Um einen Film wie "Winx Club 3D - Das magische Abenteuer" einzuordnen, möchte ich eine kurze private Geschichte voran stellen. In meiner Jugend hatte ich einen Freund, der im Alter von 14 Jahren allem Militärischen frönte - er sammelte kleine Soldaten-Figuren, bastelte Panzer und las die damals regelmäßig erscheinende Zeitschrift "Das III.Reich". Doch als er wenige Jahre später das Abitur machte, verweigerte er den Militärdienst, was in den frühen 80er Jahren wenig populär war und zudem ein hohes Engagement erforderte. Warum ich diese wenig aufregende Story an den Anfang stelle? - Weil ich glauben möchte, dass der Film über die "Winx"-Feen einen ähnlich geringen Einfluss auf seine Zielgruppe der etwa 8-14jährigen Mädchen hat. Und letztlich für nicht anderes steht, als das, was fast Jeder in einer bestimmten Phase schon einmal erlebt hat - eine Begeisterung für eine Sache, von der man später nicht mehr genau sagen, wie sie zustande kam.
Betrachtet man den Animationsfilm einmal ohne die emotionale Brille, bleiben nur wenig positive Kriterien übrig. Die Story ist ein Mischmasch aus bekannten Fantasy und Abenteuer-Elementen, ohne Anspruch auf Originalität. Die Figuren, unabhängig davon, ob alt oder jung, männlich oder weiblich, haben alle die gleichen, bewegungslosen, glatten Gesichter, weshalb sie sich vor allem durch das Outfit und die Haarfarbe unterscheiden. Die weiblichen Figuren verfügen alle über die identische Physiognomie - lange, nackte Beine, riesige mandelförmige Augen, dezente kleine Brüste - und haben selbstverständlich sehr lange, aufwendig gebundene Haare. Die männlichen Figur sehen sich ebenfalls alle zum Verwechseln ähnlich und haben mittellanges Haar. Den Vaterfiguren wurde zudem ein Bart auf ihre glatten Gesichter gemalt, der sie älter machen soll. Sie alle vereint eine kunterbunte Bonbon-Farbgebung, die auch den grellsten Beispielen der 80er Jahre problemlos Konkurrenz gemacht hätte und gegen die die 70er Jahre mit ihren Orange- und Braun-Tönen künstlerisch hochwertig wirken. Es bedarf schon ein erhebliches Insiderwissen, um sie alle bei dem hohen Tempo des Films immer auseinander zu halten, was aber die Identifikation für einen Sammler der Figuren und Hefte eher stärken wird.
Die oberflächliche, eingängig unauffällige Pop-Musik, die im Hintergrund gespielt wird, verfolgt letztlich das gleiche Kriterium - zu begleiten, aber möglichst nicht zu polarisieren, denn der Film bleibt von Anfang bis Ende immer eindeutig in seiner Zuordnung von positiv zu negativ und vermeidet jeden Diskussionsansatz. Aus einer objektiven Sicht wirkt die Optik der drei bösen Ur-Hexen individueller, besser wieder erkennbar, auch weiblich prägnanter, aber Individualität oder gar eine Erotik über jungfräulich verspielte Aspekte hinaus, sind hier eben eindeutig negativ besetzte Aspekte. Immerhin besitzen die Feen des "Winx"-Clubs auch Zauberfähigkeiten, mit denen sie sich wehren können, doch auch diese werden ihnen im "Winx Club 3D" größtenteils genommen. Wie ganz normale junge Frauen erleben sie deshalb zum ersten Mal die Freuden echter körperlicher Hausarbeit, während die Männer (alle Mädchen haben einen festen Freund) ihre kriegerischen Fähigkeiten einsetzen dürfen, um ihnen gegen die Hexen zu helfen.
Diese animierte Welt, die zum ersten Mal von einem italienischen Team in 3D hergestellt wurde, ist noch in Ordnung - die Mädchen sind alle sehr hübsch, sexuell zurückhaltend, und kümmern sich um Frauensachen - Lieblingsbeschäftigung "Shoppen" - die Männer können zwar nicht zaubern, dafür aber kämpfen, sind in einer unmännlichen Form attraktiv und behalten das Heft des Handelns in der Hand.
Egal wie viele sachliche oder ideologische Argumente noch hervor gebracht werden - es wird nichts daran ändern, dass diese Kreation funktioniert und die angestrebte Zielgruppe begeistert. Es sind gerade diese Extreme - das unverblümt konservative Weltbild, die unterdrückte Sexualität und der rigorose Materialismus - die den Erfolg ausmachen, denn "Winx-Club 3D" kann man viele Vorwürfe machen, nur nicht den der mangelnden Eindeutigkeit. So bleibt letztlich nur der Wunsch, dass auch diese Phase unbeschadet an den Fans vorüber zieht (1/10).