Bis zu umgerechnet 7.500 Euro muss jemand bezahlen, der in Großbritannien bei einer Hetzjagd auf Füchse erwischt wird und das natürlich völlig zu Recht. Im Februar 2005 wurde das Gesetz endlich verabschiedet, welches für passionierte Jäger dennoch einige Schlupflöcher bietet, zumal die Polizei nicht in jedem einsamen Landstrich präsent sein kann.
Regisseur Edward Boase hat für seinen ersten Langfilm eine ansprechende Prämisse gefunden, nur hat er eine etwas unglückliche Umsetzung gewählt, um Genrefans effektiv anzusprechen.
Obgleich das Gesetz seit 2005 durch ist, melden sich auch Befürworter der traditionellen Fuchsjagd zu Wort, wie Lucas Bell. Als er und vier Freunde in den einsamen schottischen Bergen der Isle of Mull Rotwild jagen wollen, erwachen sie eines Morgens fast nackt und ohne Erinnerung in der einsamen Gegend verstreut. Kurz darauf stehen sie selbst im Visier von vermummten Jägern…
Schnell könnte man auf einen Survival-Thriller in den schottischen Highlands schließen, doch dem ist eher nicht so. Zwar werden die fünf auch ein wenig gehetzt, doch allzu viel Suspense begleiten die Jagden nicht. Das liegt primär an dem Pseudo-Dokumentarstil, der in regelmäßigen Abständen Interviewfetzen der fünf einbindet, wodurch von vornherein klar ist, wie es um die Überlebenschancen stehen dürfte. Auch nehmen diese zuweilen ein wenig Drive aus dem Geschehen, besonders wenn es gerade einmal spannend wird, muss wieder ein Zeitzeuge diesen Moment aus nachhaltiger Sicht beschreiben, was in vielen Momenten kontraproduktiv ist.
Toll sind demgegenüber einige Kamerafahrten gelungen, welche die wunderbar rauen Landschaften stimmungsvoll einfangen und die Einsamkeit, in der sich die fünf Gejagten befinden adäquat untermauern. Mit den vermeintlichen Opfern ist das hingegen so eine Sache, denn Befürworter des unnötigen Erlegens von Tieren punkten als Sympathieträger nur schwerlich und erst als die radikalen Tierschützer zu drastischeren Maßnahmen greifen, um eine abgelesene Message vor eingeschaltetem Camcorder zu erhalten, schwanken die Sympathiebekundungen ein wenig.
Obgleich die typischen Elemente eines Thrillers zuweilen ein wenig vernachlässigt werden, bringt es der nachdenklich stimmende Stoff fertig, Interesse zu erwecken. Es werden eine Menge ethischer Fragen aufgestellt und hinterlassen, welche im Nachhinein für einigen Zündstoff bezüglich des Jagdthemas gesorgt haben, womit ein Teil des Zieles ja bereits erreicht ist. Seitens der Tierschützer könnte man allenfalls kritisieren, dass die vermeintlichen Opfer etwas zu heldenhaft und emotional in Szene gesetzt werden und dass das Ausnehmen eines Rotwildes nicht unbedingt für die Handlung notwendig war, - höchstens, um die Antipathie gegenüber den Jägern zu schüren.
Im Endeffekt ist der Streifen, trotz etwas unglücklicher Umsetzung und nicht allzu vielen Spannungsmomenten unterhaltsam ausgefallen, was primär am Kernthema liegt, jedoch auch von der sauberen Kamera, der latent ansprechenden Atmosphäre und den durchweg passablen Mimen getragen wird.
Freunde von knallharten Survival-Filmen sollten hingegen etwas vorsichtiger sein, da die Action eher spärlich ausfällt und nicht allzu viel Blut fließt. Wen die Thematik der Jagd und der entsprechenden Gesetze jedoch anspricht, könnte einen vorsichtigen Blick riskieren.
6 von 10