Mit Freude.
Dieser letzte Satz verleiht wohl all dem Ausdruck, für was dieser Film steht - die herzliche Verneigung vor den Anfängen des Kinos. In "The Artist" steckt so viel Detailverliebtheit und Symbolik des frühen Stummfilms, dass zwar nur eine etwas kleinere Zielgruppe angesprochen wird, jedoch hier jeder eingefleischte Cineast seine Wurzeln entdecken kann.
Der charmante Jean Dujardin und die absolut bezaubernde Berenice Bejo erwecken die Liebesgeschichte, die übertragend als Liebeserklärung an das Kino zu verstehen ist, quasi im Alleingang mit viel Charisma und mimischen Können zum Leben, unterstützt von anderen Größen wie John Goodman oder James Cromwell.
Es wird filmische Handwerkskunst vom Feinsten geboten - vom Schnitt über die Kameraführung und das Kostümbild bis hin zur Filmmusik.
Tatsächlich wird hier absolut nichts Neues gezeigt - im Gegenteil. Alles schon mal dagewesen, jedoch wirken die Filmtechniken im Kontext des modernen Kinos von heute so gezielt wie seit langer Zeit nicht mehr. Der vollkommen perfekten musikalischen Untermahlung wird endlich der Wirkungsraum gegeben der ihr gebührt und die schlichte Schwarz-Weiß-Optik lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf das Geschehen und dessen Darstellung.
Die Machart und Authentizität allein ist hier Zentrum der Betrachtung, daher stellt sich für das Durchschnittspublikum die Frage: Wer will das sehen? Leider werden es nur wenige sein, wobei die Arbeit sich ja gelohnt hat und der Film 5 Goldjungen verbuchen kann.
Die Einfachheit der Story ist völlig nebensächlich und dient eben nur als Rahmen für die zahlreichen kleinen Verneigungen und Knickse, die der Filmgeschichte hier ein Denkmal setzen.
Trotzdem muss man etwas relativieren und hervorheben, dass es sich um wirklich spezielle Kost handelt, welche alles andere als Massenkompatibel ist und einfach einen befremdlichen Beigeschmack hinterlässt. Daher bleibt es "nur" eine Hommage an eine beinahe vergessene Ära. 7/10