen kann - ein gut dargestellter Kauz übrigens, wie es sie im Film noch das eine oder andere Mal gibt, sie alle haben aber viel zu wenig Screentime, um auch nur eine Spur von Diversität zu hinterlassen - alle werden sie vom dominanten Costner niedergemacht oder zumindest verscheucht. Die einzige, gerade kontrapunktische Ausnahme stellt Piratenkapitän Deacon (Dennis Hopper) dar, der sich in zynischen Bemerkungen ergeht und zumindest über sich selbst lachen kann - eine Eigenschaft, die man bei Costner den ganzen Film über, ach was, sein ganzes filmisches Schaffen lang, vermisst. Selbstredend, daß Costners Gegenspieler Deacon auch untergeht.

Insgesamt kann mich Waterworld daher nicht überzeugen: Großartigen, bildgewaltigen Wasserwelten steht ein genauso unfehlbarer wie unsympathischer Superheld gegenüber in einer Story, die wenig Spannung verspricht und am Ende immer weiter verflacht: 5 Punkte, und die hauptsächlich für die Schauwerte des Films.

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