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Als Disney 2003 Johnny Depp, als taumelnden Piraten Jack Sparrow, die Segel hissen ließ, konnte keiner ahnen, was daraus werden sollte: Eines der erfolgreichsten Franchise aller Zeiten. Schon Teil 1 spielte viele Multimillionen Dollar in die Kassen und Teil 2 schaffte es sogar die kaum zu erreichende Milliarden-Marke zu überqueren. DVDs und Blu-rays verkaufen sich wie warme Semmeln und nahezu jeder hatte seinen Spaß an Captain Jack, auch wenn die Qualität der Drehbücher schon nach dem ersten Film sichtlich nachließ. Logisch also, dass man es nicht bei der Originaltrilogie belassen würde, sondern einige Jahre später den guten Johnny wieder in See stechen lässt. Mit nur wenigen altbekannten Gesichtern und einigem frischen Blut, ist dabei erneut ein unterhaltsames Unterfangen rausgekommen, welches aber wiederum weit hinter dem Original zurückbleibt.

Dafür ist erneut hauptsächlich die Story schuld, welche zwar mit einigen neuen Ideen daherkommt, wirkliche Innovationen aber vermissen lässt. Der gute Jack macht sich nun also dieses mal auf die Suche nach der Quelle ewiger Jugend und trifft dabei auf den gefürchteten Blackbeard, welcher Jack gefangen nimmt und mit ihm besagte Quelle ausfindig machen will. Auf der anderen Seite ist Jacks alter Widersacher Barbossa ebenfalls auf der Suche danach und irgendwann kreuzen sich die Wege. Und als wäre das nicht schon genug, taucht auch noch eine alte Flamme von Jack auf, welche die Sache noch turbulenter werden lässt. Und schon ist man als Zuschauer wieder mittendrin, im Piratenabenteuer...

Viel Neues zu entdecken gibt es dabei nicht. Zwar sind neue Figuren vorhanden, doch letztendlich wirken sie eher wie Kopien der ausgeschiedenen. So ist die Ähnlichkeit zwischen Jacks Verflossener Angelica und der jungen Elizabeth Swann aus den alten Filmen nicht zu übersehen, genauso wie die Ähnlichkeit zwischen dem früheren Charakter Will Turner und dem jungen Geistlichen Philip, welcher hier, im Laufe des Films, zum Jüngling avanciert, der in seiner ganzen Verhaltensweise kaum anders ist, als Will. Auch die Story um Blackbeard und die Suche nach der Quelle der Jugend wirkt modrich und nur punktuell ausgefüllt mit neuen Ideen. Kurzum, von der Story sollte man, alles in allem, nur wenig Brauchbares erwarten.

Dafür überzeugt aber einmal mehr der Witz und die Inszenierung des Ganzen. Die Figur des Jack Sparrow hat auch beim vierten Mal nichts von ihrem Charme und ihrem Witz verloren und überzeugt nicht nur mit flotten Sprüchen, sondern einmal durch seine ganze Mimik und Gestik. Schon die Anfangszene, in der Jack einen auf Richter macht, ist äußerst spaßig ausgefallen und im Verlaufe des Films geht davon kaum etwas flöten. Barbossa ist mit seinem Holzbein auch für nicht wenige Brüller gut und selbst dem ollen Blackbeard kann man so einige komische Seiten abringen. Für ordentlichen Spaß ist jedenfalls gesorgt.

Zudem ist, wie schon angesprochen, auch die Inszenierung an sich wieder fabelhaft. Die Actionszenen wirken satt und sauber eingefangen und auch sonst gibt es hinsichtlich Tempo und Dynamik kaum etwas zu kritisieren. Dazu spielt sich das ganze Unterfangen einmal mehr vor prächtiger Kulisse ab. Allzu düster wird es allerdings nicht, eher lehnt sich der Streifen in seiner Farb- und Ausleuchtungswahl an das Original an, als an die doch recht düster gehaltenen Vorgänger. Zudem sollte man dieses mal auch kein allzu dickes SFX-Paket erwarten. Special Effects gibt es zwar auch hier zu genüge, doch die dicken Masken- und Effektebrocken des direkten Vorgängers sind dieses mal jedoch nicht erwarten, werden aber, meines Erachtens, auch nicht gebraucht. Gut aussehen tut das Ganze dennoch allemal.

Die musikalische Untermalung jedoch muss kritisiert werden. Und damit meine ich nicht, dass sich das Ganze nicht stimmig anhört. Hans Zimmer hat das Ganze auch hier wieder mit den bekannten Klängen untermalt, die man schon in den Vorgängern gerne hatte. Jedoch liegt genau hier auch der Kritikpunkt. Denn seit Teil eins hat sich der Score quasi nicht geändert. Irgendwie sind die Klänge immer wieder die Gleichen. Für das Titel-Theme mag das in Ordnung sein, doch bei der Untermalung einzelner Szenen hätte es zumindest bei diesem Relaunch auch mal wieder etwas Neues geben dürfen.

Dafür überzeugen aber die Darsteller. Allen voran natürlich Johnny Depp, der seinen Piraten immer noch perfekt drauf hat. Er ist jedenfalls das wohl größte Argument dafür, warum der Film auch dieses mal wieder funktioniert. Sein Spiel ist immer noch einfallsreich, voller Spielfreude und in seinen besten Momenten einfach absolut umwerfend. Er hat absolut nichts verlernt und fügt seiner Figur immer wieder noch ein paar Neuerungen zu, die den Drehbuchschreibern selbst wohl nie eingefallen wären. Dazu gesellt sich einmal mehr ein überzeugender Geoffrey Rush, welcher als Barbossa ebenfalls wieder großartig ist. Neu hinzu kommen Penélope Cruz und Ian McShane, die das Fehlen von Knightley und Bloom erträglich machen.

Fazit: Johnny Depp ist wieder als Jack Sparrow unterwegs und schafft es auch den vierten Teil, der überdimensionalen Geldmaschine "Pirates of the Caribbean", zu einem akzeptablen Spaß zu machen. Auch wenn die Story erneut nicht viel hergibt, so ist die Figur des Jack Sparrow einfach zu schön um ungeachtet zu bleiben und die Inszenierung des Ganzen genauso ansehnlich, wie die hinreißende Mrs. Cruz. Für Kurzweil ist jedenfalls gesorgt, wenngleich der Charme des Originalfilms wohl für immer unerreicht bleiben dürfte.

Wertung: 6,5+/10 Punkte

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