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Amokläufer sind in der heutigen Zeit leider ein unangenehmes aktuelles Thema. Parallel zu Terrororganisationen muss man sich quasi auch vor dem eigenartigen Nachbarsjungen in acht nehmen. Verfilmungen in diesem Bereich sind mitlerweile dank ELEPHANT, POLYTECHNIQUE oder auch RAMPAGE keine Seltenheit mehr. Man befasst sich mit den kranken Gedanken des mordenden Psychopathen. Aber wer weiß eigentlich wie es in den Eltern aussieht? Wie fühlt sich ein Erziehungsmitglied, wenn dessen Nachwuchs durchdreht und falsch nicht mehr von richtig unterscheiden kann? Damit befasst sich WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN.

Es wird gezeigt, wie das Leben einer Mutter weitergeht wenn der Sohn in seiner Schule einen Amoklauf veranstaltet hat. Besuche im Gefängnis, Konfrontationen mit Eltern der ermordeten Teenager oder einfach nur der Hass der Nachbarn. Hier bekommt man einen Eindruck, wie das Leben im freien Fall sich auf die Person Mutter auswirkt.
Parallel sieht man, ab der Zeugung, bis hin zum Amoklauf, den Werdegang von Kevin und die Probleme die Mutter und Kind miteinander haben. Kevin wird hier von drei Schauspielern gespielt, welche wirklich enorme äußerliche Ähnlichkeiten aufweisen. Als Kleinkind, im Grundschulalter und als Teenager machen alle "Kevins" ihren Job hervorragend. Tilda Swinton mimt die gebrochene Mutter nahezu perfekt.

Die Grausamkeiten im Film spielen sich mehr oder weniger nur im Kopf des Zuschauers ab. Grafisch gibt es nichts zu sehen, es werden lediglich einige Andeutungen gemacht. Das macht den Film aber auch ganz besonders Ausdrucksstark.
Das Verhältnis zu seinem Vater pflegt Kevin allerdings und es ist auch nicht wirklich angeknackst.

Allerdings hat fast jeder Film auch seine negativen Aspekte und die liegen hier für mich ganz klar an der Glaubwürdigkeit an manchen stellen. Beispielsweise kann ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen dass Nachbarn, eine Mutter die so viel durchmachen musste und selbst so gut wie gar nicht mehr klar kommt, terrorisieren und ablehnen. Keine helfende Hand, kein Psychiater und keine Polizei. Ich denke nicht dass ein Mensch, ohne selbstständige Kriminalitäten ausgeführt zu haben, sowas von fallen gelassen wird.

Fazit:
Intensiv, schockierend und in filmischer Hinsicht auch faszinierdend. Schauspielerisch auf einem Top-Level und ohne grafische Brutalitäten. Ein Amoklauf-Film der ganz anderen Sorte, der leider manchmal etwas an seiner Glaubwürdigkeit zweifeln lässt.

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