"We need to talk about Kevin" ist ein schrecklicher Film. Gleich vorweg gesagt. Die Bezeichnung "schrecklich" bedeutet jedoch nicht, dass es sich um einen schlechten Film handelt. Er ist verstörend und es fällt einem schwer, diesen Film zu loben. Ein klasse Film mit schrecklichem Inhalt und fesselnder Wirkung.
Die Story ist schnell erklärt. Eine Mutter sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Sohn ein Massaker anrichtet und ihr ihr gesamtes Leben nimmt, auf einen Schlag, welches er vorher schon viele Jahre zu zerstören versucht hat. Dies ist ihm auch gelungen.
Psychologisch sehr tief gehend führt dieser Film den Absturz einer Frau vor, welche sich lediglich liebevoll um ihre Familie kümmern wollte.
Kevin ist böse. Er ist kein Dämon oder Sonstiges. Er ist ein Kind und später Jugendlicher. Bereits als Baby macht er seiner Mutter das Leben zur Hölle. Dies setzt sich fort. Kevin hat keine Motive dafür. Er quält mit Vergnügen sein Umfeld.
Natürlich stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Eltern. Kevin liebt seinen Vater, hasst seine Mutter. Warum? Man kann es nicht beantworten.
SPOILER
Das Quälen seiner Mutter reicht ihm letztendlich nicht mehr. Er muss auch Andere quälen, indem er viele seine Mitschüler tötet. Ein geplantes Attentat, ohne Sinn oder Motivation. Kevin schreckt letztdendlich auch nicht davor zurück, seinen Vater und seine kleine Schwester zu töten.
Eva, grandios gespielt von Tilda Swinton, ist eine Mutter. Sie wird von Angehörigen der Opfer angefeindet, sie steht am Abgrund ihrer Existenz. Dennoch steht sie bis zuletzt zu ihrem inhaftierten Sohn.
Tilda liefert ein so intensives Bild einer liebenden Mutter ab, dass man erschaudert. Vieles kann man nicht nachvollziehen, aber das dürfte die Liebe einer Mutter ausmachen.
FAZIT: Ein verstörender Film. Großartig inszeniert. Großartige SchauspielerInnen. Kevin ist grundlos böse, lotet seine Grenzen aus und zerstört mit Genuss Leben. Ohne Grund, ohne Motiv. Dieser Film geht wahnsinnig tief unter die Haut und zeigt, dass die Liebe einer Mutter offenbar grenzenlos ist, mit allen negativen Folgen für sie selbst.
Daher 10/10 Punkten