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Über Umwege gerät der namenlose Tramp an ein Neugeborenes, welches von seiner Mutter zurückgelassen wurde. Sich mit der Situation arrangierend nimmt er es bei sich auf und zieht den Jungen groß. Fünf Jahre später sind die beiden ein Team, das sich durchs Leben schlägt. Doch in Charlie Chaplins erstem Langfilm bleibt es nicht bei dieser Harmonie, aus der „The Kid“ viel von seinem Charme bezieht. 

Die Beziehung zwischen dem Ersatzvater und dem Jungen bildet das Fundament dieser Stummfilmkomödie, die auch mal einen rührenden Moment liefert. Trotz des ärmlichen Umfelds überwiegt hier das Positive, was Chaplin, der für Hauptrolle, Regie, Produktion, Schnitt und Musik verantwortlich zeichnet, mit einem Glauben an das Gute aufrechterhält. Der Humor ist dabei meist physischer Natur, ein Slapstick-Festival ist „The Kid“ aber nicht. Zum Glück, denn trotz der fehlenden Sprache ist das Werk aufgrund seiner Inszenierung und Regie dramaturgisch aussagekräftig und stark genug, sodass mehr Klamauk eventuell mehr Schaden als Unterhaltung gebracht hätte.

Der ursprünglich fast siebzig Minuten lange Spielfilm wurde Anfang der siebziger Jahre von Chaplin selbst nochmals überarbeitet, gekürzt und mit einer neuen Musik ausgestattet. Diese etwas über fünfzig Minuten lange Fassung funktioniert für sich betrachtet sehr gut, legt den Fokus weiter auf die Beziehung des Duos und besitzt einen ansprechenden Fluss. Erwähnt werden sollte noch Jackie Coogan als titelgebendes Kind, der eine sehenswerte Leistung abliefert und neben Chaplin besteht. 

„Alone.“

Mit seinem Langfilmdebüt landet Charlie Chaplin gleich einen Treffer, verbindet etwas Drama mit manchem Witz und Slapstick, übertreibt es aber in den humorigen Kategorien nicht. Die Balance ist eine der Stärken des Films, der nie seinen emotionalen Kern opfert. Ist auch nicht alles gelungen (Traumsequenz), so ist „The Kid“ dennoch ein sehenswertes Werk mit gelungener Regie und auch Sozialkritik. Sentimental, witzig und unterhaltsam. 

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