Weil während der Dreharbeiten das Budget von „Waterworld“, aufgrund von zerstörerischen Unwettern, in ungeahnte Höhen (mit 170 Millionen Dollar bis „Titanic“ der teuerste Film aller Zeiten) stieß, Kevin Costner („The Postman“, „Open Range“) sich mit Regisseur Kevin Reynolds („Robin Hood: Prince of Thieves“, „One Eight Seven“) zerstritt, das Drehbuch noch am Set zig mal umgeschrieben werden musste und die Costner-Kritiker sich schon im Vorfeld die Hände rieben, war der Megaflop vorprogrammiert. Mit dem Irrglauben leben heute noch viele Zuschauer, Fakt ist aber, dass der Film dank der internationalen Auswertung noch einiges an Gewinn abwarf.
Mit „Waterworld“ wollte Kevin Costner einen weiteren großen Wurf landen. Obwohl ihm kein episches Endzeitepos gelang, kann man die Kurzweiligkeit dieses Szenarios kaum abstreiten. Die Polkappen sind irgendwann geschmolzen, die ganze Welt ist von Wasser überflutet – wie nach der biblischen Sintflut. Die Menschen leben auf künstlichen Atollen, umherziehende Piraten wie die Smoker, machen ihnen das Leben schwer. In dieser Welt versucht der Mariner (Costner), sich von anderen Menschen möglichst fern haltend, zu überleben.
Mit der sich entwickelnden Story um ein Mädchen, dass eine Karte zum sagenumwobenen Dryland, dem letzten Flecken Land auf der Erde, auf ihren Rücken tätowiert hat, ist kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Hintergrundinformationen (Warum gibt es Mutanten?) fehlen und warum die Smoker nun unbedingt nach Dryland wollen, bleibt auch unklar. Das Skript beinhaltet weder eine halbwegs spannende Story, noch versucht es die Endzeitthematik einigermaßen plausibel (Woher das Material für die Atolle, wenn die Erde seit der Sintflut nur von Wasser bedeckt ist?) zu gestalten.
Was man dem Film trotzdem nicht absprechen kann, ist sein Unterhaltungswert und die damit verbundene ansprechende Optik. Die dreckigen Sets sehen durchweg natürlich aus und geben dem Film einen comichaften Flair. Dazu trägt natürlich auch der overactende, polternde Dennis Hopper („Speed“, „The Osterman-Weekend“) als einäugiger Oberbösewicht Deacon bei. Costner selbst gibt hier, einmal mehr, einen wortkargen Antihelden, der nur widerwillig dem kleinen Mädchen Enola (Tina Majorino, „Corrina, Corrina“, „André“) und ihrer Ziehmutter Helen (Jeanne Tripplehorn, „Basic Instinct“, „The Firm“) Unterschlupf gewährt.
Es sind überwiegend die Schauwerte, die „Waterworld“ während dieser vorhersehbaren Odyssee vor dem Mittelmaß bewahren. Die Kamera fängt das weite Meer in wunderschönen Motiven ein, während die Action sind auf einem Niveau präsentiert, dass auch 10 Jahre später noch beeindrucken kann. Die Auseinandersetzungen mit den Smokern sind von einer Vielzahl Stunts und beeindruckender Pyrotechnik geprägt. Insbesondere der Angriff auf das Atoll und das spätere Finale auf der Exxon Valdez (immerhin nette Anspielung!) ist von der Inszenierung Oscar-reif. Da fallen die dezent eingesetzten, inzwischen antiquierten, CGI-Tricksereien schon gar nicht mehr so ins Gewicht.
Damit es zwischendurch nicht ganz so langweilig wird, haben sich die Drehbuchautoren Rader und Twohy (Ja, genau der „Pitch Black“ – Regisseur) auch ein wenig Gedanken um die Lebensweisen und die Auswirkungen dieser für den menschlichen Körper ungewohnten Situation gemacht. Der ominöse Aqua-Destillationsapparat wird zum Beispiel nicht weiter erklärt, während die Gemeinschaften wohl mit der Veränderung ihrer Gene (Der Körper passt sich den Gegebenheiten an) zu kämpfen haben und materiell am Ende zu sein scheinen.
Sicher, „Waterworld“ hat so seine Fehler. Der Humor funktioniert leider zu selten und ist manchmal etwas unpassend eingewoben (Stichwort: Haare) und die kleine Enola ist nicht sonderlich gut gespielt und nervt dazu noch ein ums andere mal. Den Ausgang der Geschichte kann man schnell erahnen und das Finale ist, trotz der optischen und technischen Brillanz, zu fad, weil man nie das Gefühl hat, Costner würde die Sache nicht irgendwie geregelt bekommen. Dennoch wird „Waterworld“ nie zu der Obergurke, zu der ihn diverse Kritiker schon früh abgestempelt haben.
Fazit:
„Waterworld“ ist ein ordentlicher Endzeitstreifen, der, neben der sonst so angesagten Wüste, ein erfrischend anderes Szenario zu bieten hat. Man merkt dem Film seine Produktionsschwierigkeiten kaum an, obwohl das Skript, aufgrund der zerstörten Kulissen, wohl einiges an Federn lassen musste. Trotz fehlender Spannung und einem nicht gerade innovativen Plot, bleibt, dank der schicken Fotographie und den imposanten Actioneinlagen, ein unterhaltsamer Popcornstreifen.